Mittwoch, 17. Januar 2018

02. August 2016 06:35 Uhr

Neuburg-Schrobenhausen

Eichenprozessionsspinner: Die gefährliche Raupe ist wieder da

Der Eichenprozessionsspinner hat den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen erreicht. Wo und wann die Gemeinden den Nachtfalter bekämpfen und was Experten raten.

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Die Brennhaare der Raupen der Eichenprozessionsspinner können bei Hautkontakt schwere allergische Reaktionen und beim Einatmen sogar Asthma auslösen.
Foto: Werner Diemer

Der Eichenprozessionsspinner ist auf dem Vormarsch. Nach einzelnen Fällen im Vorjahr gibt es heuer aus fast allen Kommunen im nördlichen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Meldungen über Vorkommen. Die Raupen des Nachtfalters breiten sich von Westen her aus, der Nachbarlandkreis Donau-Ries ist bereits flächendeckend befallen. „Der Eichenprozessionsspinner profitiert von den steigenden Durchschnittstemperaturen“, erklärt Seminarförster Alfred Hornung. Er betreut 800 Hektar Wald im Norden von Neuburg und war heuer mit einem Fall am Waldkindergarten in Gietlhausen konfrontiert.

Der milde Winter kam dem Insekt entgegen

Der Falter – das weibliche Tier legt im Herbst seine Eier meist im Kronenbereich von Stiel-, Rot- und Traubeneichen ab – profitiert vom heißen Sommer und warmen Herbst 2015. Und der milde Winter hat dem Eichenprozessionsspinner das Überwintern erleichtert. Im April/Mai sind die Raupen geschlüpft und haben sich zu den typischen „Prozessionen“ zusammengeschlossen.

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Früher konzentrierte sich die Verbreitung auf Unter- und Mittelfranken mit seinem warm-trockenen Klima und großen Alteichenbeständen. Doch schon seit den 90er Jahren breitet sich der Schädling immer weiter nach Süden aus und hat Jura und Donautal längst überschritten. Die Gemeinden Burgheim und Oberhausen melden ebenso Befall wie der Markt Rennertshofen, auch aus der Stadt Neuburg und aus Bergheim gab es schon Meldungen. Die aktuellste Sichtung gibt es in Königsmoos, ausgerechnet auf dem Gelände der Grundschule in Stengelheim wurde ein befallener Baum entdeckt. Für Abhilfe sorgen können nur Spezialfirmen, die die Raupen professionell entfernen. Eigenhändiges Vorgehen ist nicht angeraten, sondern nur mit Körpervoll- und Atemschutz empfohlen.

Erste Meldungen gingen in Gemeinden ein

Die Gemeinde Ehekirchen informiert ihre Bürger im Gemeindeblatt: „Eichenprozessionsspinner angekommen!“ heißt es dort in der jüngsten Ausgabe. Im Juli seien im Rathaus die ersten Meldungen über Populationen eingegangen und zwar aus Bonsal und Ehekirchen selbst, erklärt Geschäftsleiter Stefan Fäustlin. Beide Male standen die Bäume auf öffentlichem Grund. „Es geht darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren“, einerseits über Vorsichtsmaßnahmen und Symptome, aber auch, die Verbreitung des Schädlings auf gemeindlichen oder öffentlichen Flächen im Rathaus zu melden, so Fäustlin.

Problemtisch sind die Eichenprozessionsspinner für Mensch und Natur, weil sie einerseits die Bäume völlig kahl fressen und andererseits die lediglich 0,1 Millimeter feinen Brennhaare der Raupen gesundheitliche Probleme auslösen können. Dafür muss nicht einmal ein Kontakt vorliegen. Es reicht, dass die mit Widerhaken versehenen Härchen durch die Luft fliegen. Sie reizen Oberhaut und Schleimhäute mechanisch, zudem verursacht das darin enthaltene, giftige Eiweiß Thaumetopoein allergische Reaktionen. Die Gesundheitsgefährdung nimmt mit jedem weiteren Entwicklungsstadium der Tiere zu: Altraupen besitzen bis zu 700000 Brennhaare.

Die Bürger müssen informiert werden

„Der Eichenprozessionsspinner“, sagt Alfred Hornung, „ist ein Lehrbeispiel, wie sensibel das Ökosystem schon auf kleine Temperaturschwankungen reagiert.“ Erwin Pommer, Kreisgartenfachberater am Landratsamt, bekommt mittlerweile immer öfter Anfragen, was bei einem Befall zu tun ist. „In den Kommunen sind die Bauhofmitarbeiter inzwischen hellhörig.“ Es komme aber auch darauf an, die Bürger zu informieren. Im frühen Stadium sei der Eichenprozessionsspinner nämlich gar nicht leicht zu erkennen, „die Gespinste sehen oft aus wie eine Astverdickung.“ Auf der Ortsverbindung von Oberhausen nach Sinnig hat Erwin Pommer diese Tage neben dem Radweg befallene, jungen Eichen gesehen.

Noch kommt der Schädling im Landkreis nur punktuell vor, vor allem entlang von Straßen. Im Nachbarlandkreis geht es dagegen schon an die Substanz der Eichenwälder. Die Schäden durch den Eichenprozessionsspinner schätzt das Nördlinger Forstamt mittlerweile als „bestandsbedrohend“ ein. Eine frühzeitige Bekämpfung sei deshalb wichtig, weiß Erwin Pommer. Im Larvenstadium kann man Biozide einsetzen, es gibt aber auch härtere Mittel. Ein sogenannter Häutungshemmer hemmt den Häutungsprozess der Raupen, die Nachtfalter gehen zugrunde. Doch der Einsatz dieser Chemikalie ist nicht ohne Nebenwirkung, werden doch neben den Schädlinge auch andere Insekten getötet, die sich häuten – also auch Tagfalter oder andere Schmetterlinge. Dennoch ist eine Bekämpfung auf öffentlichem Grund unumgänglich. „In Parks, Bädern, an Schulen und in Kindergärten unbedingt“, sagt Alfred Hornung. Ein Befall ist allerdings nicht meldepflichtig. Auf Privatgrund ist der Grundstücksbesitzer selbst verantwortlich und muss auch die Kosten für eine Beseitigung tragen.

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Ein Artikel von
Norbert Eibel

Neuburger Rundschau
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