Samstag, 27. Mai 2017

17. Mai 2017 18:33 Uhr

Technik

Der Roboter: Kollege oder Konkurrent?

Der Schalterhersteller Valeo in Wemding kooperiert verstärkt mit den Hochschulen. Es geht auch darum, dass Roboter den Menschen künftig stärker unterstützen sollen

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Nijazi Alija ist Facharbeiter bei Valeo. Der „Kollege“, der ihn unterstützt, ist ein automatisierter Greifer. Das menschliche Auge ersetzt er allerdings nicht.
Foto: Hilgendorf

Nijazis Alijas Kollege ist der Traummitarbeiter eines Fabrikbesitzers: Er meckert nicht, ist 24 Stunden einsatzbereit und eigentlich nie krank. Wobei, ganz stimmt das nicht, denn auch um einen Roboter muss sich jemand kümmern – ihn anweisen, sprich: programmieren, ihn warten und gegebenenfalls reparieren. Bei Valeo in Wemding arbeiten beide Hand in Hand – menschliche Arbeiter als auch unterstützende Robotersysteme. An jenen automatisierten Systemen und ihrem Einsatz in der tagtäglichen Fertigung forscht man im Landkreis. Maßgeblich beteiligt sind hier das Technologie Centrum Westbayern (TCW) mit dem Hochschulstandort Nördlingen, die Hochschule Augsburg, aber eben auch, als direkt unterstützende Stifter, Firmen in der Region, wie etwa Valeo. Gestern haben die Verantwortlichen der Forschungseinrichtungen und des großen Zulieferers für die Automobilindustrie einen Stiftervertrag im Wemdinger Werk unterschrieben. Davon versprechen sich beide Seiten viel. Karl-Heinz John von Valeo macht keinen Hehl daraus, dass Kooperationen, die der Betrieb ja auch finanziell unterstützt, eine sogenannte „Win-win-Situation“ darstellen sollten. Der Fachkräftemangel sei keine Mär, sondern Realität. Deshalb gelte es, bereits früh anzusetzen und Studenten zu gewinnen – und auch langfristig zu binden. Das geschehe etwa über die aktive Unterstützung von Forschungsprojekten der Hochschulstandorte Nördlingen und Augsburg. Auch das TCW ist als Forschungs- und technologische Dienstleistungseinrichtung dabei stark eingebunden.

Wie John erklärt, verfüge man zwar über einen stabilen Stamm von fast 1400 Mitarbeitern am Standort Wemding, dennoch müsse man vorausschauend planen in puncto Personal. Es verschiebe sich vieles – die Produktion laufe teils stark automatisiert ab. Das heiße nicht, dass der klassische Arbeiter in der Fertigung von Schalteranlagen überflüssig werde – allerdings seien durch die Robotersysteme künftig mehr und mehr Facharbeiter, Meister und Ingenieure gefragt, die den stärker automatisierten Betrieb beaufsichtigen, programmieren und warten können. Josef Wolf ist Geschäftsführer des TCW in Nördlingen. Er betont, dass die Nachwuchsgewinnung neben der Forschung und Weiterbildung zu einem bedeutenden Pfeiler der Arbeit seiner Einrichtung geworden ist. Man gehe inzwischen sogar in die Kindergärten, um das Technikinteresse zu wecken. Entscheidend sei indes auch die Zusammenarbeit mit den Realschulen, um Arbeits- und Forschungsfelder sowie die Betriebe bekannt und vertraut zu machen.

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Alexander Zott ist Masterstudent, sein Kollege Moritz Ziegelbauer Labortechniker. Gemeinsam erproben sie auf den weitläufigen Werksfluren von Valeo, auf denen komplizierte Schalter- und Sensorsysteme produziert werden, ein vollautomatisches Flurfahrzeug zum Transport. Das Grundgefährt kommt ebenfalls aus der Region, aus dem Hause Grenzebach (Hamlar). Es kann auf Bestellung eines Arbeiters Material zur Werkbank bringen. Der Roboter ersetze nicht den Menschen, sondern helfe ihm, erklärt auch Werkleiter Markus Hein.

Die Automatisierung mag einem Angst machen. Doch Valeos Personalentwicklung spricht bis dato eine andere Sprache: Stand man 2008 bei 1100 Kollegen, so sind es aktuell fast 1400. Die Aufgaben verlagern und verändern sich offenbar, doch der Mensch arbeitet nach wie vor.

Professor Florian Kerber von der Hochschule Augsburg, der mit seinen Studenten jenes Transportprojekt bei Valeo betreut, unterstreicht die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft: „Es ist etwas völlig anderes, ob ich in einem wissenschaftlichen Labor arbeite oder unter Realbedingungen.“ Landrat Stefan Rößle betont indes, dass der Kreis Einrichtungen wie das TCW mit Blick auf die Zukunft überzeugt finanziell unterstütze. Indes weist Bürgermeister Martin Drexler auf die Relevanz der Industrie hin: Von 3500 Arbeitsplätzen in Wemding seien eben 1400 allein bei Valeo angesiedelt.

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik, Stadt Donauwörth

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