Dienstag, 28. Juni 2016

02. März 2015 15:06 Uhr

Nördlingen

Wenn Eltern ihre kranken Kinder in die Kita bringen

Immer mehr Eltern bringen ihre Kleinen in die Kindertagesstätten, obwohl die Kinder nicht gesund sind. Ein Kinderarzt erklärt, warum das sehr gefährlich sein kann.

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Sind Kinder krank, müssen sie Zuhause bleiben, sagt der Nördlinger Kinderarzt Detlef Grunert. Er hat beobachtet, dass immer mehr Eltern ihr Kind dennoch in die Kita bringen.
Foto: dpa

Dr. Detlef Grunert ist stinksauer. Eine Frechheit sei das, was manche Eltern tun, rücksichtslos und unverantwortlich, schimpft der Kinderarzt. Was den Nördlinger so ärgert? Immer mehr Eltern bringen seiner Meinung nach ihre kranken Kinder in die Kitas.

„Die rufen dann morgens bei uns in der Praxis an und sagen, ihr Kind habe hohes Fieber.“ Wenn die Arzthelferin dann antworte, ob Mama oder Papa samt Kind nicht vorbeikommen wolle, bekomme sie folgende Antwort: „Das geht nicht, das Kind ist gerade in der Kita.“

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Dr. Grunert bringt das auf die Palme. Seiner Meinung nach habe sich die Situation verschlimmert, seit es die Kitas gebe. Und die Folgen habe er jetzt auch in der eigenen Familie erlebt: Seine Enkel waren krank, blieben zu Hause. Als sie wieder gesund waren, besuchten sie ihre Kindertagesstätte. Nach zwei Tagen waren sie wieder krank.

„Ein Kind muss so lange daheim bleiben, bis es gesund ist“, betont Grunert. Und das könne bei einer Grippe schon mal zwei bis drei Wochen dauern, bei einem Norovirus zwei bis drei Tage. „Wer Kinder hat, muss erst einmal für die Kinder da sein.“ Eigentlich müssten die Erzieherinnen die Buben und Mädchen heimschicken: „Aber wenn ein Kind nachts Brechdurchfall hatte, sehen sie das nicht.“

Wann Kinder nicht in die Kita gebracht werden sollten

Claudia Angel ist die Leiterin der Kindertagesstätte An der Deininger Mauer in Nördlingen. Und sie sagt, es wäre besser, wenn die Ärzte den Eltern sagen würden, dass das Kind eine Weile zu Hause bleiben solle: „Die Erwachsenen werden doch auch eine Woche krank geschrieben.“ Die Kleinen würden allerdings eher schneller wieder gesund als die Großen. Wenn ein kleiner Besucher erkennbar Fieber habe, dann werden die Eltern samt Kind von Angel und ihren Kollegen nach Hause geschickt.

Und wenn ein Bub oder ein Mädchen während des Tages erbricht, Durchfall oder Fieber bekommt, müssen die Mamas und Papas ihn oder sie abholen. Habe es aber nur einen Schnupfen, könne das Kind bleiben. Angel stellt klar: Ob berufstätig oder nicht – das mache keinen Unterschied, ob Eltern ihr Kind eher in die Kita bringen oder nicht. Etwa 130 Kinder besuchen die städtische Kindertagesstätte Schneegarten in Donauwörth.

Marion Hartlieb arbeitet dort, sie sagt, dass sich die Hygieneschutzregeln geändert hätten: Habe früher ein Kind Windpocken gehabt, durfte es nur mit einem ärztlichen Attest wieder in den Kindergarten kommen. Darin stand dann, dass der Bub oder das Mädchen frei von ansteckenden Krankheiten sei. Zudem hätten die Ärzte die Kinder so zweimal angeschaut. Ein weiterer Grund, so Hartlieb: Viele Eltern seien berufstätig, hätten Angst um ihren Arbeitsplatz.

„Es gibt schon viele Kinder, die mit Schnupfen und Husten gebracht werden.“ Sobald Fieber dazu komme, schicke man sie aber wieder heim – oder wenn ein Kind sehr leidet.

Masern sind schon im Anfangsstadium ansteckend

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rainer Mainka, vertritt die Meinung, dass ein Kind mit hohem Fieber keine Kindertagesstätte betreten sollte, wenn die Ursache für die erhöhte Temperatur nicht abgeklärt ist. Denn für Fieber gebe es viele unterschiedliche Gründe: von wachsenden Zähnchen über eine Grippe bis zu einer beginnenden Masernerkrankung.

„Schon im Anfangsstadium sind Masern ansteckend.“ Und das sei besonders in Kindertagesstätten, wo ganz kleine Buben und Mädchen untergebracht werden, fatal: „Kleine Kinder bis zwölf Monate kann man nicht gegen Masern impfen.“

Denn sie könnten die Masern-Antikörper ihrer Mutter in sich tragen: „Man darf niemanden impfen, wenn nicht sicher ist, dass die Impfung Erfolg hat.“ Immer wieder bekommt Mainka Mitteilungen, das in Kindertageseinrichtungen ganze Gruppen geschlossen werden – weil die Erzieherinnen oder viele Kinder krank sind.

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Ein Artikel von
Martina Bachmann

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Ressort: Lokalnachrichten Nördlingen

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