Samstag, 22. Juli 2017

12. Februar 2017 11:26 Uhr

Polizeiruf 110 heute

Kritik zum Polizeiruf 110 "Dünnes Eis"

Heute Abend zeigt die ARD keinen Tatort. Stattdessen übernehmen die Kollegen vom Polizeiruf - mit einem Entführungsfall. Das können die Zuschauer von "Dünnes Eis" erwarten.

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Matthias Matschke als Dirk Köhler und Anna Herrmann als Michelle in einer Szene aus dem Polizeiruf0 "Dünnes Eis"
Foto: Frédéric Batier/MDR, dpa

Eine Entführung, wenige Verdächtige. Keine Drogen-Gangs und keine Migrationsdramen. Das verspricht einen langsamen Krimi, der dennoch nicht langweilig ist. Zumal der Magdeburger „Polizeiruf 110“ mit dem Titel „Dünnes Eis“ Irrationen zwischen der Polizeiführung und den mit dem strapazierten Entführungskanon (Lösegeld organisieren etc.) befassten Kommissaren auslöst. Ganz zu schweigen von der Altenpflegerin Anja Peelitz (Christine Große), die für 100.000 Euro ihre Tochter Kim auslösen soll.

Der Zuschauer ahnt zwar, dass etwas faul sein muss mit der Mama, die überall von einer Erbschaft in eben dieser Höhe erzählt hat. Dennoch ist die im Rückblick relativ konventionell inszenierte Geschichte spannend, weil die von Christine Große unglaublich intensiv gespielte Mutter schließlich aus ihrer Scheinwelt geholt wird.

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Das erwartet Sie im Polizeiruf 110 "Dünnes Eis" heute

Eine schauspielerische Steilvorlage für das Ermittlerduo Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Dirk Köhler (Matthias Matschke), das erst mal Eigentore schießt. Die Motorrad-Polizistin Brasch mit den wehenden Haaren unterm Helm, weil sie die verzweifelte Mutter barsch angeht. Der emotionale Köhler, weil er allzu sehr den sensiblen Händchenhalter bei der verwirrten Mama aus der tristen Magdeburger Reihenhaussiedlung gibt. In der Tat bewegen sich die zwei auf „dünnem Eis“. Denn entführt werden in der Regel süße Kinder oder junge Erben reicher Familien.

So artikuliert dieser „Polizeiruf 110“ gegen Ende immer stärker die Frage, wer denn hinter der Entführung steckt oder ob die 23-jährige, aufmüpfige Tochter Kim überhaupt noch lebt. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss ahnt man schon aufgrund der Gemengelage, wie die Geschichte ausgeht. Regisseur und Drehbuchautor ist da leider nicht mehr viel eingefallen. Anschauen? Ja, aber mit Einschränkungen.

Bleibt nur die Hoffnung, dass Brasch und Köhler sich künftig noch näher kommen. Jedenfalls ist Matthias Matschke („Wut ist einfach mein Thema“) auch dank der ZDF-Reihe „Professor T.“ (Samstag, 21.45 Uhr) der TV-Schauspieler des Wochenendes.

 

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Schlagworte

Augsburg | Tatort | ARD

Ein Artikel von
Rupert Huber

Augsburger Allgemeine
Ressort: Freier Mitarbeiter

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