Samstag, 16. Dezember 2017

06. Juni 2014 16:37 Uhr

Fall Maddie

Neue Suche nach Maddie ärgert die Menschen in der Region

Spürhunde finden nur Tierknochen. Die Menschen im Dorf sind genervt. Sieben Jahre nach dem Verschwinden von Maddie McCann wird wieder nach dem britischen Mädchen gesucht.

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Auf der Suche nach dem seit bald sieben Jahren verschwundenen Mädchen sind Beamte der Londoner Polizei Scotland Yard nach Portugal gereist. Bisher fanden die Ermittler nur Tierknochen. Außerdem bangen die Anwohner um die Urlaubssaison, die überlebenswichtig für die Region ist.
Foto: Luis Forra, dpa

Victor Mata kann bei aller Professionalität seinen Unmut nicht verbergen. «Warum müssen die gerade jetzt suchen?», fragt der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Luz im Süden Portugals. «Die», das sind rund 40 Polizeiexperten, die seit Montag am Strand von Luz mit Spürhunden, Bodenradar, Baggern und Schaufeln ein Gelände mit zum Teil dichtem Gebüsch und Gestrüpp nach Hinweisen auf die vermisste Madeleine McCann durchkämmen - sieben Jahre nachdem das englische Mädchen spurlos verschwunden ist.

Die meisten Anwohner ärgern sich über die neue Suche

Die Suche weckt Emotionen, die kaum gegensätzlicher sein könnten: Die Eltern von Maddie, Gerry und Kate, äußerten sich am Freitag hoffnungsvoll zu den Ermittlungen und meinten auf Facebook: «Der Fortschritt macht uns Mut.» Journalisten aus aller Welt, vor allem aber aus Großbritannien, warten vor Ort auf jede noch so kleine Neuigkeit. An der Algarve aber ärgern sich die meisten Menschen über den Rummel.

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«Die Bevölkerung und die Unternehmer sind skeptisch», sagt Mata der Nachrichtenagentur dpa. Kein Wunder: Seine Gemeinde und auch nahe gelegene Orte wie die größere Stadt Lagos überleben nur dank der touristischen Sommersaison, die seit Juni läuft und nur gut drei Monate dauert.«Wenn sie etwa im September begonnen hätten, hätten sie acht Monate suchen können, ohne zu stören oder gestört zu werden», zitierte die Wochenzeitung «Portugal News» den Bürgermeister. Wenn die Behörden aber gute Gründe für die Suche hätten, könnten sie «mit voller Unterstützung rechnen».

Unternehmer findet den Aufwand nicht gerechtfertigt

Man hat natürlich Angst, dass Touristen verärgert oder verscheucht werden. Pedro, der einige Ferienwohnungen in Luz und Umgebung betreibt, sagt der dpa: «Natürlich machen wir uns auch Sorgen um das Image der Region. Der Schaden kann Jahre anhalten. Ich habe gelesen, dass in Großbritannien täglich viele Kinder verschwinden, und hier wird so ein Tohuwabohu veranstaltet.»

Nicht nur die Portugiesen sind wegen des verletzten Nationalstolzes und der drohenden Geschäftseinbußen empört. Auch viele der Briten, Deutschen und Niederländer, die an der Algarve wohnen, haben kein Verständnis für den Medienzirkus. Auf dem englischsprachigen Newsportal «Portugal Resident» liest man die Klagen: «Buchungen sind bereits storniert worden», «Die Leute bleiben weg», «Die Gemeinde wird zerrissen».

Bisher fanden die Spürhunde nur Tierknochen

Die Behörden können die neuen Ermittlungen nicht wirklich rechtfertigen. Die Suche habe bisher «nichts Interessantes ergeben», sagte ein portugiesischer Polizeisprecher der dpa. Die britischen Cocker-Spaniel-Spürhunde «Tito» und «Muzzy» fanden bisher nur Tierknochen. Der Scotland-Yard-Beamte Mark Rowley wurde von Algarve-Medien mit den wenig aufmunternden Worten zitiert: «Ich will die Erwartungen niedrig halten. Man sollte nicht interpretieren, dass man jetzt hier zwangsläufig zum Ende gelangt oder einen Durchbruch oder so etwas erzielt.»

Vor diesem Hintergrund werden Unternehmer und Einwohner nicht gern gehört haben, dass die Suche auf dem Gelände westlich von Luz, die eigentlich nur fünf Tage dauern sollte, um sieben Tage verlängert wurde. Auch die Kanalisation wird durchsucht. Dass Gerry und Kate McCann in England bleiben, ist verständlich. Bei Besuchen in Südportugal wurden sie immer ausgebuht. Ein Priester verwehrte dem Vater von Maddie sogar einmal die Teilnahme an einer Messe. Zu sehr hat man ihnen übel genommen, dass sie die Aufmerksamkeit so stark auf den Fall gezogen hatten.

An der Algarve, wo Maddie am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Luxus-Ferienanlage verschwand, während die Eltern mit Freunden in einem Lokal saßen, meint man jetzt, die Suche gebe Gonçalo Amaral doch Recht. Der entlassene Ex-Chefermittler, der das Buch «Maddie: Die Wahrheit über die Lüge» geschrieben hat, meinte schon immer, das Mädchen sei tot und dass die Eltern mehr wüssten. dpa

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