Samstag, 16. Dezember 2017

09. Oktober 2015 06:59 Uhr

Knigge Buch

Neues Knigge-Buch nennt Regeln zum Unhöflichsein

Wer Übung im Unhöflichsein braucht, findet womöglich in Moritz Knigges neuem Buch ein paar Anreize: Der Nachfahre des berühmten Adolph Knigge will Rüpeln ihr Spiegelbild vorhalten.

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Moritz Freiherr Knigge ist Autor des Buches "Anleitung zum Unhöflichsein".
Foto: Philipp von Ditfurth (dpa)

Die meisten Menschen denken an einen Benimm-Apostel und Regel-Papst, wenn sie Knigge hören - und haben damit ein falsches Bild von dem Schriftsteller und Gesellschaftsphilosophen Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge (1752-1796).

Wer war eigentlich dieser Knigge?

Der Mann mit den vier Vornamen  verfasste nicht wie häufig angenommen ein Regelwerk über gutes Benehmen und Manieren. In seinem bekanntesten Werk "Über den Umgang mit Menschen" aus dem Jahre 1788 geht es unter anderem um verschiedene Charaktere der Menschen und wie man am besten mit diesen umgeht. Vom Choleriker bis zum Melancholiker ist alles dabei. Auch die Eigenheiten unterschiedlichster Berufsgruppen, ob Kutscher oder Politiker, definierte er.

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Da es im 18. Jahrhundert noch kein einklagbares Urheberrecht gab, ergänzten andere Autoren das damals sehr populäre Buch schon kurz nach Erscheinen zunehmend um klassische Benimm-Regeln. So wuchs es schließlich zu einer Art Regelwerk heran und prägte damit unser heutiges Verständnis von Knigge - der gute Mann konnte also nicht mal wirklich was dafür.

Eine "Anleitung zum Unhöflichsein"

Moritz Freiherr Knigge (47) möchte seinen Urahnen von diesem weit verbreiteten spießigem Bild erlösen: "Adolph Freiherr Knigge hat keine Etiketteregeln aufgestellt, er war Moralphilosoph und Aufklärer", erzählt er der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Wie sein Vorfahre auch, ist er auf dem Rittergut Bredenbeck bei Hannover aufgewachsen.

In seinem neuen Buch verfolgt der Knigge-Nachfahre sogar genau das gegenteilige Ziel: "Anleitung zum Unhöflichsein" lautet der Titel seines Buchs, womit er "allen Rüpel einen Spiegel vorhalten" will. Statt also Anstandsregeln aufzustellen, konfrontiert Knigge die Leute mit ihrem unangemessenen Verhalten. Kapitel im Buch sind schon mal mit Bezeichnungen wie "Bleib geschmeidig, Alter" betitelt.

In seinen Augen haben die etlichen Bücher über Höflichkeit nichts gebracht, weshalb er nun das Gegenteil versucht. "Unhöflichkeit beruht meist auf Missverständnissen, nicht auf bösem Willen", sagte er. Christina Sticht, dpa/AZ

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