Freitag, 24. November 2017

13. Mai 2016 12:10 Uhr

Mallorca-Hai

Warum Haie im Mittelmeer völlig normal sind - und meist harmlos

Ein Blauhai vor Mallorca verängstigte in den vergangenen Tagen viele Touristen. Ein Hai-Experte erklärt, warum Furcht unbegründet ist - und wie man bei einer Hai-Attacke reagieren sollte.

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Blauhaie schwimmen normalerweise im offenen Meer - kommen aber in seltenen Fällen in Küstennähe.
Foto: imago

Zehn Millionen Menschen machten 2015 Urlaub auf Mallorca – und in dieser Saison sollen es noch mehr werden. Umso dramatischer wirken so die Berichte der vergangenen Tage: Ein Blauhai war im Hafenbecken von Porto Pi gesichtet worden. Er schwamm lediglich 500 Meter vom Ufer entfernt. Die Polizei band daraufhin einen Strick um die Schnauze des Tieres und zog es damit von der Küste weg.

Ein Blauhai so nahe am Strand jagt vielen Touristen Angst ein. Dabei sind Haie im Mittelmeer überhaupt nichts Ungewöhnliches, „Im Mittelmeer gibt es viele Haie. Sie sind aber so scheu, dass man sie meist nicht sieht“, sagt Hai-Spezialist Jürgen Kriwet. Auch an der französischen Küste oder im Golf von Neapel sei es beispielsweise völlig normal, dass Haie umherschwimmen.

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Hai vor Mallorca war ein Blauhai

Laut Informationen des Wiener Biologie-Professors, der gebürtig aus Landsberg am Lech stammt, befinden sich Blauhaie in den allermeisten Fällen im offenen Meer. Der Blauhai vor Mallorca indes sei ein Jungtier gewesen. Die kämen auf der Suche nach Fischen ab und an in Buchten oder Häfen, erwachsene Tiere seien meist zu groß, um dort hinein zu gelangen. „Vermutlich hat das Jungtier einen Fischschwarm oder eine Geruchsspur verfolgt“, so Kriwet. Die Fangaktion der Polizei hingegen sei völlig überflüssig gewesen. Verliert sich die Spur, würden die Tiere ohnehin umgehend wieder ins offene Meer zurückschwimmen.

Dennoch gibt es selten Unfälle mit Haien. Maximal 150 Millionen der Raubtiere soll es in den Weltmeeren geben. Laut Zahlen einer internationalen Datenbank über Haiangriffe gab es im Jahr 2015 weltweit 98 Hai-Attacken, sechs davon mit tödlichem Ausgang. Zum Vergleich: In Deutschland sterben jährlich etwa 70 Menschen durch Blitzschlag. „Eine aktuelle Studie an meinem Lehrstuhl zeigt, dass Hai-Angriffe und daraus resultierende Todesfälle in den vergangenen 25 Jahren nicht zugenommen haben – wohl aber die Medienberichterstattung darüber“, sagt Kriwet. So entsteht wohl ein falsches Bild über das wahre Gefahrenpotenzial dieser Fische.

Hai-Attacke: So verhalten Sie sich richtig

Dennoch sind Haie Raubtiere. Das sollten Menschen bedenken, falls sie wirklich einem begegnen. „Zeigen Sie kein Fluchtverhalten und schwimmen Sie nicht panisch weg. Der Hai wäre ohnehin schneller, zudem regen Sie damit nur den Jagdinstinkt des Tieres an“, sagt Kriwet. Betroffene sollten ruhig bleiben, hektische Bewegungen meiden und gegebenenfalls sogar dem Hai ganz langsam ein wenig näher kommen, rät der Biologe.

Die allermeisten dokumentierten Unfälle passieren laut Kriwet ohnehin aufgrund von menschlichem Fehlverhalten. Oft würden Taucher die Tiere provozieren, indem sie die Haie verfolgen oder gar an ihrer Schwanzflosse ziehen. „Wer würde schon auf die Idee kommen, einen Löwen am Schwanz zu ziehen“, so Kriwet. Sein Fazit: Vorfälle wie die jüngste Hai-Begegnung bei Mallorca sind völlig normal. Wo es Meere gibt, gibt es auch Haie. Panik hingegen sei völlig übertrieben. AZ

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Ein Artikel von
Sascha Gorhau

Online / Auto+Mobil
Ressort: News, Politik, Wirtschaft, Mobilität


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