Freitag, 24. November 2017

26. Juni 2017 15:59 Uhr

Mallorca-Hai

Wie ein Blauhai Mallorca in Atem hielt - und schließlich starb

Ein Blauhai hatte am Wochenende auf Mallorca zu einem Badeverbot geführt. Die Aufregung war groß. Hai-Experten erklären die Hintergründe.

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In Illetas nahe Palma wagte sich ein Blauhai ungewöhnlich nah an Menschen heran.
Foto: Angela & Tim Prottey-jones

Am vergangenen Samstagmittag bemerken Urlauber an einem Strand westlich der Inselhauptstadt Palma de Mallorca einen etwa zwei Meter langen Blauhai. Schließlich kehrt das Tier ins offene Meer zurück. Am Sonntagmorgen berichten Touristen, das Tier sei in der Nähe von Cala Major wieder aufgetaucht. Am Sonntagnachmittag taucht das Tier direkt vor der Touristenhochburg Ballermann auf. Die Strandverantwortlichen hissen die Rote Flagge und erteilen für den Strand ein Badeverbot.

Gegen 17.15 Uhr endet der Spuk: Am Strandabschnitt des zu Palma gehörenden Örtchens Can Pastilla, wurden die Suchkommandos fündig und sahen tatsächlich einen Hai, der in aller Ruhe und scheinbar orientierungslos hin und her schwamm. Die Hai-Jäger trieben das Tier zum Ufer, wo ihn Spezialisten des Aquariums von Palma einfingen und betäubten, um ihn zunächst auf Krankheiten oder Verletzungen zu untersuchen. Denn normalerweise nähern sich Haie, die im Mittelmeer leben, nicht den Stränden, sondern bleiben in tieferen Gewässern. Der Verdacht der Fachleute bestätigte sich: Der etwa zwei Meter lange Blauhai, ein Jungtier, war schwer verletzt. Er hatte einen Angelhaken im Maul und eine tiefe Wunde im Körper, die von einer Harpune stammen könnte. Der Riesenfisch hatte wegen seiner Verletzungen keine Überlebenschance mehr. Die Veterinäre entschieden deswegen, den Hai einzuschläfern. Möglicherweise war er in schützende seichte Gewässer geschwommen, um nicht selbst von anderen großen Raubfischen gefressen zu werden. Das Tier wird nun im Aquarium obduziert.

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Doch es gibtz noch eine andere Erklärung. Jürgen Kriwet, Biologie-Professor an der Universität Wien, vermutet, dass das Tier aufgrund der überfischten Gewässer rund um Mallorca im offenen Meer keine Nahrung mehr gefunden habe. Durch die strenge Hierarchie innerhalb der Art sei die wenige verfügbare Nahrung den Älteren vorbehalten, die Jungtiere hätten das Nachsehen. Die hungrigen Tiere suchen darum in Strandnähe nach Tintenfischen und kleinen Fischen, vermutet Kriwet, der in Landsberg am Lech geboren wurde.

Hai-Experte: "Menschen passen nicht in das Beuteschema von Blauhaien"

"Menschen sind viel zu groß für sein Beuteschema. Angriffe von Blauhaien auf Menschen kommen so gut wie gar nicht vor", sagt Kriwet. Der Forscher berichtet, dass seit der Erfassung von Hai-Übergriffen auf Menschen im Jahr 1900 insgesamt drei Blauhai-Attacken im Mittelmeer dokumentiert worden seien. Alle seien glimpflich mit nur sehr leichten Verletzungen ausgegangen, die meisten davon Abschürfungen. Denn Haihaut ist mit Hautzähnchen bedeckt. Diese Widerhaken machen die Außenhülle des Tieres grob wie Schmirgelpapier, sodass schon eine Berührung zu einer Scheuerwunde beim Menschen führen könne.

Seit einigen Tagen kursieren dennoch Dutzende Hai-Videos, gedreht von Mallorca-Urlaubern, in den sozialen Netzwerken. Man weiß nicht von allen, ob sie wirklich authentisch sind. Es scheint fast so, als ob sich ganz Mallorca in diesen Tagen auf Hai-Jagd begeben hat. Der Hai-Spuk ist derzeit das Thema Nummer eins an Mallorcas Urlauberstammtischen.  Die Sicherheitskräfte an den Stränden nehmen das Thema ernst und sind in Alarmbereitschaft. Die offiziellen Experten vermuten zwar, dass es sich bei allen Hai-Sichtungen immer um denselben Raubfisch handelte, aber man weiß ja nie.

Eine hektische Medienberichterstattung tut ihr Übriges: Mit "Panik am Ballermann" beschrieb die Bild die Geschehnisse. Auf ihrer Internet-Seite schildert das Blatt zudem die Erfahrungen eines Augenzeugens, der den Hai vor sich im Wasser herannahen sah. "Gerade solche reißerischen Beiträge tragen leider sehr dazu bei, dass Menschen vor Haien Panik haben. Die Berichterstattung hat leider in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Generell ist das gut, solange sie realistisch bleiben, denn so kann ein besseres Verständnis gegenüber Haien geweckt werden", sagt Kriwet.

Laut Zahlen einer internationalen Datenbank über Haiangriffe gab es im Jahr 2016 weltweit 81 Haiattacken. Die Zahl liegt geringfügig unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 82 - und deutlich unter der Zahl aus dem Vorjahr, als 98 Haiangriffe einen bisherigen Höchststand markierten. 2016 endeten der Erhebung zufolge vier Angriffe tödlich. "Die Attacken nehmen über die Jahre hinweg langsam zu", sagt Studienleiter George Burgess vom Florida Museum of Natural History, das sich für die Datenbank verantwortlich zeichnet. Als Ursachen dafür sieht Burgess einerseits die Zunahme der Weltbevölkerung und andererseits die steigende Verbreitung von Wassersportarten. Sein Fazit: "Haie sind ein natürlicher Teil des Ökosystems. Für Menschen jedoch ist der Ozean eine fremde Umgebung. Wenn wir Menschen uns ins Meer begeben, dann betreten wir die Wildnis."

2016 sorgte bereits ein Hai auf Mallorca für Schlagzeilen

Im Mai 2016 hatte sich bereits ein ähnlicher Fall ereignet: Ein Blauhai hatte sich über mehrere Tage hinweg zweimal in den Hafen von Palma verirrt und war orientierungslos im Hafenbecken gekreist. Die Küstenwache trieb ihn daraufhin ins offene Meer zurück. Doch der Hai kam wieder: Im Westen der Inselhauptstadt schwamm das Tier in der Badebucht in Cala Falcó umher. Badegäste hatten umgehend die Polizei informiert, die das etwa zwei Meter lange Tier schließlich tötete.

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Ein Artikel von
Sascha Gorhau

Online / Auto+Mobil
Ressort: News, Politik, Wirtschaft, Mobilität


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