Freitag, 17. November 2017

17. Juli 2017 06:34 Uhr

Interview

William und Kate kommen: Was uns an den britischen Royals fasziniert

William und Kate kommen nach Deutschland – und alles scheint aus dem Häuschen. Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert erklärt, warum die Royals für viele so interessant sind.

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William und Kate reisen mit ihren Kindern George und Charlotte nach Deutschland.
Foto: Str/EPA/dpa (Archivbild)

Herr Seelmann-Eggebert, welche Bedeutung hat der Besuch von William und Kate, die von Mittwoch bis Freitag mit ihren Kindern George und Charlotte nach Deutschland kommen?

Rolf Seelmann-Eggebert: Es ist ja kein Geheimnis, dass die Engländer sich momentan rarmachen und versuchen, uns den Rücken zu kehren – was ich ihnen persönlich sehr übel nehme. Die Reise nach Polen und Deutschland ist für mich ein Zeichen von Wohlwollen, um die das Königshaus übrigens vom britischen Außenministerium gebeten wurde. In diesem Jahr ist ungewöhnlich viel Aktivität zu sehen: William und Kate waren bereits in Paris, Charles und Camilla in Rom zu Gast. Im Hinblick auf das, was in Großbritannien gerade politisch passiert, hat das Außenministerium wohl festgestellt, dass man über das Königshaus gehen muss, wenn man im Ausland Sympathie-Pluspunkte sammeln will. Die Monarchie geht auf die Reise und signalisiert, dass die Engländer nicht aus Europa ausscheiden, sondern aus einem bestimmten Verbund.

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Wie steht das Königshaus denn zur Brexit-Entscheidung?

Seelmann-Eggebert: Wie die Königin dazu steht, wird man nie erfahren. Wenn man es sich selbst zurechtlegt, wird man sagen, dass sie eine Europäerin ist, insofern, dass sie mit so vielen europäischen Königshäusern direkt verwandt ist. Da kann man sich nicht vorstellen, dass sie die Nähe zu Europa verringern will.

Wenn das britische Königshaus reist, bekommt es mehr Aufmerksamkeit als beispielsweise die Schweden, die ebenfalls sehr beliebt sind. Was unterscheidet sie voneinander?

Seelmann-Eggebert: Die Schweden sind populär, sie haben aber nicht den geschichtsträchtigen Hintergrund, wie ihn das Haus Windsor hat. Man darf nicht vergessen, dass es immer noch an der Spitze des Commonwealth steht, auch wenn das bislang auf die Königin konzentriert ist. Das Haus Windsor feiert im Augenblick übrigens ein historisches Datum. Am heutigen Montag ist es genau hundert Jahre her, dass es sich umgetauft hat. Vorher hieß das Königshaus Coburg-Gotha. Da der Name aber im Ersten Weltkrieg zunehmend mit Zorn gegenüber Deutschland verbunden war, entschied der damalige König Georg V., den Namen abzulegen. Deshalb benannte sich das Haus in Windsor um, nach einer Festung in der Nähe von London, die auch ein Königsschloss ist.

Nachhaltig scheint das der Beziehung der Deutschen zu den britischen Royals nicht geschadet zu haben. Warum haben wir ein so großes Interesse an diesem Königshaus?

Seelmann-Eggebert: Das liegt unter anderem daran, dass sich die Menschen auch über Großbritanniens Grenzen hinaus so sehr an die Queen gewöhnt haben und sie sehr bewundern. Sie ist in jeder Beziehung eine außerordentliche Frau, auch mit ihren 91 Jahren ist nicht in Sicht, dass sie abdankt. Da ist eine Kontinuität in der Familie, die von sich aus die Leute überrascht. Ich kann mir keine Frau und keine Familie vorstellen, die populärer wäre. Da geht es um eine Größenordnung, die fast unbegreiflich ist. Die Queen ist überwältigend in den Tugenden, die sie vertritt, sie mischt sich grundsätzlich nicht ein und hat wahrscheinlich trotzdem eine eigene Meinung.

Doch es ist nicht nur die Queen, sondern das gesamte Königshaus, das so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Woran liegt das?

Seelmann-Eggebert: Die britischen Royals haben alle Elemente, die man für eine gute Unterhaltungsserie braucht. Es passiert immer was, es gibt Jung und Alt, es wird gestorben und es gibt Taufen und es gibt Geschichten, wie sie das Leben erzählt – und das ununterbrochen. Und das alles geschieht in einer Atmosphäre, die man nicht mit allem Geld der Welt nachmachen könnte. Es ist dieser einmalige Charakter, der die Leute einfach überrascht und der dazu führt, dass die britische Königsfamilie einen Staatsempfang bekommt wie sonst wohl nur noch der Papst.

Was erwarten Sie vom anstehenden Deutschlandbesuch?

Seelmann-Eggebert: Viele, viele Seiten in den Boulevardblättern. Und obwohl so ein Staatsbesuch immer eine symbolische Geste ist, hat William auch bei einem früheren Besuch in Deutschland bereits gezeigt, dass er auch Träger politischer Botschaften ist. Bei den Feierlichkeiten zu 70 Jahre Nordrhein-Westfalen sagte er, dass der Brexit nicht bedeute, dass man nicht mehr gut befreundet sein könnte.

Rolf Seelmann-Eggebert, Jahrgang 1937, ist Journalist und der bekannteste Adelsexperte Deutschlands.

Lesen Sie dazu auch: Was William und Kate in Deutschland vorhaben

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Ein Artikel von
Ida König

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin


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