Sonntag, 19. November 2017

08. November 2017 06:53 Uhr

Porträt

Friedrich Merz: Beerbt ein alter Bekannter Angela Merkel?

Friedrich Merz war ein Mann mit Zukunft in der CDU. Dann kam Angela Merkel und drängte ihn zur Seite. Kehrt er nun auf Umwegen zurück?

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Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz wird von einigen als Nachfolger der Kanzlerin gehandelt.
Foto: Karlheinz Schindler, dpa (Archiv)

Mit Geld kann man Friedrich Merz nicht ködern. Verglichen mit den Summen, die er bei dem amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock bewegt und verdient, sind 10.700 Euro im Jahr für den Aufsichtsratsvorsitz bei der Flughafengesellschaft Köln/Bonn nur ein besseres Taschengeld. Die zweite neue Aufgabe, die der 61-Jährige nun in seiner nordrhein-westfälischen Heimat übernehmen soll, ist ohnehin ehrenamtlicher Natur. Als Berater der Landesregierung wird Merz sich um die transatlantischen Beziehungen kümmern und um die Folgen des Brexits für die Wirtschaft an Rhein und Ruhr.

Spekulationen, er bereite damit seine Rückkehr in die aktive Politik vor, weist der Sauerländer mit Zweitwohnsitz am Tegernsee allerdings zurück. Er wolle lediglich professionelle Hilfe leisten, beteuert er in der Bild-Zeitung. „Das bedeutet absolut kein Comeback als Politiker.“ Parteifreunde, die ihn gut und lange kennen, sind sich da nicht ganz so sicher. „Er ist mit seinem Leben, so wie er es jetzt führt, zufrieden“, sagt einer von ihnen. „Das heißt aber nicht, dass er kneifen würde, wenn man ihn braucht.“

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Ein Konservativer im besten Sinne, politisch erfahren und ökonomisch beschlagen: Nicht von ungefähr hat der frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel ihn gerade erst als einzig wahren Nachfolger für Angela Merkel ins Spiel gebracht und damit auch vielen Konservativen in der Union aus der Seele gesprochen: „Ich kenne nur ein CDU-Mitglied, dem ich heute zutrauen würde, dieser Partei den nötigen Richtungswechsel glaubhaft zu verordnen – Friedrich Merz.“ Der Mann, der die Steuererklärung auf Bierdeckelgröße schrumpfen lassen wollte und den Begriff von der deutschen Leitkultur etablierte. Der Mann auch, der reden konnte wie kein Zweiter in seiner Partei und dem in der jungen Berliner Republik alle eine große Zukunft prophezeiten, ehe Angela Merkel ihn nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 kühl abservierte, um selbst Fraktionsvorsitzende werden zu können.

Friedrich Merz ist Vorsitzender der "Atlantik-Brücke"

Vorgänger Merz war, wenn man so will, ihr erstes Opfer auf dem Weg zur Kanzlerschaft und sein späterer Rückzug aus dem Bundestag so gesehen nur folgerichtig. Der ehemalige Richter, mit einer Richterin verheiratet und Vater von drei Kindern, wechselte zu einer großen Anwaltskanzlei, übernahm Mandate in den Beiräten großer Konzerne und den Vorsitz des Vereins „Atlantik-Brücke“, der sich für einen guten Austausch mit den USA einsetzt. Gerüchte, er wolle seine eigene Partei gründen, dementierte der Zwei-Meter-Schlaks damals so scharf wie regelmäßig, auch einen Wechsel zur FDP lehnte er ab. Seit März vergangenen Jahres ist er Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochter von Blackrock.

Merz, der Unvollendete, aber ist ein politischer Mensch geblieben, der Bücher schreibt und Vorträge über die Weltläufte hält. Nur Parteitage besucht er keine mehr – und solange Angela Merkel Vorsitzende der CDU ist, wird sich daran auch nichts ändern.

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Angela Merkel | CDU | Köln | Bonn | Rhein | Ruhr | Tegernsee

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Ein Artikel von
Rudi Wais

Augsburger Allgemeine
Ressort: Chef vom Dienst



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