Freitag, 20. Oktober 2017

29. August 2016 06:41 Uhr

Kirche

Zentralkomitee der Katholiken warnt vor dramatischem Priestermangel

Der Tiefstand an Priesterweihen verschärfe die Probleme in den Pfarreien. ZdK-Präsident Thomas Sternberg stellt das Zölibat infrage und fordert mehr Rechte für Frauen.

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Historischer Tiefstand: In Deutschland ist die Zahl der Priester im Jahr 2015 auf 58 gesunken.
Foto: Jochen Lübke/Archiv (dpa)

Die Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2015 ließen sich in Deutschland nur 58 Männer zu Priestern der katholischen Kirche weihen. Um den Trend stetig sinkender Priesterzahlen zu stoppen, fordert der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, zwei Maßnahmen, die nun schnell umgesetzt werden müssten: die Weihe sogenannter viri probati, bewährter Männer, zu Priestern. Sowie die Einführung des Diakonats der Frau.

Papst Franziskus zeigte sich bereits offen für Diskussionen. Von Reformen ist die Kirche aber weit entfernt. So setzte Franziskus zwar erst Anfang August eine Kommission zum Frauendiakonat ein. Die befasst sich jedoch mit der Rolle von Diakoninnen in der Urkirche, nicht mit einer eventuellen Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe.

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Im Gespräch mit unserer Zeitung geht Sternberg noch viel weiter. So müsse der Zölibat, die Ehelosigkeit von Priestern, überdacht werden. „Wenn es nicht mehr anders geht, dass wir personell in der Seelsorge ausbluten, und wenn es so ist, dass der Zölibat ein Hindernis darstellt, dann muss er, weil weniger wichtig, gelockert werden“, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Landtagabgeordnete.

„Wir haben jetzt schon sehr gute und engagierte Diakone – das sind verheiratete Männer. Warum in aller Welt sollen sie nicht zu Priestern geweiht werden?“, fügte Sternberg hinzu. „Das könnte schnell und zügig entschieden werden.“ Sternberg verwies darauf, dass sich im vergangenen Jahr in ganz Deutschland nur 58 Männer zu katholischen Priestern weihen ließen. „Schon jetzt fehlen jüngere Pfarrer, um Pfarreien zu besetzen, zugleich haben die heutigen Priester einen sehr hohen Altersschnitt“, warnte er. „Die Situation wird sich künftig also in drastischer Weise verschärfen.“

„Wenn unsere Kirche Bestand haben soll, geht das nicht über XXL-Pfarreien“

Der Chef der katholischen Laienorganisationen kritisierte, dass zu den einzigen Antworten der Kirche die Zusammenlegung von Pfarreien und der Einsatz ausländischer Priester gehörten. „Wenn unsere Kirche Bestand haben soll in Deutschland, dann geht das nicht über XXL-Pfarreien“, betonte Sternberg. Er habe rein gar nichts gegen den Einsatz ausländischer Pfarrer, „allerdings kann man nicht alle Pfarreien einfach mit Import-Priestern ausstatten, das ist auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland.“

Stattdessen forderte Sternberg, die Einführung des Diakonats der Frau. „Ich weiß nicht, warum das für einige ein offenbar wichtiger Streitpunkt ist“, betonte der ZdK-Präsident. „Wir müssen ohnehin eine ganz andere Präsenz von Frauen auch in den seelsorgerlichen Diensten anstreben.“ Pastoralreferentinnen müssten auch die sakramentalen Funktionen übernehmen können, die mit ihrer Seelsorgetätigkeit verbunden sind. „Ich denke da vor allem an die Krankensalbung.“ Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist die Dachorganisation der rund 24 Millionen katholischen Laien und ihrer Verbände in Deutschland.

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Ein Artikel von
Daniel Wirsching

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt



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