Polizei will Kinder und Jugendliche bei einem Aktionstag motivieren, in kritischen Situationen hinzusehen und Schwächeren beizustehen Von Hermann Schmid



Gestern Nachmittag drehte sich in den Grünanlagen bei der Königsbrunner Dreifachturnhalle alles um „Zivilcourage“. Ein halbes Dutzend Infostände gab es da, eine Bühne für Vorführungen von Selbstverteidigung und Kampfsport – und ein Areal für eine Kissenschlacht.
Kissenschlacht? Was hat eine Kissenschlacht mit Zivilcourage zu tun? Für Achim Friedrich recht viel. Der Sozialpädagoge und Leiter des Königsbrunner MehrGenerationenHauses gibt für diesen Programmpunkt klare Regeln vor: „Nicht auf den Kopf schlagen – und wenn einer sein Kissen wegwirft, dann heißt das: Aufhören!“
Kinder wollen sich austoben, sie wollen Spaß haben, so wollen sich auch messen, weiß Friedrich. Das alles bietet die Kissenschlacht. Aber sie müssen dafür einige klare Regeln akzeptieren. Und wenn sie lernen, solche Regeln zu akzeptieren, dann werden sie die auch in anderen Situationen von Anderen einfordern.
Für Königsbrunns Bürgermeister Ludwig Fröhlich beginnt Zivilcourage schon dort, wo man er schafft, mit einer angsterfüllenden Situation „beherzt“ umzugehen. Dafür sei es wichtig, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken.
Selbstbewusstsein und den überlegten Umgang mit Kraft lernt man auch im Kampfsport. Das demonstrieren die Judoka des Polizeisportvereins an diesem Nachmittag – und auch Königsbrunner Realschüler, die als Wahlfach Shorinji Kempo gewählt haben.
Diese Kunst der Selbstverteidigung kommt aus Japan und ist im eigentlichen Sinn kein Kampfsport, wie Experte Manfred Bierling betont. „Hier geht man nicht auf den Gegner los, um zu punkten“, erläutert er, „man wartet ab, ob man angegriffen wird“.
Doch häufig zeigt sich Zivilcourage gar nicht im körperlichen Eingreifen, sondern im besonnenen Wort zur rechten Zeit. Das wollten gestern Polizeischüler mit kurzen Filmen unter dem Motto „Weggeschaut ist mitgemacht“ vorführen.
Hier war der Ansturm nicht ganz so groß wie auf die Autogramme von FCA-Fußballer Daniel Brinkmann. Er lobte im kurzen Gespräch mit unserer Zeitung die Aktion: „Viele Leute trauen sich nicht. Da gehört viel Verantwortungsgefühl dazu – deshalb ist es gut, dass solche Aktionen stattfinden.“ (hsd)
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