Königsbrunn Sauna, Schwimmen und eine wohlige Massage gehören für Menschen des 21. Jahrhunderts zu einem gelungenen Wellnesstag – für die „Alten Römer“ war das aber nur das halbe Vergnügen, auch einst auf dem heutigen Boden von Königsbrunn: Sie begannen den Badetag mit einer gemeinsamen „Sitzung“ auf den Latrinen, bei der wichtige Geschäfte besprochen oder Ehen arrangiert wurden. Außerdem gehörte eine Ganzkörperrasur vor 2000 Jahren zur Standardhygiene, und wem es bei der anschließenden Entspannung zu langweilig war, der ließ sich etwas vorlesen oder lauschte den Musikanten.
Zum Tag des offenen Denkmals erfuhren die Besucher am Gelände des städtischen Friedhofs in Königsbrunn alles zum Thema Römische Bäder und Thermen. Rainer Linke, Grabungsleiter des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte, erklärte die Ausgrabung des römischen Bades, das man vor rund neun Jahren auf dem Friedhof unweit des Mithraeums entdeckte, und Renate Bernhard-Koppenberger, Dozentin für Altgriechisch, Latein und Philosophie, referierte über die Badegewohnheiten der Römer.
Nachdem der Bürger Roms einst „erleichtert und vorinformiert war“, ging er in eine der gigantischen Badetempel wie die berühmte Caracalla-Therme, die bis zu 2000 Badegästen Platz bot oder die Diokletiansthermen in deren Teilruine Michelangelo 1500 Jahre später die Kirche Santa Maria degli Angeli baute, weil er von der Anlage und den erhaltenen Bauwerken so beeindruckt war.
Ein aufwendiges logistisches System war nötig
Baden hatte bei den Römern nicht nur den Aspekt der Hygiene, verdeutlichte Bernhard- Koppenberger, sondern diente auch dem Wohlbefinden. Und damit sich die Bürger von Rom so richtig wohlfühlten, war ein aufwendiges logistisches System nötig. „Für das Wohlbefinden der Bürger in der Oberwelt sorgten rund 1000 Sklaven in der Unterwelt, die den Betrieb am Laufen hielten“, so Bernhard-Koppenberger. Die fast 20000 Quadratmeter große Caracalla-Therme war mit unzähligen Versorgungsgängen unterzogen, in denen die Sklaven unermüdlich für Frischwasser sorgten und die Öfen der Hypokaustheizung, der römischen Fußbodenheizung, befeuerten.
Teile der Hypokaustheizung sind auch noch bei der Ausgrabung in Königsbrunn zu erkennen, wie Linke den Besuchern zeigte, auch wenn das römische Bad in seiner Stadt vergleichsweise bescheidene Ausmaße hat und wohl nur der letzte Rastplatz vor der römische Provinzhauptstadt Augusta Vindelocorum war.
Im Herbst wird die archäologische Ausgrabung zugeschüttet und für nachfolgende Generationen konserviert (wir berichteten). Doch zuvor will Grabungsleiter Linke das Umfeld mit einem Bodenradar untersuchen lassen, „damit wir wissen, was noch im Boden drinnen ist“.
Mit den Funden aus der Grabung werden die ehrenamtlichen Archäologen noch lange beschäftigt sein, bis alles restauriert und katalogisiert ist. Außerdem müssen die archäologischen Mauerelemente detailliert vermessen und durch Zeichnungen dokumentiert werden, bevor alles – noch vor Frostbeginn – mit Flusssand abgedeckt wird: Für den archäologischen Arbeitskreis beginnt jetzt eine arbeitsreiche Zeit.