Montag, 26. Juni 2017

20. März 2017 17:48 Uhr

Amateurfußball

Streit um ein "Schalom": Türkischer Verein fühlt sich diskriminiert

Die Kreisligapartie zwischen dem TSV Offingen und Türk Spor Ichenhausen hat ein Nachspiel. Mittelpunkt des Streits ist ein jüdischer Gruß des Schiedsrichters.

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Die Kreisligaspartie zwischen dem TSV Offingen und Türk Spor Ichenhausen hat ein Nachspiel. Mittelpunkt des Streits ist ein jüdischer Gruß des Schiedsrichters.
Foto: Patrick Seeger/dpa, Symbol

Auf den ersten Blick lief bei der Partie der Kreisliga West zwischen Spitzenreiter TSV Offingen und dem Schlusslicht Türk Spor Ichenhausen alles erwartungsgemäß. Offingen gewann 4:0 und ist der Bezirksliga damit wieder einen Schritt näher, Türk Spor steckt ganz tief im Abstiegskampf. Doch abseits des Spielfeldes rumort es. Denn die Ichenhauser fühlen sich verpfiffen und diskriminiert. Mittelpunkt des Streits ist ein jüdischer Gruß des Schiedsrichters.

„Ist ein Verein mit türkischen Gründungsvätern in der Kreisliga nicht erwünscht?“, stellt Türk-Spor-Abteilungsleiter Yasin Ata in seiner Stellungnahme auf dem Lokalsport-Portal FuPa Schwaben die Frage. Außerdem fürchtet er, dass die politische Lage mit dem Konflikt zwischen der türkischen Staatsführung und Deutschland nun auch in den Sport hereingetragen wird. Zudem klagt Ata den Referee an, dass dieser sich mit den Worten „Ich sage zu euch Schalom, ich bin ein Jude und mache das mit Absicht!“ in Richtung Betreuer und Spielern geäußert hat.

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Der Schiedsrichter bestätigt, Schalom gesagt zu haben

„Ich habe Schalom gesagt, das stimmt“, räumt Schiedsrichter Markus Heidel vom FC Horgau ein – allerdings schildert er den Zusammenhang etwas anders. Die erste Halbzeit sei sehr hektisch gewesen, viel Unruhe wurde dabei von der Seitenlinie hereingetragen – inklusive Drohungen und Beleidigungen. „Ich wurde mehrfach als braunes Schwein und Nazi tituliert, konnte die Aussagen aber niemand konkret zuordnen und wollte die Partie nur noch über die Bühne kriegen.“ Als dann der Betreuer bei einer Verletzungsunterbrechung aufs Feld lief und verbal angriff, habe ich gesagt: Mit Rassismus brauchst Du mir gar nicht kommen. Ich bin Jude, Schalom.“

Schalom wird von Juden als gängigster Gruß verwendet und stellt keinesfalls eine Beleidigung dar, worauf eben auch Referee Heidel verweist. Wichtig war ihm, dass er Ruhe ins Spiel und die 90 Minuten über die Bühne kriegt. „Ich war heilfroh, als das Spiel vorbei war und muss auch sagen, dass nicht alle von Türk Spor so emotional waren.“

Der Spielertrainer des Gegners, Christoph Bronnhuber, hat von den Gesprächen zwischen dem Unparteiischen und den Ichenhausern nicht viel gehört. „Was aber auch daran liegt, dass ich bei Unterbrechungen mit meiner Mannschaft beschäftigt bin und mich um meine Jungs kümmere.“ Was Bronnhuber allerdings bestätigen kann: „Es wurde schon früh von Außen sehr viel Wirbel gemacht. Auch in der Halbzeit kam es auf dem Weg in die Kabine zu Wortgefechten. Das hat sich nach der Pause allerdings schnell beruhigt. Nach unserem Tor zum 3:0 war die Partie entschieden und dann eigentlich ein normales Spiel.“

Von einer gezielten Benachteiligung der Türken will Bronnhuber ebenfalls nicht sprechen und widerspricht Türk Spors Ata bei der Bewertung der roten Karte: „Das war keine Notbremse an der Mittellinie, sondern ein brutales Foul.“

Türk Spor hat das Sportgericht informiert

Nichtsdestotrotz will Türk Spor Ichenhausen die ganze Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen. „Wir haben schon den Einteiler der Schiedsrichter-Gruppe Westschwaben, Xaver Erdle, und das Sportgericht informiert. Die sollen sich selbst ein Bild machen. Ob etwas dabei herauskommt? Ich weiß es nicht, aber so lassen wir uns nicht behandeln. Dann können wir uns die ganze ehrenamtliche Arbeit und Mühe sparen“, erklärt Abteilungsleiter Yasin Ata.

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Ein Artikel von
Walter Brugger

Augsburger Allgemeine
Ressort: www.fupa.net/schwaben