Samstag, 24. Juni 2017

27. April 2017 13:11 Uhr

FC Bayern

Nach dem Doppel-Aus: Diese Probleme muss der FC Bayern lösen

Der FC Bayern muss sich in dieser Saison mit der Meisterschaft begnügen - auch deshalb, weil einige Personalprobleme nicht gelöst sind. Das muss sich jetzt ändern.

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Arjen Robben und der FC Bayern sind innerhalb einer Woche in der Champions League und dem DFB-Pokal ausgeschieden.
Foto: Guenter Schiffmann

Es ist eine Saison, von der sich der FC Bayern deutlich mehr erhofft hat: Eine Woche nach dem Aus in der Champions League verabschiedet sich der deutsche Rekordmeister auch im DFB-Pokal. Damit bleibt "nur" die Meisterschaft als Titel übrig - für die Ansprüche der Münchner ist das mittlerweile schlichtweg zu wenig. Das bittere Doppel-Aus offenbart aber auch die Personalprobleme der Münchner, die nun angegangen werden müssen. Die Fragestellung in der Übersicht:

1. Ist der Kader überaltert?

Klares Ja. Das Durchschnittsalter der Bayern-Mannschaft beim Ausscheiden gegen Borussia Dortmund lag bei 30,1 Jahren - das war die zweitälteste Mannschaft, die ein Bundesligist in dieser Saison aufs Feld geschickt hatte. Nur Darmstadt 98 war am 20. Spieltag mit 30,2 Jahren Durchschnittsalter höher. Zum Vergleich: Das des BVB lag im Pokal-Halbfinale bei auch nicht mehr ganz frischen 26,8 Jahren. Dortmund schickte am 7. Spieltag aber auch schon die jüngste Elf überhaupt ins Rennen: Beim 1:1 gegen Hertha lag das Durchschnittsalter der Borussen bei 22,9 Jahren.

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Viele Zahlenspiele, die vor allem eines verdeutlichen: Der Kader des FC Bayern ist überaltert, ein großer Umbruch ist unvermeidlich - auch wenn Trainer Ancelotti vor wenigen Wochen sagte, dass "es keine Revolution geben wird". Alleine durch die Abgänge von Lahm (33) und Alonso (35), die ihre Karriere beenden werden, müssen wichtige Positionen auf dem Platz und im Mannschaftsgefüge neu besetzt werden. Dazu kommt, dass die Flügelzange Robben (33) und Ribéry (34) älter wird. Bis jetzt lassen sich das die beiden in die Jahre gekommenen Angreifer nur bedingt anmerken - der FC Bayern muss aber dafür dafür sorgen, dass andere Spieler deren Platz einnehmen können. Ob Douglas Costa (26), der den Verein im Sommer verlassen könnte, das Zeug dazu hat scheint nach zuletzt schwachen Leistungen immer fraglicher. Kingsley Coman (20) hatte zwar eine schwache Saison, bei ihm scheint das Vertrauen größer zu sein: Die Kaufoption für ihn wird der FC Bayern wohl ziehen.

2. Welche Spieler sollen jetzt kommen?

Mehmet Scholl mutmaßte in der ARD, dass Vorstandboss Rummenigge und Präsident Hoeneß nun bei der Kaderplanung "etwas Verrücktes" anstellen werden. Fakt ist: Der Kader des FC Bayern genügt zwar schon jetzt allerhöchsten Ansprüchen, laut Transfermarkt.de haben die Münchner die weltweit drittteuerste Mannschaft (556,15 Millionen Euro). In dieser Statistik liegen nur zwei Teams vor dem FCB: Barcelona (756,5 Millionen) und eben Real Madrid (764,8 Millionen). Dennoch müssen im Sommer Spieler kommen, die die Bayern weiterbringen.

Zwei Neue stehen schon fest: Die beiden Hoffenheimer Sebastian Rudy und Niklas Süle kommen zum FCB. Beide werden vornehmlich dafür sorgen, den Kader breiter aufzustellen. In der Breite würde den Münchnern auch ein Ersatz für Mittelstürmer Robert Lewandowski gut zu Gesicht stehen. Gesucht wird ein Spieler, der im Gegensatz zu Thomas Müller auch als Anspielstation in vorderster Reihe genügt. Dazu wird ein neuer Torwart für die bisherige Nummer zwei Sven Ulreich kommen. Vor allem in der Offensive gibt es Handlungsbedarf.

Um den FC Bayern aber auch qualitativ noch weiter zu verbessern, müssen andere Kaliber verpflichtet werden - vor allem für die offensiven Außenbahnen, auf denen sich derzeit das alternde Duo Ribéry und Robben austobt. Einer der Kandidaten, die in die engere Auswahl kommen dürften, ist der Chilene Alexis Sanchez. Der 28-jährige Linksaußen des FC Arsenal hat in London Probleme mit Trainer Wenger, bringt aber zweifelsohne die Klasse mit.

Ein anderer Außenspieler hat am Mittwochabend erneut nachhaltig für sich Werbung gemacht: Ousmane Dembélé. Der gerade mal 19 Jahre alte Flügelstürmer des BVB warf die Münchner mit einem Tor und einer Vorlage aus dem Wettbewerb. Auch Bayern-Trainer Ancelotti hatte vor dem Halbfinale in den höchsten Tönen geschwärmt. Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte vor Kurzem einem möglichen Transfer des Franzosen eine Absage erteilt: "Ich kann heute garantieren, dass wir keinen dieser Spieler (gemeint waren neben Dembélé Julian Weigl und Christian Pulisic) kontaktiert haben oder kontaktieren werden." Allerdings dürfte Dembélé spätestens seit der Gala im Pokal nochmals teurer geworden sein. Wenn die Bayern zu lange warten, könnte Dembélés Marktwert, der derzeit schon bei 28 Millionen liegt, noch weiter ansteigen.

Ähnliches ist den Bayern bei Antoine Griezmann geschehen: Als der Franzose noch bei San Sebastian unter Vertrag stand, schien ein Transfer realistisch. Das hat sich seit dem Wechsel des 26-Jährigen zu Atlético Madrid und seiner starken EM geändert: Mit einem Marktwert von 80 Millionen Euro scheint es fraglich, ob Bayern diesen Transfer, dessen Gesamtpaket im dreistelligen Millionenbereich liegen dürfte, stemmen will.

Als die etwas Kleineren Lösungen würden die Transfers der deutschen Nachwuchsstürmer Serge Gnabry (21, Werder Bremen) oder Julian Brandt (20, Leverkusen) gelten - ob einer der beiden gleich die erhoffte Verstärkung ist, ist fraglich.

3. Ist Trainer Carlo Ancelotti noch der Richtige?

Ja - vorerst. Klar ist aber auch: Der 57-Jährige wurde nicht geholt, um "nur" die Meisterschaft zu erreichen. Von dem international erfahrenen Startrainer erhofften sich die Bayern einen Schub in den entscheidenden Partien. Dass nach der Champions League nun auch im DFB-Pokal das Aus kam, stärkt die Position des Italieners nicht unbedingt. Eines der brennendsten Probleme des Italieners: Spieler wie Müller, Renato Sanches oder Coman, die zweifelsohne großes Potential haben, stecken im Tief. Er muss dieses Potential aus ihnen herauskitzeln. Was für ihn spricht: Es gibt ohnehin wenige Trainer, die den Ansprüchen des FC Bayern gerecht werden. Für den Hoffenheimer Julian Nagelsmann (29) dürfte ein Job beim Rekordmeister noch zu früh kommen.

Deswegen wäre es eine Überraschung, wenn Ancelottis seinen Platz schon nach einer Saison wieder räumen muss. Interessant sind im Zusammenhang Ancelotti/Nagelsmann übrigens die Vertragslaufzeiten der beiden Trainer: Beide Arbeitspapiere sind bis zum Sommer 2019 datiert. Für einen harmonischen Wechsel im Sommer in zwei Jahren müssten die Bayern also weder eine Abfindung an den alten noch eine Ablöse an den neuen Trainer zahlen.

Wenn er aber im zweiten Jahr eine ähnliche Saisonbilanz aufweist, wird Ancelotti nicht zu halten sein.

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Das ist der FC Bayern

Der FC Bayern ist der erfolgreichste Fußballverein Deutschlands. Am 27. Februar 1900 wurde der Verein gegründet. Er geht aus der Fußballabteilung des MTV München hervor. Der FC Bayern gewann in seiner Geschichte bislang 26 Mal die deutsche Meisterschaft und 18 Mal den DFB-Pokal. Außerdem waren die Münchner in allen internationalen Wettbewerben erfolgreich. So gewann man fünf Mal die Champions League (ehemals: Pokal der Landesmeister), ein Mal den Pokal der Pokalsieger (1967) und den Uefa-Pokal (1996). In den Jahren 1976 und 2001 gewannen die Münchner den Weltpokal, 2013 die Fifa-Klub-Weltmeisterschaft.

Für den FC Bayern München spielten unter anderem: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Augenthaler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mehmet Scholl und Michael Ballack.

Vorstandsvorsitzender des FC Bayern ist Karl-Heinz Rummenigge. Trainer der Mannschaft ist seit Juli 2016 Carlo Ancelotti.


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