Donnerstag, 17. April 2014

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Eigenheim oder Miete? Ob sich der Kauf einer Immobilie lohnt, entscheidet nicht nur der Geldbeutel – sondern auch die Lebensumstände. Worauf Verbraucher jetzt achten sollten, finden Sie hier. Von Sandra Ketterer.

München, Hamburg, Berlin – wer in diesen Städten ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, muss mitunter tief in die Tasche greifen. Doch auch in Augsburg sind die Preise rasant gestiegen: Der durchschnittliche Immobilienkaufpreis in der Fuggerstadt liegt laut Preisspiegel des Immobilienportals wohnungsboerse.net aktuell bei 2550 Euro pro Quadratmeter – weit über dem bundesweiten Mittel.

„Vor allem in Ballungsräumen sind die Preise für Wohneigentum recht hoch“, sagt Verbraucherschützer Hartmut Schwarz. Generell sei das Preisniveau in Deutschland aber noch akzeptabel. „Von einer Immobilienblase kann man noch nicht sprechen.“ Um sich vor überhöhten Preisen zu schützen, sollten Kaufinteressenten den Markt jedoch genau beobachten. Im folgenden einige wichtige Tipps vom Experten.

Ziele festlegen

Vor einem Kauf sollten sich Interessenten darüber Gedanken machen, was ihnen wichtig ist. „Man sollte sich am besten Stichpunkte aufschreiben“, rät Fritz Räpple von A+R Immobilien in Gersthofen. Der Immobilienexperte ist seit fast 30 Jahren in der Branche tätig und Mitglied im Immobilienverband Deutschland (IVD). „Sollen etwa gute Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe sein oder lieber Schulen oder beides?“ Anhand dieser Kriterien fällt es den Interessenten leichter, den Fokus auf ein geeignetes Wohngebiet zu legen. Dabei gilt freilich die Faustregel: Je besser die Infrastruktur, desto teurer sind die Immobilien.

Zeit nehmen

Gut Ding will Weile haben: Für die Suche nach einem Objekt sollten Interessenten nichts überstürzen und sich genügend Zeit nehmen. „Man sollte mindestens drei Monate einplanen“, rät Schwarz. „Besser noch zwölf.“ Verbraucher bekämen ein Gefühl für ein realistisches Preisniveau in der bevorzugten Wohngegend, wenn sie Anzeigen vergleichen und möglicherweise auch einen Makler einschalteten. „Dieser weiß aus Erfahrung, wie sich das Preisniveau in der Vergangenheit entwickelt hat.“ Und Räpple fügt hinzu: „Außerdem kann der Makler dem Käufer viel Arbeit abnehmen.“

Angebote einholen

Ist die Wunschlage gefunden, sollten Kunden nicht gleich beim ersten Objekt zuschlagen. „Man muss immer mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen“, sagt Schwarz. Bei der Besichtigung empfiehlt es sich, einen Experten dabei zu haben, etwa einen Architekten oder einen Bausachverständigen. „Dieser kann schnell einschätzen, ob ein Preis zu hoch ist.“

Ausstattung vergleichen

Eine wichtige Rolle beim Preis spielt auch der Zustand. „Je höher die Ausstattung, desto höher ist natürlich meist auch der Preis“, sagt Fritz Räpple. „So mancher handwerklich geschickte Kunde kann dies aber für sich nutzen.“ Wer zum Beispiel vor einer Renovierung nicht zurückschrecke, finde auch in einer sehr guten Lage noch bezahlbare Objekte. Allerdings sollte der zu leistende Aufwand nicht zu hoch sein: „Die Modernisierung sollte 30 bis maximal 40 Prozent des Kaufpreises kosten“, erklärt Schwarz. Andernfalls lohne es sich nicht.

Vorsicht bei der Finanzierung

Ist das Wunschobjekt schließlich gefunden, stellt sich die Frage nach der Finanzierung. „Solange die Kreditwürdigkeit stimmt, bekommen Immobilienkäufer auch ein Darlehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Doch auch wenn die Zinsen derzeit auf einem historischen Tiefstand stehen und den Schritt ins Eigenheim auf den ersten Blick für jedermann möglich machen, ist Vorsicht definitiv angebracht. „Die Eigenheimfinanzierung kann auch jetzt schnell zur Schuldenfalle werden“, warnt der Fachmann. Über 20 bis 30 Prozent Eigenkapital sollten die Interessenten schon verfügen. Und auch über die laufenden Kosten, die Tilgung und die jahrelangen Konsequenzen müsse man sich unbedingt im Klaren sein. „Wer sich früher keine Immobilie leisten konnte, wird es auch jetzt schwer haben.“

Alternativen abwägen

Für den einen oder anderen ist es also nach wie vor besser, zur Miete zu wohnen. Dies gilt auch ungeachtet des finanziellen Status – etwa für Berufstätige, deren Leben durch häufige Standortwechsel geprägt ist. „Fachkräfte, Projektarbeiter, Manager – wer aufgrund seines Jobs besonders unabhängig sein muss, sollte sich einen Immobilienkauf gründlich überlegen“, sagt Anna Hajek von HAJEK Immobilien & Zeitwohnagentur in Augsburg. Die Immobilienmaklerin hat sich auf die Vermittlung möblierter Wohnungen und Häuser spezialisiert – „Zeitwohnen“, wie sie es nennt. Die Anmietung des Objekts, das vom Handtuch bis zum Bett voll ausgestattet ist, erfolgt dabei nur für den begrenzten Zeitraum, den die berufliche Tätigkeit des Mieters vor Ort in Anspruch nimmt. „Mieter und Vermieter bleiben so in höchstem Maße flexibel.“ Kauf oder Miete – eine Frage der Lebensumstände.

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