Freitag, 31. Oktober 2014

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Foto: Hirscher

Diana Schedl hat in Klosterbeuren ihr Glück gefunden - fern ihrer Heimat Köln, wo sie einst Karnevalsprinzessin war. Welche Rolle dabei ein Kerzenständer spielte und warum der für ihr Glück sorgte. Von Katja Hirscher.

Diana Schedl war einmal Karnevalsprinzessin in der Millionenstadt Köln, heute ist sie Ortsbäuerin im 500-Seelen-Dorf Klosterbeuren im bayerischen Landkreis Unterallgäu sowie 1. Gaudamenleiterin im Schützengau Babenhausen. Und das alles nur wegen eines Kerzenleuchters, der ihr Leben komplett verändert hat. „Hier habe ich mein Glück gefunden“, strahlt die 54-Jährige.

Kleine Karnevalsprinzessin

Dass sie in Babenhausen geboren wurde und auch den örtlichen Kindergarten besucht hat, weiß Diana Schedl nur aus Erzählungen. Die Mutter aus Frickenhausen, der Vater Kölner, damals als Soldat stationiert in Memmingen. Als die kleine Diana sechs Jahre alt war, zog die Familie in die Heimat des Vaters nach Köln. Dort genoss sie das Großstadtleben – Schule, Ausbildung, ihre Arbeit als Sozialversicherungsangestellte und das rheinische Temperament, das sie wohl mit den väterlichen Genen bekommen hat.

Diana war sogar Karnevalsprinzessin an der Seite von Prinz Ingo bei der Mühlheimer Karnevalsgesellschaft. Sie feierte den Rosenmontag, zog als junge Dame mit Freunden mit dem Bollerwagen am Rhein entlang, machte in der Stammkneipe des Viertels Party. Doch die großen Schulferien verbrachte sie immer auf dem Bauernhof der Oma in Frickenhausen. Auch 1982 machte Diana Urlaub im idyllischen Unterallgäu. Dort ging Metzger Josef Anton Schedl, von allen einfach nur Sepp genannt, in Klosterbeuren tagtäglich besonnen seiner Arbeit nach. Sein Großvater – ebenfalls ein Josef Anton – hatte vor 95 Jahren die „Webrische Wirtschaft“ samt Landwirtschaft erworben.

Auf den ersten Blick

Zusammen mit seinen Kollegen traf sich Sepp regelmäßig in einer Gastwirtschaft in Babenhausen. Diana sollte ihren Cousin dorthin begleiten und setzte sich mit in die Runde. Ein Verkäufer betrat den Gastraum und bot allerlei unnütze Dinge an. Diana verliebte sich sofort. In einen Kerzenleuchter. Doch für ihren Geldbeutel waren damals 50 Mark einfach zu viel. „Meine Frau hat nur 20 Mark“, gab eine männliche Stimme energisch zu verstehen. Es war Sepp. Den Kerzenständer hat Diana heute noch und ihren Mann Sepp auch. Dieser Abend war der Beginn einer wunderbaren Beziehung.

Rund 520 Kilometer lagen zwischen Köln und Klosterbeuren. Für die beiden frisch Verliebten kein Hindernis. Mit Auto oder Bahn besuchten sie sich alle zwei Wochen. Doch eine Dauerlösung war das für Diana nicht. Sie hörte auf ihr Herz, gab ihren sicheren Arbeitsplatz auf, packte ihre Sachen und zog aufs Land.

Keine Anpassungsschwierigkeiten

„Als ich mit meinem weißen Käfer in Klosterbeuren ankam, war Sepp bei der Arbeit. Er hatte mir aber den Schlüssel hinterlegt und einen selbst gepflückten Wiesenstrauß auf den Tisch gestellt“, erinnert sie sich als wäre es gestern gewesen. In die Gepflogenheiten des dörflichen Lebens fand sich Diana schnell hinein. „Als Rheinländer hat man keine Anpassungsschwierigkeiten!“ 1984 wurde geheiratet, dann kamen die Kinder Marc und Nadine. Aus erster Ehe brachte Sepp Sohn Bernd mit. Diana arbeitete im Brotwagen, als Bedienung, nahm Milchproben bei den Bauern und wog deren Vieh.

Doch einmal im Jahr wurde ihr das Herz schwer. „Von Weiberfasching bis Faschingsdienstag hatte ich richtig schlimm Heimweh“, erzählt sie. „Der Karneval hat mir total gefehlt.“ Aus lauter Verzweiflung dekorierte sie das heimische Esszimmer, steckte ihren Mann und später die Kinder in Kostüme und versuchte so die Kölsche Karnevalsstimmung ins ländliche Klosterbeuren zu retten. Doch so richtig gelang das nicht.

Doch Diana Schedl entdeckte hier auf dem Land eine andere Leidenschaft – das Schießen. 1994 nahm sie beim Dorfschießen für jedermann zum ersten Mal ein Gewehr in die Hand. „Da war es um mich geschehen!“ Sie kaufte sich professionelle Schießhandschuhe und -schuhe, bekam zum 40. Geburtstag ein Gewehr geschenkt und trainierte viel. Nun ist sie seit neun Jahren 1. Gaudamenleiterin im Schützengau Babenhausen. Sie ist Gründungsmitglied beim Frauenbund Klosterbeuren und ihre Lebensfreude und ihr Organisationstalent brachten ihr ein weiteres Amt ein.

Von wegen lila Kuh

Seit Herbst 2011 ist das „Großstadtmädel“ Ortsbäuerin in Klosterbeuren. „Ich weiß, dass die Kuh nicht lila ist – aber gemolken habe ich noch nie“, schmunzelt sie. „Es geht eher darum, neuen Schwung in das Vereinsleben zu bringen und den Frauen etwas zu bieten. Und das kann ich!“ So standen für die Damen von 40 bis über 80 Jahren schon eine Betriebsbesichtigung, Kaffeetrinken und Vorträge auf dem Programm.

„Ich habe mein Glück gefunden“, sagt Diana Schedl zufrieden. „Wenn ich im Sommer draußen in meinem Garten sitze, dann kann ich mir ein Leben in der hektisch-schrillen Großstadt nicht mehr vorstellen. Heute möchte ich nicht mehr zurück und ich vermisse auch den Karneval nicht mehr.“

Aber einmal im Jahr zieht es sie in den Ruhrpott. „Die Kölner Altstadt, den Dom und Vater Rhein das brauche ich einfach für mein Herz!“, sagt sie. Und zur Erinnerung an die Kölsche Zeit hängen immer noch Dom-Plakate, Bilder und ein Relief im Klosterbeurer Wohnzimmer – gleich neben dem Kerzenständer.

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