Donnerstag, 24. April 2014

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Foto: Ruth Plössel

Alfred Sahl ist der Impulsgeber für den Augsburger Stadtteil Firnhaberau. Ohne ihn wäre der TSV Firnhaberau nicht, was er ist. Doch auch er bezieht aus seinem Engagement für den Sport sein Glück. Von Marcus Barnstorf.

„Ich bin ein Macher, ein Visionär“, sagt Alfred Sahl selbstbewusst über sich. Der 70-jährige Unternehmer ist seit November 2005 Präsident des TSV Firnhaberau. In den vergangenen Jahren hat er in beispielhafter Manier viel für seinen Verein, den Stadtteil und die Stadt Augsburg bewegt. Ein Glücksfall.

Engagement mit viel Herz

Mit aktivem Sport hat Alfred Sahl nichts am Hut. Und dennoch führt er den knapp 1500 Mitglieder zählenden Verein im Nordosten Augsburgs mit einem großen Sportlerherz. Zu seinem Präsidentenamt kam er eher zufällig. „Ein Maler, der unser Büro renovierte, sprach mich an, ob ich mich nicht bei der SV Hammerschmiede engagieren würde“, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende einer der führenden IT-Dienstleister in Augsburg und München.

Gesagt – getan. Mit Bandenwerbung unterstützte er den Heimatverein von Bernd Schuster. Die A- und B-Jugend-Fußballer erhielten einen finanziellen Zuschuss. Nachdem er in den Jahren 2005 und 2006 zum stellvertretenden Vorsitzenden aufstieg, wurde er vom Nachbarverein „abgeworben“. „Nachdem die Position des Ersten Vorsitzenden bei der SV Hammerschmiede mit Peter Uhl gut besetzt war, entschied ich mich für einen Wechsel“, erklärt Alfred Sahl. Er konnte der Verlockung nicht widerstehen, einen großen Verein wie den TSV Firnhaberau zu führen.

Frischzellenkur

Für ein Engagement stellte er nur eine Bedingung: keinerlei sportliche Aktivitäten. „Ich weiß bis heute noch nicht, wie man einen Fußballer anmeldet, aber das muss ich auch nicht wissen“, meint Sahl. Mit seinem betriebswirtschaftlichen Wissen und einer Portion Erfahrung als Führungskraft sorgte er im Sportverein mit seinen acht Sparten für eine Frischzellenkur. Die elektronische Buchführung wurde auf neue Füße gestellt, die Finanzen wurden geordnet.

Mit einem Großprojekt sorgte der TSV Firnhaberau vor drei Jahren für Aufsehen. Für eine halbe Million Euro wurde ein Kunstrasenplatz gebaut. „Unser alter Fußballplatz hatte eine schlechte Qualität, deshalb mussten wir etwas unternehmen“, erklärt der Präsident.

Eigendynamik für die gute Sache

Das Vorhaben entwickelte eine Eigendynamik. Dank eines bestehenden Netzwerkes und Marketingaktionen konnten regionale Unternehmer und Bürger für „die gute Sache“ gewonnen werden. Der bayerische Landessport-Verband (BLSV) und die Stadt trugen ihren Teil zur Finanzierung bei.

Dass der Unternehmer dabei selbst in die Tasche griff und privates Geld spendete („die eigene Firma war außen vor“), darüber spricht er nur ungern. Denn: „Der Präsident sollte schließlich mit gutem Beispiel vorangehen und auch ein paar Euros mitbringen.“

Der eigentliche „Stadionbau“, wie ihn Sahl nennt, wurde innerhalb von nur sechs Wochen realisiert; eine neue Tribüne entstand. Nachdem die Sitze im Curt-Frenzel-Eisstadion ausgetauscht werden sollten, fanden sie in der Firnhaberau eine neue Heimat. Dauerkar- tenbesitzer des TSV können sich gegen eine Spende ihren festen Sitzplatz sichern.

Gut ausgebucht

Der Kunstrasenplatz finanziert sich heute überwiegend durch Fremdvereine. „Insbesondere in den Wintermonaten sind wir gut ausgebucht“, sagt Alfred Sahl nicht ganz ohne Stolz. Mittlerweile sei der Platz ein Selbstläufer. Begeistert zeigen sich auch die Eltern, die ihre Kinder nunmehr mit sauberen Trikots und Hosen ohne Grasflecken wieder in Empfang nehmen.

Nicht zuletzt deshalb konnte der Anteil der Kinder und Jugendlichen auf 46 Prozent gesteigert werden, so Sahl, der seit 2009 ehrenamtlich im Sportbeirat der Stadt Augsburg tätig ist. Und das, obgleich der Stadtteil mit einer schleichenden Überalterung zu kämpfen hat. „Kinder wollen sich bewegen – und beim TSV Firnhaberau mit seinen vielfältigen Sparten können sie das.“

Wichtiges Ehrenamt

Das funktioniere jedoch nur so lange, wie sich engagierte Ehrenamtliche zur Verfügung stellen. Das werde immer mehr ein gesellschaftliches Problem, aber er habe keine konkreten Lösungen parat. So wird ein Präsident mehr und mehr zum Manager, ohne dessen Mitstreiter im Vorstand eine solche Herausforderung nicht zu bewältigen wäre.

Sahl wäre nicht Sahl, wenn er nicht schon die nächsten Pläne hätte. Doch noch will sich der umtriebige Visionär nicht in die Karten schauen lassen. Nur so viel: „Ich will Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen etwas Neues bieten.“ Ein Glück, dass es solch engagierte Menschen wie ihn gibt . . .

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