Samstag, 17. Februar 2018

08. Februar 2018 19:59 Uhr

Gesundheit

Die Grippewelle flutet den Landkreis

Immer mehr Menschen, darunter viele Kinder, erkranken. Jetzt ist eine ältere Frau gestorben

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Immer mehr Menschen im Landkreis sind in den vergangenen zwei Wochen an der Grippe erkrankt. Und noch ist kein Ende der Welle in Sicht. Wer krank ist, sollte dringend im Bett bleiben, um sich zu schonen, zu genesen und nicht noch andere Menschen anzustecken.
Foto: Symbolfoto: Dominik Berchtold

Eine fast 80-jährige Frau ist an der Grippe gestorben. Das teilte das Dillinger Landratsamt am Donnerstag mit. Die Frau lebte in einer Pflegeeinrichtung und war nicht gegen Grippe geimpft. Zudem habe sie an multiplen Vorerkrankungen gelitten. Zwei Tage nach Ausbruch der Grippe sei sie im Krankenhaus an den Folgen einer sogenannten Influenza-B-Erkrankung gestorben.

Das Gesundheitsamt weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Zahl der Meldefälle und der Personen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, weiter deutlich ansteigt: von 15 Erkrankten in der vierten Kalenderwoche auf inzwischen 24 in der sechsten Kalenderwoche. 13 Menschen befinden sich deswegen aktuell im Krankenhaus.

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Vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Grippe gefährlich werden. Doch inzwischen zweifelt Dr. Uta-Maria Kastner, Chefin des Dillinger Gesundheitsamtes, daran, dass sich jetzt noch eine Grippeschutzimpfung lohnt. Denn die wirkt erst nach ein bis zwei Wochen. „Das lohnt sich jetzt nur, wenn im persönlichen Umfeld niemand die Grippe hat, nicht zu Hause, nicht in der Arbeit – aber das ist inzwischen ja kaum noch der Fall.“ Denn es gebe mehr Erkrankte, als die Zahlen verraten. Nur wenn ein Hausarzt bei seinem Patienten einen sogenannten Rachenabstrich macht und im Labor untersuchen lässt, gibt es ein sicheres Ergebnis. Und das sieht in diesem Jahr so aus: Die meisten Menschen im Kreis haben Influenza-B-Viren erwischt, die wenigsten (etwa fünf Fälle) haben Influenza A.

Die Leiterin des Dillinger Gesundheitsamtes fügt hinzu, dass keiner vor einer Grippe gefeit sei. „Unter den aktuellen Fällen ist alles dabei, junge, alte, fitte Menschen.“ Im vergangenen Jahr sind insgesamt vier Menschen im Landkreis an einer Grippeerkrankung gestorben. Im Krankenhaus ist die Herausforderung besonders groß, weil Grippepatienten von anderen isoliert werden müssen. Deswegen wird auch medizinischem Personal jedes Jahr die Grippeimpfung empfohlen: nicht nur, um nicht sich selbst anzustecken, sondern auch keine Patienten anzustecken. „So hoch wie heuer waren die Zahlen in den vergangenen Jahren nicht“, weiß die Ärztin. Das fiel auch an der Wertinger Grundschule auf. Dort sind laut Landratsamt vergangene Woche etwa 40 Kinder wegen einer Grippeerkrankung zu Hause geblieben. Vermutlich erkrankten an einer Wertinger Kindertageseinrichtung ebenso viele Kinder. Das hätten einzelne Laboruntersuchungen bestätigt. Als die Schule gemeldet hatte, dass mehrere Kinder mit Fieber, Husten und Kopfschmerzen zu Hause geblieben waren, bat das Gesundheitsamt die Eltern um eine weitere freiwillige Untersuchung beim Kinder- oder Hautarzt für den Abstrich, um herauszufinden, ob eine Influenza-Erkrankung dahintersteckt. „Wenn so viele Schüler krank sind, dann reichen schon wenige Laborergebnisse, um sich sicher zu sein, ob es die Grippe ist“, erklärt Dr. Kastner. Die Kleinen zeigten, wie häufig während einer Grippewelle, im Vergleich zu Erwachsenen nur relativ leichte Krankheitszeichen. Es geht den meisten Schülern wieder gut, sagt Dr. Kastner, doch einzelne würden auch im Krankenhaus behandelt.

Wertingens Schulleiterin, Rektorin Christiane Grandé, geht davon aus, dass auch an anderen Schulen im Landkreis vergangene Woche viele Kinder krank waren. Nur wurden sie nicht alle gemeldet, vermutet sie. „Zehn Prozent, mal mehr, mal weniger der Schüler fehlten überall.“ Die Rektorin hofft, dass sich die Kinder über die Faschingsferien erholen.

Denn noch sei die Grippewelle nicht überstanden. Ein Schüler war am Donnerstagmorgen noch topfit im Unterricht erschienen und musste zwei Stunden später leichenblass von seinen Eltern abgeholt werden. Für solche Fälle gibt es an jeder Schule einen Hygieneplan – auch in Wertingen. Dort steht zum Beispiel, was bei Infektionskrankheiten zu beachten ist, oder auch, dass es grundsätzlich Papierhandtücher, keine Stoffhandtücher gibt. „Wir halten die Kinder auch dazu an, regelmäßig ihre Hände zu waschen und beim Niesen die Hand vor den Mund zu halten“, sagt Rektorin Grandé. Das Immunsystem der Lehrer sei in solchen Phasen, wenn viele Kinder krank sind, stark gefordert. Christiane Grandé war froh, dass dennoch kaum einer der Kollegen ausfiel. Zufällig war am Donnerstag auch Schulamtsleiter Wilhelm Martin in Wertingen zu Besuch. Dabei fiel ihm auf, dass in einer Klasse fünf Kinder erkrankt fehlten, in einer anderen sechs. „Was wir feststellen, ist, dass die Zahlen etwas höher sind, aber es gibt keine Epidemie.“ Martin selbst kann keine Grippe drohen. Er hat sich vor drei Wochen impfen lassen.

Wer nicht geimpft ist, dem empfiehlt Dr. Kastner dringend, keine Hände zu schütteln, sich nicht mit den Fingern im Gesicht zu berühren und regelmäßig die Hände zu waschen. Wen es bereits erwischt hat, der sollte seinem Körper Schlaf und Bettruhe gönnen, damit er seine Selbstheilungskräfte aktivieren kann. Das Fieber könne mit Medikamenten und Wadenwickeln gesenkt werden – dennoch rät Dr. Kastner dringend dazu, auch dann zu Hause zu bleiben, wenn die Medikamente die Beschwerden erleichtern. „Man ist immer noch ansteckend. Daher gilt: Wer krank ist, gehört ins Bett.“

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Ein Artikel von
Cordula Homann

Donau-Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten

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