Dienstag, 21. Februar 2017

04. Juni 2016 09:02 Uhr

Dillingen

Gute Nachrichten aus der Alzheimer-Forschung

Ein Experte über Altersforschung kommt nach Dillingen. Vorab verrät er, wie man sich schützen kann.

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Konrad Beyreuther ist Direktor des Netzwerks Alternsforschung an der Universität Heidelberg. Am Mittwoch kommt er nach Dillingen.

Über 30 Jahre schon beschäftigt sich Professor Konrad Beyreuther mit Alzheimer. Jetzt sieht er zum ersten Mal Hoffnung für eine Heilung. Darüber wird der Direktor des Netzwerks für Alternsforschung der Universität Heidelberg in Dillingen berichten. Sein Vortrag steht unter dem Motto „Alzheimer erleiden – Alzheimer vermeiden – Neues zu Diagnose, Therapie, Rehabilitation und Vorbeugung“. In einem Interview vorab hat der 75-jährige Experte aber schon ein paar Dinge verraten. Die erste gute Nachricht: Schlaf kann das Risiko einer Erkrankung senken. „Im Tiefschlaf findet ein Spülmechanismus im Gehirn statt. Er entfernt die gefährlichen Amyloid-Eiweißbruchstücke“. Diese Erkenntnis sei völlig neu: Wer vor lauter Stress nicht schlafen kann, hat kein Gedächtnis. Und obwohl der Seniorprofessor im Schnitt 50 Vorträge im Jahr hält, kann er vor jedem aus Stressgründen nicht so gut schlafen. „Aber hinterher bin ich von sieben Stunden fünf im Tiefschlaf“, sagt er und lacht.

Die zweite gute Nachricht: 20 Prozent weniger Alzheimer-Neuerkrankungen werden pro Jahr verzeichnet, ein drastischer Rückgang. Das liegt unter anderem daran, dass unsere Berufe immer anspruchsvoller werden, erklärt Professor Beyreuther. So sei ein Landwirt inzwischen vor allem Manager, immer mehr Menschen studieren und wer viel lernt, erkrankt entweder viel später oder nicht. Sudoku, Memory, Lesen oder PC-Spiele halten das Hirn fit. Und damit die 600 Kilometer Blutgefäße, die dort im Kopf verlaufen, gut durchblutet werden, sei es wichtig, dass das Herz fit ist.

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Die dritte gute Nachricht: Die Kardiologen seien immer besser bei der Behandlung von Herzinfarkt und andere Herzerkrankungen zu behandeln, so sinkt das Alzheimer-Risiko.

Die vierte gute Nachricht: Von der Alzheimer-Diagnose bis zur Erkrankung können bis zu 30 Jahre vergehen. Wichtig also die Früherkennung und frühe Vorsorge. Und auch eine leichte Alzheimer-Erkrankung ermögliche immer noch ein eigenständiges Leben.

Die fünfte gute Nachricht: Die Wissenschaft arbeitet an Impfungen gegen die Erkrankung. Erste kleine Erfolge gibt es bereits. „Das wäre zum ersten Mal ein Licht am Horizont“, sagt der renommierte Heidelberger Seniorprofessor begeistert. Die sechste gute Nachricht: Vieles, was gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hilft, schützt auch vor Alzheimer – man kann durchaus selbst etwas tun: etwa bewegen, gesund ernähren, den Blutdruck und das Gewicht kontrollieren. Hauptrisiko für eine Alzheimer-Erkrankung seien Depressionen und Rauchen, aber auch Diabetes. „Die Lebensführung ist entscheidend“, betont der 75-Jährige. Er selbst ist topfit. Jeden Morgen zwingt er sich zu einem zehnminütigen Bewegungsprogramm. Der 75-Jährige schafft etwa 300 Kniebeugen in zehn Minuten: 40 Schnelle in 20 Sekunden und 60 Langsame in zwei Minuten, immer im Wechsel. „Das ist so effektiv wie 30 Minuten Joggen.“ Drei mal in der Woche würde auch reichen. Außerdem macht er jeden Morgen 20 Liegestütze. „Das ist sehr anstrengend, ich zwinge mich dazu.“ Ein Fitnessband am Arm zählt auch noch die Schritte des Professors mit. Das Ziel von 10000 am Tag verfehle er aber leider oft. Und dann zählt er noch rückwärts, im Wechsel von sechs und sieben. Etwa so: 700 minus sechs, 694 minus sieben, dann 687 minus sechs und 681 minus sieben bis am Ende 5 herauskommt. „Mein Gedächtnis wird immer besser“, sagt Beyreuther stolz. Zur Belohnung gibt es einen Espresso mit Zucker. Das Gehirn könne ausschließlich Zucker verarbeiten. Dennoch warnt er vor zu hohem Zuckerkonsum, aber Alzheimer-Patienten gehen gerne essen und ein bisschen Zucker im Nachtisch darf da schon sein – das bringt das Hirn in Schwung.

So gut das alles klingt, Alzheimer ist noch immer eine tödliche Erkrankung und die Pflegekosten sind gewaltig, betont der Experte. „Wir bauen so viele Krippen und Kindergärten, aber wir müssen auch für die Alten mehr Geld in die Hand nehmen.“ Die Betreuung so einer Erkrankung koste pro Patient am Tag 50 bis 60 Euro, das ruiniere eine Familie.

Mehr auch über dieses Thema, die Rehabilitation Erkrankter, wird Beyreuther am Mittwoch, 8. Juni, um 18.30 Uhr im Dillinger Sparkassensaal, Lammstraße 14, in Dillingen verraten. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung wird von der Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Dillingen, dem Rotary Club Dillingen/Donau und der Sparkasse veranstaltet.

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Dillingen | Rotary Club

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