Sonntag, 20. August 2017

29. Mai 2017 06:20 Uhr

Gefahr

Wenn die Sonne ein Feuer entfacht

Experten erklären, was Solarthermie- und Fotovoltaikanlagen unterscheidet

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Die Solarthermieanlage eines Einfamilienhauses in der Wertinger Alemannenstraße war in das Dach integriert, die Ziegel waren dort ausgespart. Durch eine Überhitzung des Rahmens, so der bisherige Kenntnisstand der Polizei, griff das Feuer auf die Lattung des Dachstuhls über.
Foto: Benjamin Reif

Muss man sich Sorgen machen, wenn man eine Solaranlage auf dem Dach installiert hat? Der Brand vorvergangene Woche in der Alemannenstraße wirft bei vielen Wertingern derzeit diese Frage auf. Auch wenn die Dillinger Kriminalpolizei, die diesen Fall untersucht, noch keinen abschließenden Bericht vorgelegt hat, deutet derzeit den Beamten zufolge alles darauf hin, dass eine Überhitzung in dieser Anlage den Brand verursachte. Vonseiten der Polizei heißt es: „Die Moduleinfassung aus Holz hat wohl zuerst Feuer gefangen, das dann auf die Lattung des Dachstuhls übergegriffen hat.“ Die Solarthermieanlage war in das Dach integriert. Die Polizei ermittelt nun auch, ob das Feuer durch Fahrlässigkeit verursacht wurde – ob die Anlage also fehlerhaft angebracht wurde.

Brände, die mit Solaranlagen in Zusammenhang gebracht werden, sind keine Seltenheit. Wer im Internet recherchiert, stößt auf allerlei Erfahrungsberichte aus ganz Deutschland. Auch dem Experten Dr. Joachim Puntigam, ein von der Industrie- und Handelskammer Schwaben empfohlener Fachmann, kennt die Gefahren, die man sich auf das eigene Hausdach holen kann.

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Allerdings ist „Solaranlage“ ein schwammiger Begriff, wie der Fachmann erklärt. „Man muss zunächst unterscheiden zwischen einer Solarthermie- und einer Fotovoltaikanlage“, sagt Puntigam. Erstere wandelt die Sonnenergie in Wärme um, übersetzt sie also zur Erwärmung von Wasser, manchmal auch als Unterstützung des Heizungssystems. Bei der komplexeren Fotovoltaik wird das Sonnenlicht durch die Panele in Strom umgewandelt, welcher in das Netz eingespeist wird.

Grundsätzlich ist die Fotovoltaikanlage sehr viel gefährlicher als die Solarthermie, sagt Puntigam. „Es kann beispielsweise sein, dass eine Diode fehlerhaft montiert ist“, erklärt der Experte. Ein Kurzschluss ist außerdem möglich, welcher auch für einen Brand verantwortlich sein kann. Hier gibt es für den Kunden eine Möglichkeit, einem gefährlichen Brand vorzubeugen. Nach der Installation sollte man laut Puntigam seine Anlage mit einer Wärmebildkamera betrachten. Wenn es sogenannte „Hotspots“ gibt – Flecken, an denen sich überproportianal viel Wärme ansammelt – sollte man die Anlage noch einmal überprüfen lassen. „Jedes technische Erzeugnis, jedes Gerät kann fehlerhaft sein. Kontrolle ist auf jeden Fall gut“, sagt Puntigam.

Bei der Solarthermie sei das Gefahrenpotenzial eigentlich geringer. Dennoch war die Anlage, die in Wertingen für den Brand verantwortlich war, auf Solarthermie ausgelegt. Ohne auf den Einzelfall einzugehen, vermutet der Experte bei den allermeisten Fällen von Bränden Fehler bei der Installation als Grund. „Wenn Brennbares zu nah an den erhitzten Elementen oder den Leitungen angebracht ist, kann das zu einem Feuer führen“, sagt der Fachmann. Elekrische Kurzschlüsse und damit einhergehende Brandgefahr gebe es nicht: „Die Solarthermie ist bei korrekter Montage eigentlich nicht gefährlich.“

Bei den Feuerwehren sind die Solaranlagen schon seit Längerem ein Thema. Der Kommandant der Gottmannshofener Feuerwehr, Thomas Schuhwerk, weiß mittlerweile über die Anlagen gut Bescheid. Die Feuerwehren haben vermehrt Schulungen und Weiterbildungen zu den Anlagen besucht, da immer mehr Personen sich für eine solche Anlage auf dem eigenen Dach entscheiden.

Schuhwerk sagt, dass man mit ein bisschen Erfahrung die beiden Typen – Solarthermie und Fotovoltaik – recht gut auseinander halten kann. „Wenn es, wie in dem Wertinger Fall, nur einige wenige Platten auf dem Dach sind, handelt es sich fast immer um eine Solarthermie“, sagt Schuhwerk. Fotovoltaikanlagen seien zumeist viel großflächiger angebracht. Der Experte erkennt aber auch an der Beschaffenheit der Solarpanele selbst, um welchen Typ Anlage es sich handelt. Zumeist sind diese mittlerweile auch gekennzeichnet.

Für die Feuerwehr ist es enorm wichtig, zu wissen, was sie da denn gerade löschen muss. Denn bei einer Fotovoltaikanlage droht für die Feuerwehr selbst Gefahr. Da die Solaranlage auch beim Brand noch Strom produzieren, müssen einige Dinge beim Einsatz beachtet werden. Schließlich wollen die Einsatzkräfte Wasser auf den Brand spritzen – welches bekanntlich Strom leitet.

„Bei den meisten Anlagen gibt es im Haus einen Schalter, der die Weiterleitung des Stroms unterbricht“, sagt Schuhwerk. Damit können die Leitungen „entschärft“ werden, nicht jedoch die Panele selbst, die bei Sonneneinstrahlung immer Strom produzieren. Die Feuerwehr müsse deshalb bei den Löscharbeiten mehr Abstand mit dem Schlauch einhalten als bei „normalen“ Bränden, damit der Löschende keinen Stromschlag bekommt. Es gebe Versuche bei anderen Wehren, den Stromfluss mittels Schaum oder Planen zu verhindern, doch keine Methode sei bislang für die Feuerwehren in der Praxis eine gute Lösung.

Die Anlagen stellten die Feuerwehr zwar vor Herausforderungen, doch zu sehr über sie klagen will Schuhwerk nicht. „Bei den Gefahren für die Feuerwehr ist bei den Solaranlagen viel dramatisiert worden“, sagt der Kommandant. Strom sei in jedem brennenden Haus eine Gefahrenquelle, derer sich die Einsatzkräfte bewusst sein müssen.

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Ein Artikel von
Benjamin Reif

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