Samstag, 23. August 2014

15. Juni 2010 18:25 Uhr

Wirtschaft macht Tempo - Sorgen wegen Schuldenkrise

Berlin (dpa) - Glänzende Geschäfte, mehr Investitionen und neue Jobs: Immer mehr Unternehmen in Deutschland haben sich aus dem Sog der Finanzmarktkrise befreit, wie aus einer DIHK-Umfrage unter mehr als 22 000 Firmen hervorgeht.

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Wirtschaft macht Tempo - Sorgen wegen Schuldenkrise
Foto: DPA

Gleichwohl verdirbt die Schuldenkrise in Europa - mit den Brandherden Griechenland und Spanien - Finanzexperten die Stimmung: Die ZEW-Konjunkturerwartungen brachen im Juni auf den tiefsten Stand seit April 2009 ein.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berichtete am Dienstag in Berlin, dass erstmals seit zwei Jahren wieder mehr Firmen Arbeitsplätze schaffen als Stellen streichen wollen. «Die Konjunkturerholung beschleunigt sich - und das über alle Wirtschaftszweige hinweg», sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Weltweit seien deutsche Waren ein Renner: «Der Export erfüllt einmal mehr seine Rolle als Zugpferd und hievt die Wirtschaft aus der Krise.» Auch der schwache Euro helfe.

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Die ZEW-Konjunkturerwartungen trübten sich aber im Juni unerwartet stark um 17,1 Punkte auf 28,7 Punkte ein, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte. Volkswirte hatten nur mit einen leichten Minus gerechnet. Die befragten Finanzexperten rechnen damit, dass sich die Erholung der Wirtschaft zum Jahresende abschwächt. Der Ausblick bleibe zwar positiv. Doch die Unsicherheit über die Schuldenkrise und die erwarteten drastischen Einschnitte in EU-Ländern drückten auf die Stimmung.

Auch das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) ist vorsichtig: «Auf kürzere Sicht werden die deutschen Exporteure zwar von der Abwertung des Euro profitieren. Auf mittlere Sicht werden aber die Sparprogramme in vielen europäischen Ländern deren Erholung und über die engen Außenhandelsbeziehungen auch die in den anderen Ländern dämpfen.» Für 2011 senkte das HWWI seine Prognose von 2,0 auf 1,6 Prozent.

Die Wirtschaft geht davon aus, dass das «kleine Jobwunder» auf dem Arbeitsmarkt anhält. Im Jahr 2010 würden durchschnittlich 3,2 Millionen Menschen arbeitslos sein. «Das ist der niedrigste Wert seit 1992 - und das im ersten Jahr nach der schwersten Wirtschaftskrise seit vielen Jahrzehnten», erklärte Wansleben.

Im laufenden Jahr rechnet der DIHK mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Das ist deutlich mehr als viele andere Experten und die Bundesregierung erwarten. Die Wirtschaft fordert von der schwarz- gelben Koalition, das 80-Milliarden-Sparpaket konsequent umzusetzen. In der Umfrage bewerten mehr als ein Viertel der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut (28 Prozent), über die Hälfte als befriedigend (54 Prozent) und nicht einmal jedes fünfte als schlecht (18 Prozent). «Erstmals seit Krisenbeginn überwiegen damit die guten Lageurteile der Unternehmen wieder die schlechten», so der DIHK.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte, die Firmen profitierten von der dynamischen Entwicklung in den Schwellenländern. «Die deutschen Unternehmen ernten die Früchte dafür, dass sie schon früh mit klugen Strategien neue Märkte erschlossen haben.»

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