Freitag, 20. Oktober 2017

13. Oktober 2017 09:20 Uhr

Reizblase

Angst und Stress schaden: So kann man die Blase trainieren

Harndrang bei Stress? Manche Betroffene einer Reizblase trauen sich gar nicht mehr aus dem Haus. Doch es gibt Möglichkeiten, die Blase gegen ihre Schwäche zu trainieren.

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"Sich vor Angst in die Hose machen" - das Sprichwort ist für manche die Realität. Denn: Die Blase wird vom Gehirn gesteuert und steht somit unter dem Einfluss von Stress.
Foto: Martin Gerten/dpa

Manche spielen mit den Haaren, andere kauen sich die Nägel - die meisten Menschen haben Ticks oder schlechte Angewohnheiten, die sich in Stresssituationen bemerkbar machen. Besonders unangenehm ist es, wenn man eine Reizblase hat - da trifft das "sich vor Angst in die Hose machen" meist zu. Wie hängt die Emotion mit dem Organ zusammen und wie kann man das nervige Stresssymptom bekämpfen?

Reizblase hängt mit der Psyche zusammen: Auslöser Angst und Stress

Annette Maleika, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am GRN Klinikum in Schwetzingen, berät in ihrer Blasensprechstunde betroffene Patienten. Nicht selten verbergen sich hinter ihren Beschwerden seelische Ursachen wie Überlastung, Angst, Stress oder Anspannung. Aber was hat die Blase mit der Psyche zu tun? Beide reagieren aufeinander, weil die Blase vom vegetativen Nervensystem und Zentren im Gehirn gesteuert wird. Von hier aus werden über Nervenbahnen und Neurotransmitter Signale an den Blasenmuskel und Beckenboden gesendet. 

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Nervosität, Ängste, Stress und Überlastung können so dazu führen, dass der Mensch Urin verliert oder ständig den Drang verspürt, auf die Toilette zu gehen. Umgekehrt sind die Blasenprobleme selbst psychisch belastend für die Betroffenen. Aber: "Unsere Blase ist ein schulbares Organ", erklärt Maleika. Ein Verhaltenstraining und ein Ernährungscheck können als erste Interventionen schon Besserung bringen.

Blase trainieren: Das hilft gegen das Tröpfeln

Bei einem Blasentraining wird Tagebuch über Toilettengänge und Trinkmenge geführt. Ärzte raten, die Abstände zwischen den Toilettengängen immer ein bisschen weiter zu vergrößern. Schon eine Viertelstunde hilft, die Blase zu stärken. Auch an der eigenen Ernährung lässt sich meist schrauben. Vor allem Kaffee reizt die Blase, erklärt Maleika. Zitrusfrüchte dagegen stärken sie. Da es einen Blasenmeridian an den Füßen gibt, ist die Blase zudem empfänglich für Wärme an den Füßen.

 

Erzielen Patienten mit alldem noch nicht den gewünschten Erfolg, verordnen Mediziner in einem nächsten Schritt sogenannte Parasympatholytika. Sie hemmen oder aktivieren über das parasympathische Nervensystem die Blasenfunktion. Auch Antidepressiva kommen zum Einsatz.

Spritzen oder Gymnastik: Weitere Mittel gegen die Reizblase

Die Urologin Prof. Daniela Schultz-Lampel, Direktorin am Kontinenzzentrum Südwest in Villingen-Schwenningen, berichtet von positiven Erfahrungen mit einer Botox-Injektion in den Blasenmuskel: "Die Botox-Injektion ist eine sehr nebenwirkungsarme Behandlung, die von der Kasse gezahlt wird und zu schnellen Erfolgen führt - allerdings nach etwa sechs Monaten wiederholt werden muss.»"

Prof. Ralf Tunn, Chefarzt der Klinik für Urogynäkologie am Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin, hilft Menschen mit überaktiver Blase durch ein Beckenbodentraining. Er überprüft zunächst durch Tasten oder mittels Ultraschall, ob ein Patient seinen Beckenboden anspannen kann. Gelingt dies nicht, aktiviert Tunn per Elektrostimulation die Wahrnehmung des Beckenbodens. 

Kann der Patient schließlich den Beckenboden anspannen, übt er, die Blasenfunktion wieder selbst zu koordinieren. Dafür eignen sich zum einen gymnastische Übungen. Auch modernes Biofeedbacktraining kommt zum Einsatz. Bei dieser Technik aus der Verhaltenstherapie lernt der Patient, seine Anspannung und Verkrampfung gezielt wahrzunehmen und bei Stress wieder loszulassen. 

Andere Entspannungstechniken, zum Beispiel Autogenes Training, eignen sich ebenfalls, um in stressigen Situationen die Blase zu bändigen. AZ, dpa

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