Mittwoch, 18. Oktober 2017

03. April 2011 14:20 Uhr

US-Studie

Automatische Wasserhähne: Bakterienschleudern?

Unerwartet: Automatische Wasserhähe bergen sogar ein größeres Bakterienrisiko als die Herkömmlichen. Die Folge: Starker Legionellenbefall - in Neu-Ulm starb 2010 eine Frau wegen der Bakterien.

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Legionellen aus der Leitung: US-Wissenschaftler entdeckten, dass sensorengesteuerte Wasserhähne mehr potenziell krankmachende Erreger enthalten können als die herkömmliche Variante.

Eigentlich werden elektronische Wasserhähne eingesetzt, um Infektionen zu vermeiden. Die automatische Steuerung macht ein Anfassen überflüssig. Damit soll die Übertragung von Keimen über die Hände reduziert werden. Die Studienergebnisse stellen den Vorteil solcher Wasserhähe infrage.

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Die Verunreinigung seien so problematisch, dass die Wissenschaftler sogar das Entfernen solcher Wasserhähne. Das Klinikum, in dem die Studie durchgeführt wurde, ist inzwischen dabei, alle elektronisch gesteuerten Wasserhähne durch manuelle austauschen zu lassen.

Legionellen verursachen die Legionärskrankheit, die vor allem die Lunge befällt. Für gesunde Menschen sind Legionellen zwar nicht gefährlich, Personen mit einem geschwächten Immunsystem können bei einer Infektion damit allerdings schwer erkranken und sogar sterben. In Kliniken herrschen daher diesbezüglich besondere Hygienevorschriften.

In Neu-Ulm starb eine Frau in Folge eines Legionellenbefalls

In Senden musste ein Schwimmbad komplett saniert werden, weil Legionellen gefunden wurden.

Legionellen in der Hälfte der Proben

Die US-Wissenschaftler testeten die Wasserhähne auf zwei Stationen der Klinik über sieben Wochen. Darunter waren zwanzig automatische Wasserhähne mit optischem Sensor, die sich einschalten, wenn man die Hände unter den Hahn hält, und zwanzig herkömmliche, manuell zu bedienende Wasserhähne.

Die Forscher entnahmen Wasserproben und kultivierten diese. Dabei stellte sich heraus, dass fünfzig Prozent der Proben aus den elektronisch gesteuerten Wasserhähnen mit Legionellen kontaminiert waren - bei den manuellen Armaturen waren es hingegen 15 Prozent. Auch insgesamt schien die Anzahl an Keimen in den Proben aus den elektronischen Wasserhähnen erhöht, wenn auch nicht signifikant.

Komplexer Aufbau

Den Grund für diese Diskrepanz kennen die Wissenschaftler bisher noch nicht. Sie vermuten jedoch, dass die stärkere Besiedelung der sensorgesteuerten Hähne mit deren Aufbau zusammenhängt: Sie enthalten sehr viel mehr Schalter, Ventile und Regelkomponenten als herkömmliche Armaturen. Dadurch haben sie eine deutlich vergrößerte innere Oberfläche, die das Bakterienwachstum möglicherweise fördert.

Der komplexe Aufbau ist auch ein Problem bei der Reinigung der Hähne, entdeckten die Forscher, als sie vier der elektronischen Wasserhähne in ihre Einzelkomponenten zerlegten - zwei davon vor einer Behandlung gegen Keime, zwei danach.

Der Vergleich zeigte: Zwar sank die Keimbelastung durch die Desinfektion leicht ab, es fanden sich jedoch auch nach der Behandlung noch fast überall Legionellen und andere Bakterien. Die Keime besiedeln offenbar vor allem die Komponenten der elektronischen Wasserhähne, die in herkömmlichen Versionen nicht vorkommen. Die Ergebnisse zeigten, dass die in Krankenhäusern verwendete Standarddesinfektion von Wasserleitungen die komplexer gebauten Hähne mit optischen Sensoren nicht effektiv von Legionellen und anderen potenziell gefährlichen Bakterien befreien könne, sagt Mitautor Gregory Bova, Ingenieur am Johns Hopkins Hospital. (dapd)

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