Montag, 11. Dezember 2017

07. Dezember 2017 08:11 Uhr

Artenschutz

Der Kampf gegen die Zeit: Der Kalifornische Schweinswal stirbt aus

Nur noch 30 Kalifornische Schweinswale gibt es weltweit. Verzweifelt versuchen mexikanische Forscher, die wenigen Exemplare zu retten. Doch es gibt herbe, unerwartete Rückschläge.

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Eine leichte Brise weht, als das Schiff "Odissea" vom Hafen der mexikanischen Küstenstadt San Felipe ablegt. Die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich am Horizont. Die kleine Jacht durchquert den Golf von Kalifornien mit einer einzigen Mission: der Suche nach dem Kalifornischen Schweinswal. "Mit ein wenig Glück sehen wir vielleicht einen", sagt Francisco Gómez, Direktor des Wal-Museums, das sich an der Suche beteiligt. 

Im Oktober hat die mexikanische Regierung mit Unterstützung der US-Marine und internationalen Organisationen einen Notfallplan ins Leben gerufen. Mexiko zahlt dafür drei Millionen US-Dollar (2,5 Mio. Euro), eine weitere Million US-Dollar ist für das Projekt mit dem Namen VaquitaCPR gespendet worden. Die Wale - auf spanisch Vaquita marina genannt - stehen kurz vor der Ausrottung. Nur noch 30 Exemplare gibt es nach aktueller Schätzung vom Februar 2017. 

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Wissenschaftler aus acht Ländern arbeiten nun zusammen an der Rettung des kleinen Meeressäugers, der einem Delfin ähnelt. 

Die Wale werden mit Mikrofonen belauscht

Dank eines komplexen Systems von Unterwasser-Mikrofonen können die Forscher die Wale dieser kleinen Population hören und orten. "Abhängig vom Wetter empfangen wir täglich andere Geräusche und passen daran unsere Schiffsrouten an, um die Gewässer zu durchkämmen", erklärt Museumsdirektor Gómez. 

Damit die Tierschützer die Tiere sehen und für eine Datenbank fotografieren können, darf kaum ein Wind wehen. Nur bei fast spiegelglattem Meer kann man die Wale sehen. "Da es sehr kleine Tiere sind, werden ihre Rückenflossen schnell von Wellen überdeckt, wenn es viel Wind gibt", sagt Gómez. Die Wale werden nicht größer als 1,50 Meter und wiegen maximal 40 Kilogramm. 

Das Einzugsgebiet des Kalifornischen Schweinswals umfasst eine Fläche von über 11.000 Quadratkilometern im Golf von Kalifornien, der von der mexikanischen Küste fast vollständig umschlossen ist. Die Marine kontrolliert die Bucht, um illegale Fischerei zu unterbinden. Obwohl die Forscher ständig die illegal ausgelegten Netze entfernen, finden sie immer neue. Fischer legen sie aus, um die ebenfalls vom Aussterben bedrohten Fische der Art Totoaba zu fangen. Deren Schwimmblase ist auf dem Schwarzmarkt in China umgerechnet bis zu 850 Euro wert. 

In illegal ausgelegten Netzen finden Forscher immer wieder Schweinswale

In einigen der Netzen finden die Mitglieder des Projekts manchmal Schildkröten, Haie, Totoabas, Delfine - und wenn es ein ganz schlechter Tag ist - auch eine Vaquita.

Bereits in den 1950er Jahren als eigene Spezies entdeckt, dauerte es allerdings vier Jahrzehnte, bis die Welt von der realen Existenz der Kalifornischen Schweinswale überzeugt war. In den Augen des mexikanischen Biologen Lorenzo Rojas handelt es sich um ein ganz besonderes Tier. Rojas arbeitet seit 25 Jahren daran, die Kalifornischen Schweinswale vor dem Aussterben zu retten. Jetzt ist er der Koordinator des Projekts VaquitaCPR. "Es ist die einzige Art von Meeressäugern, die nur in Mexiko heimisch ist", sagt er. 

Bei ihrer Rettung indes mussten die Forscher bereits einige Rückschläge hinnehmen. In einem ersten, 30-tägigen Feldversuch wollten die Experten einige Tiere einfangen. Sie sollten sich in einem geschützten marinen Gehege vor der Küste ohne die Gefahr der Fischernetze des offenen Meeres fortpflanzen. 

Die Forscher fingen ein Tier ein - es starb wegen Stress

Zum Einfangen beobachteten sie über Stunden das offene Meer mit Ferngläsern und setzten trainierte Delfine der US-Marine aus, um die Wale anzulocken. Schließlich fingen sie zwei Exemplare. Doch eines mussten sie wieder ins offene Meer entlassen, weil es mit sechs Monaten noch zu jung zur Fortpflanzung war. Das andere ausgewachsene Weibchen starb in dem Gehege, wahrscheinlich wegen des Stresses. 

"Wir kannten das Risiko und mussten den Ausgang des Experiments akzeptieren", sagt Rojas. Neben dem unkalkulierbaren Klima des Golfs von Kalifornien und der extremen Scheu der Tiere kam eine unerwartete Komponente hinzu: Die Vaquita kann in Gefangenschaft nicht überleben.

 "Als wir vom Tod des Weibchens erfuhren, waren wir sehr traurig. Viele von uns weinten", sagt Museumsdirektor Gómez. Doch die Forscher wollen nicht aufgeben. Denn wenn sie nichts unternehmen, ist die Gefahr hoch, alle Vaquitas zu verlieren. Carmen Peña, dpa

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