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Prozess in Augsburg

16.01.2019

34-Jähriger soll Mann in Asylheim mit Messer attackiert haben

Vor dem Augsburger Landgericht muss sich seit Dienstag ein 34-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll seinem Kontrahenten in einer Aichacher Asylunterkunft lebensgefährliche Verletzungen zugefügt haben.
Bild: Archivfoto: Florian Rußler

Nach dem Angriff auf einen Landsmann in einer Aichacher Asylunterkunft steht ein 34-Jähriger vor Gericht. Das Opfer überlebt nur dank der Hilfe des Notarztes.

Es war ein harmloser Streit über die Zubereitung des Essens. Doch er hätte einen damals 35-jährigen Mann in einer Aichacher Asylunterkunft um ein Haar das Leben gekostet. Ein 34-jähriger Nigerianer steht seit Dienstag vor der achten Strafkammer des Landgerichts Augsburg, weil er im Mai 2018 seinen Landsmann mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt haben soll. Der Notarzt rettete das Opfer gerade noch vor dem Tod.

Zunächst waren zwei Bewohnerinnen mittags in der Küche der Asylunterkunft aneinandergeraten. Der Anklageschrift zufolge stritten sich die Frauen lautstark. Daraufhin mischten sich ihre Partner in die Auseinandersetzung ein und es kam es zu einem Handgemenge zwischen allen vier Personen.

Mann schlägt laut Anklage erst auf Ehefrau des Opfers ein

Laut Anklage schlug der 34-Jährige mehrfach mit einem hölzernen Stock die Ehefrau seines Kontrahenten auf die Hände sowie jeweils mindestens einmal ins Gesicht und auf den Rücken. Die Frau erlitt eine Prellung an der Stirn, eine Platzwunde und eine leichte Schwellung am linken Auge und Schmerzen.

Als der Stock zu Bruch ging, schnappte sich der Angeklagte ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge und ging auf den Ehemann der Frau los. Er verpasste ihm zunächst drei Kopfstöße. Sein Opfer erlitt dabei eine Platzwunde an der linken Augenbraue.

Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, fragte der verletzte Ehemann bereits beim Anblick des Messers in der Hand des Angeklagten, ob dieser die Absicht habe, ihn zu töten. Als die Antwort ausblieb, flüchtete das Opfer aus der Küche auf den Flur. Der Angeklagte verfolgte seinen Kontrahenten umgehend, holte ihn noch auf dem Flur ein und versetzte ihm mit dem Messer einen wuchtigen Stich in den Rücken.

Opfer erleidet zehn Zentimeter tiefe Stichwunde im Rücken

Laut Anklage nahm er dabei billigend in Kauf, seinem Opfer tödliche Verletzungen zuzufügen. Dieses erlitt eine stark blutende, etwa zehn Zentimeter tiefe Verletzung unter dem linken Schulterblatt. Das Messer durchstach das Rippenfell und verletzte die Lunge des Opfers. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten weiter vor, er habe versucht, danach in Richtung des Bauches seines Kontrahenten zu stechen. Dieser konnte den erneuten Angriff jedoch abwehren, indem er seinen rechten Arm nach oben riss. Dabei zog er sich an dem Arm eine Schnittverletzung zu.

Der Angreifer ließ auch danach nicht von seinem Opfer ab. Während dieses stark blutete und immer schwächer wurde, fügte er ihm zwei Schnittverletzungen im Bereich der Rippen zu. In der Anklageschrift heißt es, weitere Attacken des Angeklagten seien nur deshalb unterblieben, weil in diesem Moment ein weiterer Mann den Flur betreten und dem Angreifer umgehend das Messer entrissen habe.

Notarzt rettet dem Opfer das Leben

Der Angeklagte sei daraufhin in der Annahme, sein Opfer tödlich verletzt zu haben, geflüchtet und habe keine Rettungsmaßnahmen veranlasst. Bewohner des Hauses und von ihnen angesprochene Passanten vor dem Haus verständigten sofort den Notarzt. „Nur durch dessen schnelles und fachgerechtes Eingreifen“ habe das Leben des Opfers, dessen Lunge bereits kollabiert gewesen sei, gerettet werden können. „Andernfalls wäre er noch vor Ort verstorben“, so die Anklageschrift weiter. Der schwer verletzte Mann wurde mit dem Rettungshubschrauber Christoph ins Klinikum Augsburg geflogen.

Der 34-jährige Angeklagte muss sich nun wegen versuchten Totschlags, gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Augsburg verantworten. Am Dienstag äußerten sich laut Gerichtssprecher Claus Pätzel er selbst und einige Zeugen zu dem Geschehen. Der Angeklagte sitzt seit dem Vorfall in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage geplant. Er wird am Donnerstag, 24. Januar, fortgesetzt.

Einsatz sorgte für viel Aufsehen in der Stadt

Der Einsatz in der Aichacher Asylunterkunft hatte damals für viel Aufsehen in der Stadt gesorgt. Der Klang mehrerer Martinshörner und der Rettungshubschrauber schreckten viele Menschen auf. Vor Ort waren die Kriminalpolizei, mehrere Polizeistreifen, Rettungsdienst und Notarzt sowie die Freiwillige Feuerwehr Aichach, die den Einsatzort absperrte. (mit bac)

Lesen Sie dazu den Artikel: Haftbefehl nach Messerattacke in Asylunterkunft

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