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Aichach

04.08.2020

Abgeordneter Lange: „Corona hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind“

Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange (CSU): Acht Kommunen aus dem nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg gehören zu seinem Wahlkreis.
Bild: Berthold Veh

Plus CSU-Politiker Ulrich Lange erlebt die Einschläge der Krise vor Ort in seinem Wahlkreis – in vielerlei Hinsicht. Was er von einem Kanzlerkandidaten Markus Söder hält.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange ist als Rieser mit fundamentalen Einschlägen wohlvertraut. Die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft kennt er nicht nur aus Berliner Sicht, sondern an konkreten Entwicklungen vor seiner Haustüre im Wahlkreis – in vielerlei Hinsicht. In Donauwörth steht das Airbus-Hubschrauberwerke wie die gesamte Luftfahrtindustrie massiv unter Druck. Über Monate hinweg wurde keine Maschine verkauft – rund 7000 Arbeitsplätze hängen davon ab, dass das Geschäft wieder anspringt. In seiner Heimatstadt Nördlingen entwickelt sich dagegen eine Corona-Chance. Varta baut dort ein Batteriewerk auf und investiert eine dreistellige Millionensumme – Bund und Land unterstützen die Zukunftstechnologie mit hohen Förderungen.

Für Lange ein Paradebeispiel, wie sich aus dieser Krise auch Positives entwickeln kann: „Ich bin nicht pessimistisch.“ Insgesamt sei Deutschland allgemein und sein Wahlkreis speziell bislang gut durch die Pandemie gekommen, so Langes Einschätzung im Sommergespräch mit unserer Redaktion. Den Menschen sei in dieser Zeit bewusst geworden, „dass wir viel verletzlicher sind, als wir immer gedacht haben“. Der Zusammenhalt in vielen Familien sei gestärkt worden. Und es habe sich während des Lockdowns auch etwas relativiert: Das hohe Gut Gesundheit sei allen bewusst geworden.

Todesfälle in Altenheimen in allen drei Landkreisen des Bundestagswahlkreises

Zu Langes Wahlkreis gehören die kompletten Landkreise Donau-Ries und Dillingen sowie acht Kommunen aus dem nördlichen Teil des Wittelsbacher Landes. In jedem dieser drei Landkreise ist jeweils ein Altenheim mit vielen Covid-19-Todesopfern schwer getroffen worden. Im Aichacher AWO-Heim starben 17 Menschen mit oder an der Lungenkrankheit. Auch in Pflegeheimen in Harburg und Bissingen gab es viele Opfer. Lange ist da als stellvertretender Vorsitzender eines Seniorenheims in Nördlingen ganz nah dran. „Sein“ Heim blieb verschont: „Wir haben gezittert. Wir haben Vorsorge getroffen und alles getan, und dann haben wir auch noch Glück gehabt.“ Weil eben kein Mitarbeiter oder Besucher das Virus in die Einrichtung brachte. Auch Lange geht davon aus, dass die Corona-Infektionen nach der Sommerpause wieder steigen. Ein Teil der Bevölkerung nehme die Gefahr und die Warnungen leider nicht mehr so richtig ernst.

Ulrich Lange will 2021 sein Direktmandat verteidigen

Sehr ernst genommen wird in Berlin der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Lange, als stellvertretender Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im engeren Führungskreis der Union, ist kein geborener „Söderianer“. Speziell die Mandatsträger, die im Bundestag ihre Arbeit tun, haben lange mit dem Franken gefremdelt. Mittlerweile stehen auch die Bundespolitiker der Christsozialen mit großer Geschlossenheit hinter ihrem Parteichef. Söder habe generell und jetzt als Krisenmanager eine „starke Leistung“ gezeigt und Entscheidungskompetenz bewiesen. Das überzeuge auch große Teile der Bevölkerung und der CDU.

Ob er deshalb im nächsten Jahr zum Kanzlerkandidaten ausgerufen werde, stehe auf einem ganz anderen Blatt, sagt Lange: Erst müsse die CDU wissen, was sie will. Lange weiß das: Er will im nächsten Jahr wieder für den Bundestag kandidieren und sein Direktmandat, das er 2009 erstmals eroberte, verteidigen. Dazu hält der Abgeordnete konsequent Kontakt zur Basis in seinem flächenmäßig großen Wahlkreis. Er hat in den vergangenen Wochen Antrittsbesuche bei „seinen“ sechs Bürgermeistern im nördlichen Landkreis gemacht, die im März neu gewählt wurden. Die Stimmung bei den Gesprächen in den Rathäusern sei da trotz Corona durchwegs optimistisch gewesen, erzählt Lange.

Als stellvertretender Fraktionschef ist der Jurist für die Themen Digitalisierung sowie Verkehr und Bau zuständig. Dass Verkehrsminister Andreas Scheuer nach dem Mautdebakel und dem Ärger mit der verpatzten Verkehrsrechtsreform stark unter Druck steht, habe für ihn persönlich keine Folgen, sagt Lange: Vor der Wahl werde es keine Kabinettsumbildung geben.

Lesen Sie dazu auch: Die Situation am Arbeitsmarkt im Raum Augsburg bleibt angespannt

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