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Aichach

25.03.2020

Corona: Trauernde leiden unter strengen Regeln bei Bestattungen

Das Coronavirus und dessen Eindämmung hat Auswirkungen auf Bestattungen. Die Staatsregierung gibt genaue Regeln vor.
Bild: Andreas Dengler (Symbol)

Plus Bei Beerdigungen gelten im Wittelsbacher Land strenge Regeln. Für Familienangehörige, die Abschied nehmen wollen, oft eine schwierige Situation.

Seit Montag sind im Landkreis Beerdigungen nur noch unter strengen Auflagen erlaubt. Abgesehen vom Bestattungsdienst und einem Pfarrer oder Pastor dürfen höchstens 15 Personen teilnehmen. Sie müssen einen Abstand von anderthalb Metern zueinander halten (wir berichteten). Maria Glas vom Bestattungsdienst Herbert Glas in Aichach sagt: „Das ist natürlich ganz schwierig. [...] 15 Leute, da kann teilweise nicht mal die ganze Familie dabei sein.“

Allerdings gebe es nur wenig Spielraum, da die Allgemeinverfügung des Landratsamtes strikt befolgt werden müsse. „Es geht ja auch eine Trauerfeier in aller Stille, wenn Leute das wünschen“, erklärt Glas. Aber sich in der Trauer an solche Regeln halten zu müssen, sei für die Angehörigen oft schwierig. „Beerdigungen sind nur einmal. Man kann sie nicht wiederholen und auch nicht verschieben wie eine Hochzeit oder Taufe“, sagt Glas.

Urnenbestattungen können auch nach der Coronakrise stattfinden

Es besteht zwar die Möglichkeit, eine Urnenbestattung erst nach der Coronakrise zu machen. „Aber das ist auch schwierig, wenn man nicht weiß, ob der derzeitige Zustand vielleicht verlängert wird.“ Derzeit gelten die Regulierungen nur bis nach den Osterferien. Allerdings ändert sich die Nachrichtenlage in der Coronakrise täglich. Zu weit hinausschieben wollen Angehörige die Beerdigung dann doch nicht. „Die Beerdigung ist ein wichtiger Punkt in der Trauerarbeit für viele“, weiß Glas. Das fehle jetzt, wenn die Urnenbeisetzung bis auf Weiteres verschoben werden müsse. Gleichzeitig fehle dieser Punkt bei einer Beerdigung mit nur 15 Gästen all den Freunden und Familienmitgliedern, die nicht kommen dürfen.

Die Kirchen haben zugesagt, Requien für Verstorbene nach der Coronakrise nachzuholen. Auch das Bestattungsinstitut Glas bietet an, jetzt zu beerdigen und die Trauerfeier nachzuholen. „Man muss jetzt viel mit den Angehörigen reden“, sagt Glas. Das Institut versucht, Bestattungen in der aktuellen Situation so gut wie möglich umzusetzen. Blumen können noch bestellt werden, statt Orgeln oder Musikern wird Musik über Lautsprecher abgespielt. „Es ist natürlich auch für uns schwierig, weil wir lieber anders arbeiten.“

Wegen Corona gibt es gemeinsame Gebete nur am Grab

Pfarrer Winfried Stahl von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Aichach-Altomünster betreut ebenfalls Angehörige, die ihre Liebsten verloren haben. „Das ist derzeit ein Trauern unter erschwerten Bedingungen“, sagt Stahl. „Die Liturgie bei der Bestattung will ja den Leuten helfen, sie trösten.“ Derzeit fänden aber gemeinsame Gebete nur am Grab statt, nicht in der Kirche. Anders sei es im Moment nicht zu machen. „Häufig sind Beerdigungsgäste in der Risikogruppe“, sagt Stahl. Daher gebe es im Augenblick keine besten Lösungen, sondern nur zweit- und drittbeste Lösungen.

Nicht nur für Beerdigungen und Trauerfeiern gibt es neue Regelungen. Auch die Arbeit mit den Verstorbenen verändert sich. Bestatter sollen beim Versorgen der Toten Schutzausrüstung tragen. Allerdings haben sie Probleme, Masken zu bekommen. „Im Moment haben wir noch Restbestände“, sagt Glas. Wie es weitergehe, wenn sie aufgebraucht sind, müsse man sehen.

Coronakrise: Trauernde haben Verständnis für die Auflagen

Etwas Gutes haben die Anordnungen für Glas allerdings: Die Regelung ist jetzt klar. Zeitweise gab es die Überlegung, Beerdigungen mit mehr Gästen nur mit Genehmigung zu erlauben. „Zumindest gilt mit den Regeln für alle das Gleiche“, sagt Glas. Die Trauernden hätten auch bisher trotz der schwierigen Situation großes Verständnis.

Urnenbeisetzungen sollen derzeit laut Regelungen verschoben werden, ein Zwang für den Aufschub wie in Augsburg besteht im Landkreis noch nicht. Für den katholischen Aichacher Stadtpfarrer Herbert Gugler ist das der richtige Weg. Sonst laufe es darauf hinaus, dass nach der Coronakrise plötzlich viele Beerdigungen auf einmal kommen. „Wie soll man das denn machen?“, fragt Gugler. „Dann stirbt ja jede persönliche Verbindung ab.“ Mit Vernunft könnten Beerdigungen immer noch umgesetzt werden.

Trauergespräche hält der Pfarrer derzeit nur telefonisch, denn oft sind auch die Angehörigen der Verstorbenen älter und gehören damit zur Risikogruppe. „Für all die Regelungen haben die Menschen bisher aber volles Verständnis und ich denke, das wird auch weiter so sein.“

Einen Kommentar zu dem Thema finden Sie hier: Coronakrise: Trauer ohne gewohnte Rituale

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