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Aichach

12.08.2020

Flotte-Nadel: Ehrenamtliche Masken-Näherinnen aus Aichach hören auf

Etwa 7000 Masken in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Materialien haben die Freiwilligen des Aichacher „Flotte Nadel“ Netzwerks genäht und in den vergangenen fünf Monaten an besonders gefährdete Einrichtungen und Organisationen verteilt.
Bild: Manfred Zeiselmair

Plus Als die Corona-Erkrankungen in Aichach-Friedberg zunehmen, initiiert Petra Gardum-Holz die Aktion „Flotte Nadel“. Sie produziert tausende Masken. Warum jetzt Schluss ist.

Wenn es um soziale Hilfsprojekte geht, ist Petra Gardum-Holz eine Frau der Tat. Schon seit Jahren ist die Mutter vier erwachsener Kinder und zweifache Großmutter aus dem Aichacher Stadtteil Algertshausen als ehrenamtliche Hospizhelferin beim Caritasverband Aichach-Friedberg aktiv. Als im März die Covid-19-Erkrankungen auch hierzulande immer mehr wurden und es an jeglichen Mund-Nasen-Schutzmasken fehlte, stellte sie kurzerhand mit hilfsbereiten Näherinnen ein Flotte-Nadel-Netzwerk zusammen. Im Rückblick erinnert sich die Initiatorin, wie aus der spontanen Idee eine Erfolgsgeschichte wurde. Sie geht nun zu Ende.

Unter den fleißigen Näherinnen war auch die 11jährige Nicole Egger, die ihre Mama bei der Maskenproduktion tatkräftig unterstützte.
Bild: Manfred Zeiselmair

Noch heute ist Petra Gardum-Holz überwältigt von der großen Resonanz: „Innerhalb kürzester Zeit hatten sich mehr als 50 Mitstreiter angeschlossen.“ Darunter seien ganze Familien gewesen, Profi- und Hobby-Näherinnen, aber auch Männer, die beim Nähen, Zuschneiden oder als Ausfahrer halfen. Als „Frauen der ersten Stunde“ nennt Gardum-Holz die Aichacher Sozialarbeiterin und „wichtige Koordinatorin in der Anfangsphase“, Yvonne Laves vom BRK, die Profi-Schneiderin Renate Schuster „mit ihrem großen Fundus und viel Know-how“ und das „Allroundtalent“ Iris Schnödewind. Besonders erwähnt sie auch den 18-jährigen Hannes Warnberger, Sohn einer Näherin aus Eurasburg, der trotz Abiturphase eine aussagekräftige Homepage gebaut habe.

Flotte Nadel produzierte anfangs mit Stoffresten

Gardum-Holz sagt: „Unser Ziel war es, so schnell wie möglich besonders gefährdete Einrichtungen, wie Alten- und Behindertenheime, Sozialstationen, Hospize oder Arztpraxen, mit Stoffmasken zu versorgen.“ Rückblickend vergleicht sie das Flotte-Nadel-Netzwerk mit einem Kleinunternehmen: „Wir haben uns gegenseitig bestärkt und unterstützt.“ Es sei eine regelrechte Dynamik entstanden, die Solidarität stetig gewachsen.

Logistisch und für die rechtliche Absicherung habe man auf den Caritasverband zählen können, dessen Leiter Andreas Reimann sofort jegliche Unterstützung zugesagt hatte. „Anfangs war uns jedes Material recht, denn es musste ja schnell gehen“, erzählt Gardum-Holz. So nutzte man zunächst alle Stoffreste, die aufzutreiben waren, fertigte Nasenbügel aus Blumendraht, Metallhefter oder Pfeifenreiniger und schnitt sogar „Jerseynudeln“ aus T-Shirt-Stoffen als Ersatz für Befestigungsbänder. Weil die einen Masken zum Binden, die anderen welche mit Gummi wollten, wurden verschiedene Modelle produziert.

Masken-Bedarf änderte sich ständig

Die quirlige Netzwerkleiterin erinnert, dass Schwierigste sei für sie gewesen, dass sich der Bedarf ständig verändert habe: Als die Einrichtungen Mitte April fürs Erste versorgt schienen, glaubte man, die Produktion etwas herunterfahren zu können.

„Wir wollten unsere Restbestände an bedürftige Privatpersonen abgeben – und wurden überrollt. In zwei Stunden waren 500 Masken weg“, erzählt Gardum-Holz und ergänzt: „So produzierten wir halt weiter.“ Fortan aber insbesondere mit den zertifizierten, sogenannten „Aiwanger-FFP2-Stoffen“. Diese waren vom Staatsministerium über die Landratsämter verteilt worden und sollen sowohl Träger als auch sein Gegenüber vor einer Tröpfchenübertragung schützen.

Das einlagig verwendbare Vlies habe die Maskenproduktion erheblich erleichtert. Die Initiatorin sagt: „Wir konnten arbeitsteilig auf eine Art Fließbandproduktion umstellen und fertig zugeschnittene Nähpakete an die Näher und Näherinnen verteilen.“ Sobald es im Einzelhandel Masken zu kaufen gab, habe man nur mehr die Einrichtungen bedient, so Gardum-Holz. „Die Nachfrage war weiterhin sehr groß. Sogar aus Augsburg kamen Anfragen“, erinnert sie sich.

Symbolische Übergabe der letzten Masken in Aichach: Zum Projekt-Abschluss bedankt sich die Ideengeberin und Koordinatorin Petra Gardum-Holz bei Caritas-Leiter Andreas Reimann für die besondere Unterstützung während der vergangenen fünf Monate.
Bild: Manfred Zeiselmair

Näherinnen wollen keine Konkurrenz zur Privatwirtschaft sein

In fünf Monaten hat die ehrenamtliche Nähgruppe „Flotte Nadel“ laut Gardum-Holz knapp 7000 Masken gefertigt und kostenlos abgegeben. „Wenn wir alle unsere Masken zusammenhängen würden, wäre die Kette mindestens 1,5 Kilometer lang“, lacht Gardum-Holz. Nun sei es an der Zeit, das Projekt zu beenden. Inzwischen sei das Angebot von Alltags- und medizinischen Masken groß. „Wir wollen nicht in Konkurrenz zur Privatwirtschaft treten“, sagt die Initiatorin.

In einem Abschlussgespräch bei Caritas-Leiter Reimann bringt sie ihren besonderen Dank für die große Unterstützung und „für die vielen Geld-, Stoff- und insbesondere alle Zeitspender“ zum Ausdruck. Zum Abschluss haben die Verantwortlichen ein kleines Dankesfest geplant, „bei dem sich alle Helfer endlich mal kennenlernen können“. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt indes: In Corona-Zeiten wird wohl selbst dieses Kennenlerntreffen nicht ganz ohne Masken ablaufen können.

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