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Aichach

03.01.2021

Geburtshaus in Aichach: Im September sollen erste Babys zur Welt kommen

Seit die Geburtsstation am Aichacher Krankenhaus geschlossen wurde, kamen waschechte Aichacher nur noch bei Hausgeburten zur Welt.
Bild: Fabian Strauch, dpa

Plus Für das neue Angebot für Schwangere in Aichach fehlt noch eine wichtige Genehmigung. Sechs Hebammen sind derzeit mit an Bord. Sie planen eine Spendenaktion.

Eigentlich hätte das geplante Geburtshaus in Aichach bereits Anfang des Jahres 2021 in Betrieb gehen sollen, aber soweit ist es noch nicht. Dennoch wird mit Hochdruck an dem neuen Angebot für schwangere Frauen gearbeitet. Spätestens im Herbst 2021 sollen im Altbau des Aichacher Krankenhauses die ersten Entbindungen in familiärer Atmosphäre ohne ärztliche Begleitung stattfinden. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. Vor allem steht noch eine entscheidende Genehmigung des Landratsamtes aus.

Pia Petrovic aus dem Aichacher Stadtteil Oberbernbach ist eine von sechs Hebammen, die das neue Geburtshaus in Aichach betreiben wollen. Im August gründeten die Hebammen dazu eine sogenannte Partnerschaftsgesellschaft, die beim Handelsregister eingetragen ist. Laut Petrovic sind alle Hebammen freiberuflich und gleichberechtigt, aber es gibt eine organisatorische und eine fachliche Leitung.

Sechs Hebammen für das Aichacher Geburtshaus

Letztere bilden Stefanie Schmidt aus Aichach und Linja Dittmann aus Augsburg. Für die Organisation sind Petrovic und Thea Holstein aus Bobingen (Kreis Augsburg) zuständig. Unterstützt werden sie von Rebecca Kolonko aus Königsbrunn (ebenfalls Kreis Augsburg) und Larissa Wittmann aus Ehekirchen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen). Eine siebte Hebamme könnte bald noch dazustoßen. Weitere Interessenten sind jederzeit willkommen.

Die Geburtshilfestation im neuen Krankenhaus in Aichach ist derzeit verwaist. Die Station musste schließen, noch bevor sie überhaupt öffnete.
Bild: Christoph Lotter (Archivbild)

Derzeit warten die Hebammen noch auf eine Genehmigung des Landratsamts. Im Juli hatten sie eine Nutzungsänderung für die frühere Geburtsstation samt Kreißsaal im zweiten Stock des alten Aichacher Krankenhauses eingereicht, um die Räume in ein familiäres Geburtshaus umbauen zu können. Seitdem warten sie auf das Okay. Dass das seine Zeit dauert, liegt laut Petrovic auch daran, dass ein neues Brandschutzkonzept erstellt werden musste. Wie Dr. Hubert Mayer, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar in Friedberg und Aichach, erläutert, hat auch Corona das Projekt verzögert. Allein die Kommunikation für den Umbau sei deutlich schwieriger geworden, weil es fast keine Treffen mehr vor Ort gebe.

Hebammen sollen moderate Miete zahlen

Sobald die Genehmigung da ist, soll renoviert werden. Im Februar 2020 hatten Landrat Klaus Metzger, Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann und die damaligen Geschäftsführer der Kliniken an der Paar mit den Hebammen eine Absichtserklärung unterschrieben. Darin wurde festgehalten, dass die Kliniken die rund 170 Quadratmeter an die Hebammen vermieten sollen. Laut Landrat Metzger zu einer moderaten Miete. Statt zum Jahresbeginn 2021, folgt die Vermietung jetzt aber erst zur Nutzung der Räume.

Die Beteiligten versicherten damals, dass das Geburtshaus ein Zusatzangebot darstellen und kein Ersatz für die Geburtsstation am neuen Aichacher Krankenhaus sein soll. Diese wurde im Herbst 2018 bei der Eröffnung des neuen Krankenhauses aus Mangel an Hebammen erst gar nicht mit eröffnet. Zahlreiche Proteste und eine Unterschriftenaktion blieben erfolglos. Auch Petrovic, die selbst als Hebamme in der Aichacher Geburtsstation gearbeitet hat, setzte sich für deren Erhalt ein. Sollte diese jemals wieder eröffnet werden, hofft die 29-jährige Oberbernbacherin auf ein Nebeneinander von Klinik und Geburtshaus.

Fokus liegt auf Geburtshilfe in Friedberg

Kliniken-Geschäftsführer Mayer betont, dass es in der Zwischenzeit nicht einfacher geworden ist, medizinisches Personal für Krankenhäuser zu finden, egal ob Hebammen, Ärzte oder andere Fachkräfte. Die Beteiligten im Landkreis hätten zuletzt "alle Not gehabt", die Geburtshilfe zumindest an einem Standort, nämlich in Friedberg, sicherzustellen. Deshalb liege der Fokus momentan auf Friedberg.

Über 7000 Unterschriften für den Erhalt der Aichacher Geburtenstation hatte Bürgermeister Klaus Habermann (rechts) für Gesundheitsministerin Melanie Huml (Mitte) mitgebracht.
Bild: Wolfgang Müller (Archivbild)

Das Geburtshaus in Aichach kann und will keine klinische Geburt ersetzen. Im Geburtshaus finden die Entbindungen mithilfe einer Hebamme, aber ohne ärztlichen Beistand statt. Deshalb richtet sich das Angebot an Schwangere, bei denen alles auf eine risikoarme, natürliche Geburt hindeutet. Bei dieser Art der außerklinischen Geburtshilfe sind laut Petrovic zwar selten Verlegungen nötig, aber falls doch, müssten die Frauen nach Friedberg verlegt werden, weil nur dort Gynäkologen vor Ort seien. In Friedberg waren für 2020 rund 800 Geburten anvisiert, in Aichach waren es vor der Schließung etwa die Hälfte. 2019 haben in Friedberg rund 200 Frauen aus dem nördlichen Teil des Wittelsbacher Lands entbunden.

Interessierte Frauen können sich demnächst anmelden

Frauen, die sich für das neue Angebot interessieren, können sich auf der Internetseite www.geburtshaus-aichach.de anmelden, sobald diese in Kürze freigeschaltet wird. Die Frauen werden bereits vor der Eröffnung des Geburtshauses betreut. Auch über Instagram gibt es Infos zum Geburtshaus. Über das Internet soll es auch eine Crowdfunding-Aktion, das heißt eine Gruppenfinanzierung geben. Dabei sammeln die Hebammen Spenden für die Einrichtung des Geburtshauses.

Das Geld für den Umbau streckt laut Petrovic der Landkreis vor. Die Kosten werden später über die Miete verrechnet. Über die große Unterstützung von Landkreis und Stadt Aichach freuen sich die Hebammen sehr.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Geburtshaus ersetzt Babystation in Aichach nicht

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