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Aichach-Friedberg

06.04.2021

Strenge Auflagen für Erntehelfer sollen Corona-Ausbruch verhindern

Es gibt wieder frischen Spargel aus der Region. Paul Gamperl vom Waglerhof in Ainertshofen (rechts) und sein Mitarbeiter prüfen die Qualität des Spargels.
Foto: Erich Echter

Plus 2020 kämpften Spargelbauern in Aichach-Friedberg nicht nur mit fehlenden Saisonarbeitern - fast 100 Corona-Fälle in einem Betrieb machten den Landkreis zum Corona-Hotspot. Das soll dieses Jahr anders laufen.

Gute Nachrichten für Feinschmecker: Es ist wieder Spargelzeit. Die meisten Betriebe im Wittelsbacher Land haben rund um Ostern damit begonnen, die ersten Stangen zu ernten. Diesmal sind von Beginn an wieder viele ausländische Erntehelfer im Einsatz. Im vergangenen Jahr mussten viele von ihnen wegen der Corona-Pandemie und der verhängten Reisebeschränkungen zu Hause bleiben. Derzeit sind die Grenzen zwar offen, aber es gibt viele Auflagen für die Spargelhöfe und ihre Arbeiter. Im Landkreis wurde eigens die Taskforce Saisonarbeitskräfte ins Leben gerufen.

Nach Angaben des Landratsamts gehören der Taskforce Mitarbeiter des Landratsamts aus unterschiedlichen Bereichen sowie des Gesundheitsamtes und des Bereichs Gesundheits- und Verbraucherschutz an. Diese werden von einigen ehemaligen Polizeibeamten unterstützt. Über die Saison verteilt kommen laut Landratsamt mehr als 1000 Erntehelfer in den Landkreis Aichach-Friedberg.

Erntehelfer müssen in Arbeitsquarantäne

Der Spargelerzeugerverband Südbayern spricht von rund 1500 Saisonarbeitern, die in den 65 Unternehmen des Verbands im gesamten Schrobenhausener Anbaugebiet beschäftigt werden. Das Landratsamt in Aichach hat die Betriebe im Wittelsbacher Land vorab über den aktuellen rechtlichen Stand informiert. Die Taskforce ist nun für die Umsetzung, Einhaltung und Kontrolle der Maßnahmen zuständig. Dazu gehören auch Vororttermine.

Rund um den Waglerhof von Paul Gamperl im Inchenhofener Ortsteil Ainertshofen wurde bereits vor den Osterferien mit der Spargelernte begonnen. 17 Erntehelfer aus Rumänien sind bei den Gamperls derzeit im Einsatz. Für die Einreise nach Deutschland müssen die Saisonarbeiter bereits einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als zwei Tage ist.

Nach den rechtlichen Vorgaben müssen die Helfer nach ihrer Ankunft vor Ort zum PCR-Test, der nach fünf Tagen wiederholt wird. Weitere Sicherheit soll die so genannte Arbeitsquarantäne nach der Einreise bringen. Das heißt, die Arbeiter sollen in möglichst kleine Gruppen eingeteilt werden, die zusammenarbeiten und -wohnen. Darüber hinaus soll es in den ersten zehn Tagen keine weiteren Kontakte geben.

Erntehelfer: Weitere Corona-Tests bei Symptomen

Die meisten Spargelbauern halten die Vorschriften zwar für aufwändig, aber machbar. Paul Gamperl sagt: "Wir wollen ja auch selbst sicher gehen, dass niemand infiziert ist." Während ihres Aufenthalts würden die Arbeiter nur dann noch einmal getestet, wenn Symptome auftreten, so Gamperl. Vom Landratsamt heißt es: Wie oft und wie viel durch die Betriebe getestet wird, obliegt der Verantwortung der Betriebe und deren Hygienekonzepten.

Die Spargelsaison ist eröffnet. Spargelliebhaber können nun bis zum 24. Juni das Edelgemüse in vollen Zügen genießen. Auf dem Feld, im Bild beim Kühbacher Ortsteil Radersdorf, stehen schon Transportwagen- und Kisten für die Ernte bereit. Im Hintergrund ist Paar bei Kühbach zu sehen.
Foto: Katharina Wachinger

Im Vorjahr machte der Landkreis bundesweit Schlagzeilen, weil auf dem Spargelhof Lohner in Inchenhofen 96 von 525 Mitarbeitern positiv auf Corona getestet worden waren. Durch die hohe Zahl an Infizierten wurde der Landkreis damals kurzzeitig zum bundesweit einzigen Corona-Hotspot des Landes. Lohner ist einer der größten Spargelanbauer Deutschlands und beschäftigt jährlich mehrere Hundert Saisonarbeiter. Für Anfragen unserer Redaktion war die Firma nicht zu erreichen.

2020 hatten die Corona-Fälle auf dem Spargelhof keine strengeren Regeln für den Landkreis zur Folge, weil das Geschehen als lokal begrenzt galt. 2021 würde dies nach Angaben des Landratsamtes anders aussehen, da derzeit allein die Sieben-Tage-Inzidenz über Beschränkungen entscheidet. Dabei zählen lokal begrenzte Ausbrüche genauso mit wie im ganzen Landkreis verstreute Infizierte.

Neuer Spargel-Verkaufsstand in Aichach

Auf seiner Homepage hat der Spargelhof Lohner berichtet, dass er am Karsamstag die ersten 18 Verkaufsstände in Südbayern öffnen wolle. Darunter ist auch ein neuer Verkaufsstand bei der alten BayWa am Kreisverkehr Bahnhofstraße/ Donauwörther Straße in Aichach. Der Hofladen in Inchenhofen sei dagegen geschlossen.

Paul Gamperl verkauft seinen Spargel unter anderem auf seinem Hof und in der Aichacher Innenstadt vor der Spitalkirche. Wie viele seiner Kollegen hofft er, dass der Direktverkauf so gut läuft wie im Vorjahr und somit auch der derzeit kleinere Absatzmarkt in der Gastronomie wett gemacht werden kann.

Claudia Westner aus dem Kühbacher Ortsteil Haslangkreit ist Vorsitzende des Spargelerzeugerverbands Südbayern. Dem Verband gehören 65 Spargel-Betriebe an.
Foto: Gerlinde Drexler (Archiv)

Darauf setzt auch Claudia Westner. Die 49-Jährige aus dem Kühbacher Ortsteil Haslangkreit ist Vorsitzende des Spargelerzeugerverbands Südbayern mit Sitz in Schrobenhausen. Außer an den Ständen soll auch auf den Wochenmärkten, in den Hofläden und im Einzelhandel reichlich Schrobenhausener Spargel verkauft werden.

Bei Westner arbeiten 14 Erntehelfer aus Polen mit. Sie will in diesem Jahr nicht weniger Spargel ernten als sonst. 2020 wurde das Edelgemüse laut Verband nicht auf allen Feldern geerntet beziehungsweise manche Flächen wurden früher stillgelegt. Etwa 25 Prozent der circa 600 Hektar großen Anbaufläche der Schrobenhausener Spargelerzeuger seien nicht abgeerntet worden. So gab es weniger Spargel auf dem Markt, und der Preis blieb stabil. Die Preis-Entwicklung für 2021 ist noch offen.

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