Ob die Kuh wirklich so schnell vom Eis, oder hier besser von der Schiene und der Straße, ist, wie es sich der AVV-Aufsichtsratsvorsitzende Martin Sailer vorstellt, bleibt abzuwarten. In gerade mal 16 Monaten soll eine Fusion der beiden Verkehrsverbünde AVV und MVV über die Bühne gehen. Das ist – vorsichtig formuliert – ambitioniert. Und ob dann alles zur großen Zufriedenheit aller Beteiligten geklärt ist, erscheint unwahrscheinlich. Was zählt, sind aber nicht die Probleme auf dem Weg, sondern das Ziel und das würde den Fahrgästen in der Region einen Mehrwert bringen. Die Anstrengungen lohnen sich und es ist auch absolut an der Zeit, dieses Projekt anzugehen.
Die „Partner“ AVV und MVV sind nicht auf Augenhöhe
Wobei Fusion sicher das falsche Wort ist, denn auf Augenhöhe befinden sich die beiden möglichen Partner ganz bestimmt nicht. Weder in der Größe noch in der Qualität noch organisatorisch. Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund hat ganz sicher auch Probleme, aber er profitiert bis heute von den großen Weichenstellungen und Investitionen von Bund und Freistaat für die Olympischen Spiele 1972. Damals wurde Infrastruktur für den Öffentlichen Personennahverkehr in München und Umland geschaffen, die zwar nicht mehr überall auf der Höhe der Zeit ist, aber immer noch weit besser dasteht als in fast allen anderen Regionen in Bayern.
49-Euro-Ticket hat Druck für Pendler herausgenommen
Für München-Pendler, vor allem an der Bahnlinie Augsburg-München, stellte sich die Frage nach einem Beitritt ihrer Kommunen zum MVV seit Jahrzehnten. Das 49-Euro-Ticket hat da den Druck mehr als nur herausgenommen. Jetzt geht es mit diesem Ticket sogar deutlich günstiger. Doch wie lange wird es bei diesem „Schnäppchen-Preis“ bleiben? Für Gelegenheitsfahrer sind die MVV-Tarife in der Regel günstiger und oft auch praxisnäher – siehe Tageskarten für Einzelfahrer oder Gruppen. Bleibt die Frage, wie sich die Ausweitung des MVV in anderen Bereichen auf die Region auswirken würde. Ein Argument dagegen war ja immer, dass die Immobilienpreise und Mieten im Wittelsbacher Land, speziell in Mering und Kissing, noch stärker steigen würden. Doch in den vergangenen Jahren und ab 2025 hat und wird sich der Münchner Verbund schon in alle Richtungen vergrößern und mit dem ganzen AVV geht es nicht mehr um einzelne Kommunen an den Rändern. Das Wittelsbacher Land wäre dann fast schon mittendrin im neuen „Metropol-Verkehrsverbund“ – MVV könnte also bleiben.
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