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Neusäß

06.02.2020

Brutaler Mord in Neusäß: Das Urteil lautet lebenslang

Das Landgericht Augsburg hat am Donnerstag einen 34-jährigen Elektriker schuldig gesprochen. Er hat in Neusäß seinen Arbeitskollegen getötet.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Plus Im Fall des getöteten Bauarbeiters in Neusäß hat das Gericht den Angeklagten des Mordes schuldig gesprochen. Es gebe keine Zweifel an seiner Heimtücke.

Lebenslänglich wegen Mordes – so lautet das Urteil des Augsburger Landgerichts gegen einen 34-jährigen Elektriker, der im Februar 2019 seinen polnischen Arbeitskollegen in einem Wohncontainer in Täfertingen getötet hat. Für das Gericht gebe es keine Zweifel an der heimtückischen Tat des Angeklagten, so Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser.

Weißes Hemd, graues Jackett, schwarze Hose – so lässt sich der Angeklagte in den Gerichtssaal führen und fast hat es den Anschein, er wolle fein ausgehen. Aber dem 34-Jährigen stehen lange Jahre im Gefängnis in Deutschland – und nach seiner zu erwartenden Abschiebung – in Polen bevor. Das Urteil kam für den Angeklagten offensichtlich nicht unerwartet, er zeigte anfangs kaum eine Regung. Erst als die Richterin den Tathergang beschrieb, wie ihn die Kammer als erwiesen ansah, schüttelte der Mann immer wieder seinen Kopf.

Nach einem langen gemeinsamen Feierabend sollen sich der Täter und sein Opfer – beide mit über zwei Promille erheblich alkoholisiert – im Wohncontainer des Getöteten im Gewerbegebiet in Täfertingen getroffen haben. Um eine Pizza zu zerschneiden, habe der Angeklagte ein 37 Zentimeter langes Küchenmesser aus seinem Container mitgebracht. Offensichtlich nach Schmähungen seitens des Opfers gegenüber der Familie des Angeklagten sei es zu der schrecklichen Tat gekommen.

Bluttat in Neusäß: Täter schlägt Opfer den Schädel ein

Zunächst habe der Angeklagte den 24-jährigen Arbeitskollegen niedergeschlagen und den wohl bereits Bewusstlosen mit einer ebenfalls eigens herbeigeschafften Hantelscheibe gegen den Kopf geschlagen. Als der Kollege am Boden lag, habe er mit dem Messer mehrfach gegen Kopf, Brust und Bauch des Opfers gestochen. Dabei sei der Kopf des Mannes nahezu abgetrennt worden.

Hätte der Angeklagte tatsächlich „nur“ das Opfer niedergeschlagen und dadurch getötet, wäre er wegen Totschlags zu verurteilen gewesen – wie es die Verteidigung gefordert hatte. Das Gericht erkannte beim Vorgehen aber zudem Heimtücke dergestalt, dass der Angeklagte das Vertrauen des Opfers in ihn ausgenutzt habe. Der 24-Jährige sei völlig ahnungslos überfallen worden, seine Leiche habe keinerlei Anzeichen für eine Abwehrreaktion gezeigt. Weil das Opfer möglicherweise bereits nach dem ersten Schlag bewusstlos war und von den weiteren Schlägen und Stichen nichts gespürt habe, sei das Mordmerkmal der Grausamkeit nicht erfüllt, auch wenn die Tat an sich mehr als grausam gewesen sei.

Mord-Prozess: Angeklagter äußert sich nicht zur Tat

Die Richterin kritisierte das Verhalten des Angeklagten und warf ihm „Feigheit“ vor. Deswegen, weil er bis zuletzt kein Wort zu der Tat geäußert und somit den Eltern des von ihm Getöteten keinerlei Hinweise auf mögliche Hintergründe der Tat gegeben habe. Die Eltern des Opfers seien zu jedem Prozesstag erschienen, hätten sich all die schrecklichen Umstände angehört, stets in der Hoffnung, einen Grund für den Tod ihres Kindes zu erfahren. In seinem letzten Wort hätte der Angeklagte die Gelegenheit einer Erklärung an die Eltern des Opfers gehabt - es gab sie nicht. Somit verbleibe seine Entschuldigung eine „leere Floskel.“ Der Angeklagte hatte sich zum Tathergang an allen Verhandlungstagen nicht geäußert, sondern eingangs über seine Verteidiger eine Erklärung abgegeben. Laut dieser könne er sich nicht mehr an die Vorkommnisse in jener Nacht erinnern. Er könne aber auch nicht ausschließen, der Täter gewesen zu sein.

Eine Unterbringung in eine Entziehungsanstalt hatte das Gericht geprüft, wegen einer „negativen Legalprognose“ aber nicht in Betracht gezogen. Allen Zeugenaussagen zur Folge sei der Angeklagte in der Regel nicht aggressiv.

Die Verteidiger Bernd Scharinger und Peter Aigner waren von dem Urteil nach eigenen Worten nicht überrascht, aber auch nicht zufrieden. Sie sahen durchaus Ansatzpunkte für einen Widerspruch gegen die Entscheidung der Strafkammer.

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