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Corona-Pandemie

15.05.2020

Hygiene-Experte aus Dinkelscherben baut eine Corona-Hilfsstation

Zusammen mit Ärzten und anderen Experten baute Wolfgang Pentz eine Lagerhalle Nahe der französischen Grenze in ein Behelfs-Krankenhaus mit 52 Beatmungsplätzen um.
Bild: Wolfgang Pentz

Plus Wolfgang Pentz baut eine Lagerhalle zu einem Behelfskrankenhaus um. Er erzählt, dass es nicht so einfach war, deutsche Standards auf ein Feld-Hospital zu übertragen.

Mit infektiösen Krankheiten hat Wolfgang Pentz aus Dinkelscherben viel Erfahrung. 2014 war der Hygieneexperte des Roten Kreuzes auf Anweisung des deutschen Verteidigungsministeriums in Liberia, um am Bau eines Krankenhauses inmitten der Ebola-Epidemie mitzuwirken. 2019 forderte ihn das kanadische Rote Kreuz für einen Einsatz in Mosambik an. In einem Teil des Landes war die Cholera ausgebrochen und zusammen mit Helfern aus der ganzen Welt brachte Pentz ein Krankenhaus in einer besonders betroffenen Region zum Laufen. Auch dieses Jahr war Pentz wieder unterwegs - diesmal aber nicht im Ausland.

Nicht nur auf dem Gelände der Klinik war Wolfgang Pentz aktiv. Hier entnimmt er gerade Wasserproben an einer Schule. Erstes frisches Wasser für werdende Mütter im Landkrankenhaus in Nhamatanda, Mosambik.
Bild: Wolfgang Pentz

Erst kürzlich ist Pentz von einem Einsatz zurückgekommen. Allerdings ging es diesmal nicht nach Afrika und er verreiste auch nicht auf Geheiß des Verteidigungsministeriums, sondern auf Anforderung des Landratsamts Germersheim. Zusammen mit Ärzten und anderen Experten baute Pentz eine Lagerhalle in ein Behelfs-Krankenhaus mit 52 Beatmungsplätzen um.

Corona-Hilfs-Station in Dinkelscherben soll eine Art „Überlauf-Becken“ werden

Die Region in der Nähe der französischen Grenze will sich auf eine mögliche zweite Welle des Covid-19-Virus vorbereiten. Durch die Betreuung der über 126 Wuhan-Rückkehrer im Februar sei man sensibilisiert, so eine Information des Landratsamts. Hinzu kämen die Nähe zu Frankreich und die mögliche Überlastung der Krankenhäuser in Straßburg und Colmar. Die Corona-Hilfs-Station soll eine Art „Überlauf-Becken“ werden. Aber von vorne: Aus Wolfgang Pentz Einsätzen auf der ganzen Welt sind Freundschaften entstanden, die er noch immer pflegt. Ein bis zwei Mal im Jahr trifft er sich mit ehemaligen Kollegen, unter anderem auch mit Dr. Johannes Schad, dem Arzt, der die Verantwortung für das Behelfskrankenhaus in Germersheim trägt.

Mit infektiösen Krankheiten hat Wolfgang Pentz aus Dinkelscherben viel Erfahrung.
Bild: Wolfgang Pentz

Auf der Suche nach einem Experten für Hygiene kam er schnell auf Pentz und schon beim Briefing im Landratsamt Germersheim am 1. April war der Dinkelscherber fest als Verantwortlicher für die Hygiene eingeplant. „Da war ich erst mal überrascht“ , sagt er. Es sei gar nicht so einfach gewesen, deutsche Standards in einem solchen „Field-Hostpital“ einzurichten, erklärt er.

Alles musste genau dokumentiert werden

Pentz verlegte Wasser- und Sauerstoffleitungen, organisierte die Abfallentsorgung, die Desinfektion der Einrichtung und übernahm viele andere Aufgaben. Zu den wichtigsten gehörte allerdings das Schreiben. Alles musste genau dokumentiert und geplant werden. Sogenannte „SOPs“, die Abkürzung steht für „Standard-Operation-Procedures“, regeln alle Abläufe in der Hilfs-Station.

Diese „SOPs“ wurden dann in Betriebshandbücher und schließlich in klare Arbeitsanweisungen zusammengefasst, anhand derer der Putzdienst zum Beispiel weiß, welcher Bereich wie zu reinigen ist, wie die Sicherheitsschleusen funktionieren oder wie häufig die Wasserleitungen gespült werden müssen.

Ein funktionierendes Krankenhaus in Papierform in der Schublade

„Es braucht klare Anweisungen, damit Hygiene und Sicherheit gewährleistet sind“, erklärt Pentz, der nicht nur für die Planungen, sondern auch für die Schulung der Mitarbeiter zuständig war. Das erarbeitete Konzept könnte jetzt nicht nur in Germersheim zum Einsatz kommen: „Wir haben sozusagen ein funktionierendes Krankenhaus in Papierform in der Schublade, das ist für Deutschland maßgeblich.“

Zusammen mit Ärzten und anderen Experten baute Wolfgang Pentz eine Lagerhalle in ein Behelfs-Krankenhaus mit 52 Beatmungsplätzen um.
Bild: Wolfgang Pentz

Das Krankenhaus ist seit ein paar Tagen einsatzbereit. Alle nötigen Materialien sind eingekauft und werden aus Angst vor Diebstählen dezentral gelagert - auch Leichensäcke und Kühlcontainer stehen für den Fall der Fälle bereit. Das Personal inklusive Wolfgang Pentz ist auf „Standby“.

Abschied nehmen hinter einer Plexiglasscheibe

Seinem Arbeitgeber, der MAN, ist der Dinkelscherber dankbar, dass sie auch diesen Einsatz wieder ermöglicht. Allerdings hoffen alle Beteiligten, dass sie sich erst zur Abschlussfeier des Projekts wiedersehen. Sollte das Krankenhaus tatsächlich in Betrieb gehen, sei die Situation ernst, betont Pentz. Zur Veranschaulichung: In der Einrichtung ist ein extra Raum eingeplant, in dem Angehörige von Sterbenden Abschied nehmen können - aufgrund der Infektionsgefahr allerdings getrennt durch eine Plexiglasscheibe.

Als Experte für Infektionsschutz beobachtet Pentz die Corona-Krise mit einem geschulten Blick. Er ist froh über das Handeln der Politik, auch wenn einige Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einschränkung der Anzahl von Kunden in einem Laden, in seinen Augen zu spät kamen. Trotzdem lobt er das Handeln der Verantwortlichen. Die aggressive Stimmung gegen die Vorgaben der Regierung kann er nicht nachvollziehen: „Manchmal braucht es zeitlich beschränkte Maßnahmen zum Schutz der gesamten Bevölkerung“, erklärt er.

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