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Landkreis Augsburg
18.01.2021

Nach falschem Inzidenzwert: Was hat der Landrat falsch gemacht?

Maskenpflicht ja, Ausflugsverbot nein: So ist jetzt die Lage im Landkreis Augsburg.
Foto: Nicolas Armer, dpa (Symbolfoto)

Nachdem im Kreis vorübergehend ein Ausflugsverbot verhängt worden war, sind Bürger sauer. Die Freien Wähler attackieren Landrat Martin Sailer. Der zeigt eine Reaktion.

In der Landkreispolitik ist der junge Neusässer Stadtrat Stefan Sommer bislang nicht groß in Erscheinung getreten. Doch nun haut der Nachwuchspolitiker auf die Pauke. "Erkennbar überfordert" wirke Landrat Martin Sailer mit dem Corona-Krisenmanagement im Augsburger Land, wird Sommer in einer Pressemitteilung der Freien Wähler zitiert. In dieser attackieren die FW den Landkreischef massiv, stellen die Frage, ob dessen Doppelfunktion als Bezirkstagspräsident und Landrat in der jetzigen Lage nicht zu viel ist. Auslöser ist die Datenpanne vom vergangenen Donnerstag.

Wegen eines Inzidenzwertes von mehr als 200 waren alle Landkreisbürger ab dem 14. Januar mit einem Ausflugsverbot belegt worden. Doch schon am Freitag stellte sich heraus, dass der Wert des Robert-Koch-Instituts falsch war, weil er auf veralteten Daten beruhte. In Wahrheit war die Zahl der Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche längst nicht so hoch.

Erst am Sonntag fiel das Ausflugsverbot im Landkreis Augsburg

Doch das Ausflugsverbot blieb zunächst. Erst am Sonntag wurde es von der Regierung von Schwaben aufgehoben, vorausgegangen waren Gespräche zwischen Landrat Sailer und Regierungspräsident Erwin Lohner. Interessant ist dabei die Begründung, welche die Regierung am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion lieferte.

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Eine Überschreitung des Wertes von 200 habe tatsächlich nicht vorgelegen. Der Ausreißer sei nur damit zu begründen, dass die Zahlen vom 6. Januar erst am 7. Januar vom Landratsamt weitergeleitet worden seien. Oder anders ausgedrückt: Damit wurden die Daten vom 6. Januar „unkorrekterweise dem Sieben-Tages-Zeitabschnitt vom 7. bis 13. Januar zugerechnet und haben deswegen am 14. Januar zu einem rechnerischen Ergebnis von 200 geführt.“

Falsche Inzidenz: Darum fiel die 15-Kilometer-Regel

Eine Ausnahme von der 15-Kilometer-Regelung sei für das Augsburger Land also nicht gemacht worden, teilt die Regierung von Schwaben mit. In der „Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“ heißt es: "Für Personen, die in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mit einer 7-Tages-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner leben, sind touristische Tagesausflüge über einen Umkreis von 15 km hinaus untersagt.“ Diese Regelung gelte automatisch.

Nach Angaben aus dem Landratsamt waren verspätete Meldungen aus Laboren sowie aus dem eigenen Gesundheitsamt Ursache für die Datenpanne. Zumindest der letztere Punkt soll nun abgestellt werden. Ab dem kommenden Wochenende soll das Gesundheitsamt auch das Wochenende über wieder Daten liefern, zudem veröffentlicht die Behörde seit Montag wieder eigene Inzidenzwerte.

Steht wegen der Datenpanne in der Kritik: Martin Sailer.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Gegenüber unserer Redaktion ließ Sailer durchblicken, dass er und sein Haus am Wochenende wegen der Datenpanne von Bürgern einiges zu hören bekamen. Sailer: "Das kann ich auch nachvollziehen. Nun müssen wir mit dieser Kritik auch sorgsam umgehen." Erste Reaktion von Seiten des Landrates: Neben den Umstellungen im Gesundheitsamt versprach er am Sonntag ausführlichere Informationen zur Corona-Lage im Landkreis. Dazu zählen auch Videos auf ausgewählte Bürgerfragen. Diese werden unter corona@LRA-a.bayern.de gesammelt.

Gesundheitsamt: Doppelt so viel Personal, aber weniger Leistung?

Weniger aufgeschlossen zeigte sich der CSU-Politiker den Forderungen der Freien Wähler gegenüber. Diese nehme er zur Kenntnis, so Sailer. Die FW hatten am Sonntag nicht nur die inzwischen erfolgte Rücknahme der 15-Kilometer-Regel gefordert. Sie forderten auch Aufklärung darüber, wie es zu der Panne haben kommen können. Während der Kreis im Frühjahr vorbildlich agiert habe, häuften sich trotz einer Verdoppelung des Personals im Gesundheitsamt die Pannen, so FW-Fraktionschefin Melanie Schappin. Der FW-Landttagsabgeordnete Fabian Mehring - mit Sailer schon mehrfach im Clinch - konstatierte, dass das Krisenmanagement in anderen Landkreisen "erkennbar besser" klappe.

Nach Ansicht der Kreistagsfraktion sei es unbefriedigend, dass das Augsburger Gesundheitsamt in Zeiten der Pandemie und nach Ausrufung des Katastrophenfalls am Wochenende noch immer nur eingeschränkt besetzt sei. In den meisten anderen Landkreisen, wie auch in der ersten Welle im Landkreis Augsburg, habe das Gesundheitsamt an sieben Tagen die Woche gearbeitet. In diesem Punkt sehe die FW-Kreistagsfraktion durchaus Spielraum für den Landrat, der vor der Kommunalwahl mehr Engagement gezeigt habe.

Augsburgs Landrat fordert Nachbesserungen bei Verordnung

Am Montagnachmittag legte Sailer nach: Er fordert vom neuen bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) eine "unverzügliche Änderung" der entsprechenden Verordnung zum Infektionsschutz, damit sich das Beispiel aus dem Landkreis Augsburg nicht wiederholt und ein Rechen-oder Übertragungsfehler derart schwerwiegende Folgen hat. Sailer: "Es darf nicht sein, dass aus Gründen, die sich nicht auf das tatsächliche Infektionsgeschehen beziehen, derart massiv in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger eingegriffen wird.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

20.01.2021

Ich empfinde die Corona-Politik bzw. die in diesem Zusammenhand stehende Informationsweitergabe an die Bürger durch das LRA Augsburg sowie durch Landrat Sailer mehr als ungenügend. Auch der Aufbau der Homepage und die dort gestaltete Seite bzgl. Corona ist doch sehr unübersichtlich.
In beiden Fällen (Informationsweitergabe und Homepage) würde sich ein Blick auf die Stadt Augsburg lohnen.
Jetzt dann der Staatsregierung, dem Gesundheitsministerium und dem kürzlich neu installierten Minister den "schwarzen Peter" zuzuschieben ist dann auch nicht die Lösung, um vom eigenen Missmanagement abzulenken.
Sich dann auch noch gerechtfertigter Kritik zu verschließen zeugt nicht gerade davon, dass man sich auch mal selbst und sein eigenes Handeln kritisch hinterfragt.

18.01.2021

Jeder Landrat muss sich dieser berechtigten Kritik stellen. Selbst das RKI gibt auf seiner Webseite an, dass Daten nur "Arbeitstäglich" aktualisiert werden. Wenn bei dem Begriff "Arbeitstäglich" von Montag bis Freitag ausgegangen wird, ist es auch kein Wunder wenn Inzidenz-Zahlen Rauf- und Runter springen. Landräte müssen endlich begreifen dass Mitarbeiter, wenn diese am Wochenende eingesetzt werden müssen, auch entsprechende Entlohnung erwarten. So wie auch die über beide Ohren eingesetzten und am Limit arbeitenden Mitarbeiter in Krankenhäuser! Es kann nicht angehen dass man gerade diese Menschen mit "Gemeinsam-Klatschen-Wir-für-euch" abkanzelt, viel verspricht (1500 Euro) und danach sagt; Sorry aber ...