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17.01.2019

Leiden die Handwerker unter ihren Kunden?

Sind speziell Akademiker so unangenehme Kunden für Handwerker?
Bild: Racle, stock.adobe.com (Symbolfoto)

Ein Fliesenleger aus Riedenburg will nicht mehr für arrogante Ingenieure von Audi arbeiten. Und was halten die Betriebe im Augsburger Land davon? 

Sie sind arrogant, beschweren sich ständig und drücken beim Preis: Für Ingenieure will der Handwerker Michael Schmiedler aus Riedenburg (Landkreis Kelheim) keine Fliesen mehr verlegen. Das schrieb er auf seiner Website. Seit Tagen bekommt er dafür Fanpost und verständnisvolle Zuschriften aus ganz Deutschland. Aber sind speziell Akademiker so unangenehme Kunden? Die Erfahrung von Handwerkern im Augsburger Land zeigt: Nein.

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„Es gibt Kunden, die auf den kleinen Handwerker herabschauen und die Arbeit einfach nicht wertschätzen“, sagt auch Fliesenleger Benjamin Nescholta aus Langweid. Im Gegensatz zu Michael Schmiedler sei es bei ihm aber nicht so gravierend, dass er deshalb für jemanden nicht arbeiten würde. Während seiner Laufbahn habe er nur einen Kunden gehabt, der richtig unangenehm war und jede Kleinigkeit bemängelt hat. Er könne da keine bestimmte Berufsgruppe verurteilen. Die meisten Kunden seien nett.

Manche Menschen suchen gezielt nach Fehlern

Aber ein bisschen kann Nescholta den Fliesenleger aus Riedenburg auch verstehen. Manche Menschen würden gezielt nach Fehlern suchen, um am Ende noch Geld rauszuschlagen. „Man kann als Kunde auch vorher reagieren, wenn einem etwas nicht gefällt und nicht erst, wenn die Rechnung kommt“, meint er. Am liebsten arbeitet der Fliesenleger für Familien. Denn die seien meist bodenständig, hätten eine gute Zahlungsmoral und würden auch mal eine Brotzeit anbieten.

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Tanja Schöggl vom Malerbetrieb Schöggl aus Steppach hält vor allem die Zusammenarbeit mit Architekten und Ingenieuren großer Auftraggeber für schwierig. „Der Preiskampf ist enorm“, sagt sie. Häufig gehe es nicht darum, den qualitativ besten Anstrich zu erzielen, sondern um einen möglichst niedrigen Preis. Zudem müsse man sich rechtlich bestens auskennen, absichern und alles schriftlich festhalten. „Das beschäftigt einen dann oft mehr als die eigentliche Arbeit“, sagt Schöggl. Private Kunden sind ihr deshalb am liebsten. Auch da gäbe es Leute, die sehr penibel sind, aber die meisten seien einfach dankbar, wenn man saubere Arbeit macht. Bestimmte Berufsgruppen pauschal als unliebsame Kunden abzustempeln, hält sie für falsch: „Es kommt auf den einzelnen Menschen an.“ Malermeister Andreas Haußmann aus Gersthofen sieht das genauso. Zwar wünscht er sich, dass die handwerkliche Arbeit wieder mehr wertgeschätzt wird. Aber mit den meisten Kunden würde er sehr gut zusammenarbeiten. Den Preiskampf unter den Handwerkern hält er für problematischer.

Alles eine Frage der Kommunikation

Doch auch für Kunden ist es nicht immer einfach, den passenden Handwerker zu finden. Für Gabriele Gers vom Augsburger Verbraucherservice ist alles eine Frage der Kommunikation: „Die meisten Probleme entstehen, weil sich Kunden und Handwerker nicht genau absprechen.“ In den meisten Fällen funktioniere das sehr gut. Aber es gebe auf beiden Seiten schwarze Schafe. Sie rät Kunden, sich Kostenvoranschläge von verschiedenen Handwerkern geben zu lassen und die eigenen Wünsche genau zu besprechen.

Mit einem Augenzwinkern haben wir die aktuelle Situation betrachtet: Der Kunde ist nicht mehr König

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