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Kühlenthal/Meitingen

04.06.2019

Polizeiauto gerammt: Wilde Verfolgungsjagd durch mehrere Dörfer

Erst nach einer wilden Verfolgungsjagd konnten Gersthofer Polizisten den jungen Mann stoppen 
Bild: Bernd Hohlen

Ein 18-Jähriger verliert bei einer Kontrolle die Nerven und rast davon. Es spielen sich lebensgefährliche Szenen auf der Flucht  ab.

Es klingt wie eine Szene aus einem Action-Film: Ein 18-Jähriger liefert sich eine nächtliche Verfolgungsjagd mit der Polizei, weil er ohne Führerschein am Steuer sitzt und der Kontrolle entkommen will. Eine Viertelstunde rast er durch mehrere Ortschaften, flüchtet über einen Feldweg, rammt das Polizeiauto und kommt erst zum Stehen, als ihm ein Streifenwagen den Weg abschneidet.

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Zweimal Polizeiauto gerammt

Doch was nach Hollywood-Action klingt, hat sich im vergangenen Frühjahr genauso im Augsburger Land abgespielt. In Kühlenthal begann die wilde Fahrt. Gegen zehn Uhr abends wollte die Polizei einen 18-jährigen Autofahrer kontrollieren. Doch dieser reagierte weder auf Blaulicht noch Siren und flüchtete. Mit bis zu 100 Km/h raste der junge Fahrer durch Westendorf, Ostendorf und Nordendorf und hinderte die Polizei mit gewagten Manövern, ihn zu überholen. Zweimal rammte er den Streifenwagen, raste auf einem Gehweg entlang und kam erst in Waltershofen zum Stehen, als ihm ein Polizeiauto den Weg abschnitt.

Das Auto für die Freundin gekauft

Nun musste sich der inzwischen 19-Jährige wegen der gefährlichen Verfolgungsjagd vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Die Vorwürfe wogen schwer: Fahren ohne Führerschein, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Nicht zu vergessen das Fahren mit einem Auto ohne Haftpflichtversicherung. Denn wie der Angeklagte erklärte, hatte er das Auto kurz zuvor seiner Freundin gekauft, aber noch nicht zugelassen. Er selbst saß ohne Führerschein am Steuer. „Ich bin nur gefahren, weil mich ein Freund unter Druck gesetzt hat“, erkärte der junge Mann.

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Auf die Frage von Jugendrichter Günther Baumann, warum er die halsbrecherische Fahrt nicht irgendwann unterbrochen habe, fand der 19-Jährige keine Antwort. Seine Verteidigerin Daniela Rose erklärte, er habe sich zu der Zeit in einer psychischen Ausnahmesituation befunden. Einige Tage zuvor sei ein guter Freund gestorben und der 19-Jährige habe erfahren, dass er Vater wird. Er habe Probleme mit der Wohnung gehabt und sei einen Monat vorher schon einmal ohne Führerschein beim Mofafahren erwischt worden.

Mit Tränen in den Augen auf der Anklagebank

Der 19-Jährige legte seinen Kopf auf die Anklagebank, um seine Tränen zu verbergen. Er zeigte sich einsichtig, was Staatsanwalt Stephen Soßna als positiv bewertete. Allerdings lagen bei dem jungen Mann bereits vier Einträge im Bundeszentralregister vor – unter anderem wegen Diebstahls, übler Nachrede und Fahren ohne Führerschein. Dazu kam nun die Verfolgungsjagd mit der Polizei. „Was sie da gemacht haben, war in hohem Maße eigen- und fremdgefährdend“, mahnte Staatsanwalt Soßna.

Er sprach von einer Reifeverzögerung beim Angeklagten. Da er zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt war, sei Jugendstrafrecht anzuwenden. Allerdings attestierte er dem Angeklagten eine positive Sozialprognose. Mittlerweile lebe er in geordneten Verhältnissen, komme seiner Verantwortung als Vater nach und habe eine unbefristete Anstellung.

Arrest soll Warnschuss sein

Jugendrichter Günther Baumann verurteilte den 19-Jährigen zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung. Außerdem muss der Mann eine Woche im Dauerarrest verbringen. „Als Warnschuss“, wie Baumann betonte. „Sie haben enormes Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist.“ Außerdem erhielt der 19-Jährige eine Führersperre von einem Jahr und sechs Monaten. „Das ist weniger als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Aber sie sollen ja den Führerschein machen, damit so etwas nicht wieder passiert“, erklärte Baumann.

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