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Landkreis Augsburg

16.01.2019

Teures Land: Grundstückspreise steigen weiter

Die Grundstückspreise im Landkreis steigen. Wer wie hier im Baugebiet Langweid Süd ein Haus bauen will, muss mit Quadratmeterpreisen bis zu 320 Euro rechnen.
Bild: Marcus Merk

Plus Straßen, Fabriken, Häuser – der Landkreis Augsburg wächst. Doch Platz wird knapp. Das treibt die Preise in die Höhe. Die Gemeinden kämpfen an vielen Fronten.

Seit zwei Jahren sucht eine Familie aus dem südlichen Landkreis ein neues Zuhause. Die Eltern haben Anzeigen geschaltet, Häuser besichtigt und Immobilienbörsen nach Grundstücken durchforstet. Doch das Ergebnis ist ernüchternd. „Am Ende muss man wohl einfach Glück haben“, sagt die Mutter. Ihren Namen möchte sie nicht öffentlich machen, das erschwere die Suche zusätzlich.

Sie könne ein Buch darüber schreiben, was sie auf der Suche nach einem neuen Zuhause alles erlebt hat. Vom vermüllten Haus über unfreundliche Markler bis zu überteuerten Grundstücksangeboten. „Die Preise sind teilweise nur noch unverschämt“, sagt die Mutter. Es gebe auch eine moralische Grenze.

Wer im Augsburger Land ein Grundstück sucht, steht vor einem Problem: das Angebot ist rar, die Nachfrage groß. Das treibt die Preise in die Höhe. Wie Zahlen des statistischen Landesamtes zeigen, sind die Grundstückspreise 2017 im Landkreis Augsburg gestiegen. Käufer meldeten einen Durchschnittspreis von 167 Euro pro Quadratmeter Bauland an das Finanzamt. 2016 waren es noch 147 Euro. Damit liegt der Landkreis über dem bundesweiten Schnitt von 131 Euro. Für Bauland, das bereits erschlossen ist, lag der Quadratmeterpreis bei 228 Euro. Insgesamt wurden 2017 im Augsburger Land 626 Baugrundstücke verkauft.

Rund um Augsburg sind die Preise deutlich höher

Doch nicht überall sind die Grundstücke gleich teuer. Während sich auf dem Land die Preissteigerung noch in Grenzen hält oder auf einem niederen Preisniveau stagniert, seien die Preise in städtischen Gegenden deutlich höher, heißt es von Seiten des Landratsamtes. Das erhebt alle zwei Jahre neue Bodenrichtwerte. Stadtbergen ist das teuerste Pflaster. Hier schwankt der Quadratmeterpreis zwischen 330 und 600 Euro. Zum Vergleich: In den Staudengemeinden liegt der Richtwert unter 70 Euro. Die Bodenrichtwerte für 2017 und 2018 liegen noch nicht vor, aber es werde mit einer Steigerung um bis zu 10 Prozent gerechnet, teilt das Landratsamt mit.

Das trifft nicht nur Menschen, die ein Haus bauen wollen. Auch für Martin Mayr vom Bauernverband sind solche Entwicklungen nicht mehr tragbar: „Die Grundstückspreise, die im Landkreis bezahlt werden, sind jenseits jeder Wirtschaftlichkeit.“

In den vergangenen knapp 40 Jahren sind nach Berechnungen des Landwirtschaftsamtes in der Region Augsburg rund 15.000 Hektar Ackerland verschwunden. Das entspricht in etwa der Größe der Stadt Augsburg. Mayr fordert ein generelles Umdenken beim Thema Bebauung. Gerade bei der Vergabe von Gewerbeflächen müsse gespart werden. Außerdem kritisiert er die vielen Ausgleichsflächen, die im Zuge einer Bebauung geschaffen werden. Denn auch die würden den Landwirten Flächen entziehen.

Der Flächenverbrauch in Bayern soll auf fünf Hektar begrenzt werden

Die Staatsregierung will den Flächenverbrauch in Bayern auf fünf Hektar pro Tag begrenzen. Momentan sind es rund 13 Hektar. Aber wie soll das gehen, wenn die Flächen knapp sind und Grundstückspreise in die Höhe schießen?

„Die Denkweise, Wachstum bedeute Neubau auf grünen Wiesen, muss revidiert werden“, sagt Stadt- und Kreisrat Markus Brem (Freie Wähler). Mit Blick auf Gewerbeflächen sieht er die Gemeinden und Landwirte in der Pflicht. „Es müssen deutlich höhere Preise verlangt werden“, betont Brem. Es könne nicht sein, dass eine Familie, die hier bauen will, dreimal so viel bezahlt wie ein Großunternehmen.

Auch Landrat Martin Sailer plädiert für eine effizientere Flächennutzung. Mit Hilfe von Förderprogrammen könnten innerörtliche Baulücken geschlossen werden. „Logistikunternehmen sollten außerdem mehrstöckig bauen, statt nur in die Breite“, betont Sailer.

Dabei geht die meiste Fläche im Landkreis nicht für Industrie und Gewerbe drauf. Straßen und Wohnen kosten deutlich mehr Platz, nämlich 7554 Hektar. Gewerbeflächen verbrauchen 2035 Hektar. Auch beim Wohnraum ließe sich Platz sparen, findet Stadt- und Kreisrat Markus Brem. „Wir sind eine Wachstumsregion mit halb leer stehenden Dörfern.“ Es müssten Anreize geschaffen werde, damit Baulücken und große Grundstücke in den Dörfern genutzt werden.

Bauplätze werden verlost, Firmen abgewiesen

All den Anforderungen gerecht zu werden, ist für die Gemeinden nicht einfach. „Ich stehe in einem permanenten Spannungsfeld“, sagt Meitingens Bürgermeister Michael Higl. Es gehe um die Frage: wie viel Verdichtung ist möglich, aber noch verträglich. In den vergangenen fünf Jahre ist Meitingen um etwa 1000 Bewohner gewachsen. „Wir haben viele Baulücken geschlossen, aber irgendwann ist eine Grenze erreicht.“ Die 45 neuen Bauplätze musste die Gemeinde verlosen, weil die Anfragen fünfmal so hoch war. Auch große Investoren hätten Interesse an Gewerbeflächen. „Da sind wir völlig ausverkauft“, sagt Higl.

In der Gemeinde Heretsried bemüht sich Bürgermeister Heinrich Jäckle, sparsam mit Flächen umzugehen. Doch auch hier wird’s langsam eng. Ein Baugebiet mit 12 Plätzen ist geplant. Obwohl noch kein Baurecht besteht, liegen bereits 40 Anfragen bei Jäckle auf dem Tisch. Einige Kleinunternehmer seien an Gewerbeflächen interessiert, aber auch da gebe es nur Vorüberlegungen.

Und die Familie aus dem südlichen Landkreis? Im Gegensatz zu anderen seien sie zum Glück nicht darauf angewiesen, schnell etwas zu finden, sagt die Mutter. „Trotzdem muss man sich selbst immer wieder die Frage stellen, ob es einem das alles wert ist.“

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Wohnen muss bezahlbar bleiben

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