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Neusäß

30.01.2019

Was bringt die Uniklinik für Neusäß?

Wo ist noch Platz in Neusäß? Das ist einer der großen Fragen in der Stadt. Unser Bild zeigt den Blick vom Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach der Uniklinik aus.
Bild: Marcus Merk

Plus Die Stadt will von dem Milliarden-Vorhaben in der Nachbarschaft profitieren. Doch örtliche Unternehmer sehen auch Schattenseiten. Denn Wohnungen und Gewerbeflächen sind jetzt schon knapp.

Forschungslabore, medizinische Hightech-Firmen, dazwischen Wohnungen, Büros und Restaurants – so stellt sich Bürgermeister Richard Greiner die Zukunft von Neusäß vor. Seine Stadt soll von der Nachbarschaft zur Augsburger Uniklinik
profitieren. Greiner spricht vom „Einstieg in eine moderne Gewerbeentwicklung“. Skeptiker dagegen befürchten, die Uniklinik wird für Neusäß ein zu großer Brocken.

Das Interesse war riesig: 140 Firmenchefs kamen am Montagabend zum Unternehmerabend in die Stadthalle. Im Mittelpunkt stand die Frage, in wie weit Neusäß neuer Gesundheitsstandort werden kann und welche Herausforderungen mit dem Bau der Uniklinik auf die Stadt und die ansässigen Betriebe zukommen.

Betriebe wollen sich erweitern, aber es fehlt an Platz

Im Auftrag der Stadt hat das Beratungsunternehmen Cima ein Gewerbeflächenkonzept erstellt. Die Untersuchungen zeigen: Es wird eng. 250 Betriebe wurden zu ihrer Unternehmenssituation befragt. Wie Cima-Geschäftsführer Christian Hörmann mitteilte, haben sich 55 von ihnen an der Umfrage beteiligt. Demnach wollen sich 25 Prozent der Betriebe in den kommenden fünf Jahren erweitern. Dafür wäre eine Fläche von 7.150 Quadratmetern nötig. Darüber hinaus habe sich in Gesprächen mit den Unternehmen ein deutlich höherer Flächenbedarf von 20.000 Quadratmetern ergeben, erklärte Hörmann.

Fliesenleger Jörg Scherer kennt das Problem. Er würde seinen Betrieb im Gewerbegebiet Mitte gerne erweitern. „Aber es ist fast unmöglich, an ein Grundstück zu kommen“, sagt er. In Neusäß gebe es eine Vielfalt an Standorten mit verschiedenen Gewerbearten, erklärte Hörmann. „Die, die da sind, möchten wir auch halten“, betonte er. Aber um Flächen zu sparen, müsse man auch in die Höhe denken. „Natürlich kann man nicht Handwerker in einem Gebäude stapeln“, sagte er. Aber Büros und Wohnungen ließen sich gut kombinieren. Es hänge immer von den Bedürfnissen der einzelnen Unternehmen ab.

Unternehmer befürchten, dass der Verkehr aus allen Nähten platzt

Doch es scheint nicht nur am Platz zu fehlen. Laut Untersuchung sehen viele beim Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und bei der Parkplatzsituation Nachholbedarf. Was passiert, wenn der Uni-Klinik-betrieb, der erst in den Anfängen steckt, einmal richtig läuft? „Das wird eine Katastrophe, der Verkehr bricht jetzt schon zusammen“, sagte Bernhard Hecker. Der Zahnarzt betreibt eine Praxis in Steppach. Er sei direkt von der Parkplatzmisere betroffen. Die Uniklinik sei eine wunderbare Sache, aber die Details seien nicht durchdacht worden. Die Auswirkungen auf den Verkehr und den Wohnungsmarkt hält er für eine „Bedrohung“.

Neusäß will vom Bau der Uniklinik profitieren. Doch nicht alle sehen dem Projekt positiv entgegen.
Bild: Marcus Merk

Bürgermeister Greiner betonte: „Das Thema Verkehr müssen wir interkommunal angehen.“ Man wirke auf den Freistaat als Träger des Klinikums ein, die Zahl der geplanten Parkplätze zu erhöhen. Zudem werde die Ertüchtigung der Bahnlinie zwischen Augsburg und Ulm vorangetrieben.

Können ansässige Unternehmen vom Bau der Uniklinik profitieren?

Auch die Frage, in wie fern Handwerker aus der Region vom Uniklinikum profitieren, stand im Raum. „Wir wollen die Wertschöpfung möglichst in der Region halten“, sagte Andreas Thiel von der Regio Wirtschaft GmbH. Aber es gebe keine konkrete Lösung dafür. Man wolle sich demnächst mit der Handwerkskammer zusammensetzten. Bauunternehmer Alfred Kugelmann aus Neusäß sah es pragmatisch. Mit Bayern als Träger der Uniklinik werde es eine europaweite Ausschreibung geben. „Da wird für mich nichts dabei sein“, sagt er. Trotzdem blickt er dem Bau des Klinikums positiv entgegen. Denn damit steige auch der Bedarf an neuen Wohnungen. Davon könnten die ortsansässigen Betriebe eher profitieren als vom Klinikbau.

Doch gerade dem Thema Wohnen blicken viele mit Sorge entgegen. Können sich die Neusässer eine Wohnung leisten, wenn sich immer mehr Leute mit hohen Gehältern hier ansiedeln, gab eine Unternehmerin zu bedenken. „Wohnen ist das Megathema unserer Zeit“, sagte Bürgermeister Greiner. Man arbeite an einer Nachverdichtung. Zudem sei es wichtig, geförderten Wohnbau voranzutreiben. Auf dem Sailer-Areal habe man 280 Wohnungen geschaffen. 40 davon seien gefördert.

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