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Landkreis Augsburg

10.01.2021

Wie es Familien im Lockdown geht - und wo es Hilfe gibt

In Deutschland gab es 2019 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Im Landkreis Augsburg gibt es bei Problemen zahlreiche Angebote zur Hilfe.
Bild: Bernd Wüstneck/dpa (Symbol)

Alles ist plötzlich anders. Das ist ein zentrales Gefühl, auch in Familien, in der Corona-Pandemie. Welche Hilfen es für Familien im Landkreis Augsburg gibt.

Wie leben Familien heute? Wie ging es ihnen während des Corona-Lockdowns? Befinden sie sich in einer Krise? Antworten auf diese und andere Fragen bietet der Familienreport "Familie heute. Daten.Fakten.Trends“, den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vor einigen Tagen vorstellte. Fakt ist: Wenn es mal nicht so gut klappt, dann finden Kinder, Jugendliche und Familien vielseitige Hilfe im Landkreis Augsburg. Darauf weist das Amt für Jugend und Familie im Landratsamt Augsburg hin.

Der Familienreport erscheint bereits zum siebten Mal. Neu im Vergleich zu früheren Ausgaben sind die umfangreichen Vergleiche mit anderen Ländern. Kinder in Deutschland wachsen beispielsweise häufiger bei verheirateten Eltern auf als im europäischen Durchschnitt, 74 Prozent gegenüber 68 Prozent. Bei Hochzeiten liegt Deutschland im europäischen Vergleich über dem EU-Durchschnitt. Dabei sind Deutsche bei der Eheschließung etwas älter als in anderen europäischen Ländern. Die Zahl der Scheidungen nimmt dagegen weiter ab. Hier liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld.

Immer mehr Frauen verdienen auch im Landkreis Augsburg ihr Geld selbst

Familienministerin Franziska Giffey fasst zusammen: "Der Familienreport 2020 zeigt, dass viele Familien in Deutschland die Verantwortung, aber auch die wirtschaftlichen Risiken schon längst auf mehrere Schultern verteilen. Das stärkt die Familien und damit unsere Gesellschaft."

Bei fast zwei Dritteln der Paarfamilien waren im Jahr 2018 beide Eltern erwerbstätig, immer mehr Mütter konnten mit ihrer Erwerbstätigkeit ihre eigene Existenzgrundlage sichern und immer mehr Väter beteiligten sich an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder. Doch im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 war dann für Familien vieles anders. Während ein Teil diese Zeit eher positiv erlebt hat, standen insbesondere Familien mit jüngeren Kindern vor zahlreichen Herausforderungen.

Corona verändert nicht nur den Alltag – Stichwort Maskenpflicht –, sondern auch die finanzielle Situation. Auch das kann Familien belasten.
Bild: Bernd Feil (Symbolbild)

Im Landkreis Augsburg will das Amt für Jugend und Familie zusammen mit seinen Partnern dafür sorgen, dass Familien gut durch den zweiten Lockdown kommen. "Die erneute Schließung von Kindergärten und Schulen, Ausgangssperren, eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten, reduzierte Kontakte – all das wirkt sich natürlich zunehmend belastend auf das Zusammenleben in der Familie aus“, konstatiert Nathalie Weber, Leiterin des Geschäftsbereichs Jugend, Familie und Bildung im Landratsamt Augsburg. Obwohl viele Einrichtungen für Familien im Moment geschlossen sind, existieren weiterhin Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten. So können sich Ratsuchende telefonisch an Beratungsstellen oder an das Amt für Jugend und Familie wenden.

In Zeiten des Lockdowns helfen im Kreis Augsburg auch Videomeetings

„Gemeinsam wird dann entschieden, ob eine Beratung telefonisch erfolgen kann oder ein Termin für ein direktes Gespräch vereinbart wird“, erläutert Hannes Neumeier. Er ist Leiter des Jugendamts und betont, dass Hilfe und Beratung in Zeiten wie diesen wichtiger denn je seien. Mütter und Väter können sich auch an ein Familienbüro oder eine Familienstation in ihrer Nähe wenden und eine Beratung erhalten. Ludwig Elsner, beim Landkreis zuständig für das Thema Familienbildung, ergänzt: „Dort finden auch Vorträge und Elternkurse als Web-Seminare statt und Gruppen können sich bei Videomeetings treffen.“ Einige Anbieter haben auf ihrer Internetseite auch hilfreiche Tipps und Informationen für den Familienalltag in Corona-Zeiten zusammengestellt.

Der Familienreport zeigt: Frauen beschränken sich längst nicht mehr nur auf Hausarbeit. Viele Mütter sind auch berufstätig.
Bild: Ralf Hirschberger/dpa (Symbol)

Gute Ratschläge und schöne Worte helfen dagegen wenig, wenn die Kitas schließen und Oma oder Opa nicht nebenan wohnen, der Urlaub aufgebraucht und Homeoffice nicht möglich ist. Wenn es gar nicht anders geht, können Eltern eine Notbetreuung in Anspruch nehmen. „Besser wäre es aber natürlich, wenn auch die Kinder zu Hause bleiben und ihre Kontakte reduzieren können“, meint Petra Hetzner von der Fachstelle Kindertagesbetreuung. Informationen, welche Unterstützung Eltern hier erhalten können, gibt es immer wieder aktuell auf der Internetseite des Landkreises und des bayerischen Sozialministeriums.

Jugendliche leiden ganz besonders unter den Umständen

Oft vergessen: Auch Jugendliche leiden unter der Pandemie. Wenig beachtet wird dabei, dass es für junge Menschen auch ein Leben neben der Schule gibt. Oder soll man sagen, gab? Kein Vereinssport, keine Partys, keine Treffen mit Freunden – das trifft hart. Für Abhilfe sorgen unter anderem die Jugendzentren im Landkreis.

Jugendliche brauchen ihr eigenes Leben. Doch das ist in Zeiten des Lockdowns schwierig.
Bild: Anna Schmid (Symbol)

"Die Teams in den Einrichtungen sind hoch engagiert und schaffen tolle Angebote“, berichtet Martina Egger von der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis: Juze on the road, Weihnachtsplätzchenbacken online, Livechats oder eine Quiz Night nennt sie als Beispiele. Der Kreisjugendring Augsburg-Land hat eine Winterkampagne für Kinder und Jugendliche angekündigt und wird – wie schon beim Frühjahrslockdown – auch online und via Social Media für junge Menschen präsent und erreichbar sein.

Das Coronavirus stellt die gewohnte Welt zwar auf den Kopf. Aber es gibt auch spannende Entwicklungen. Vieles, was zuvor angeblich unmöglich war, wird jetzt Realität. Arbeiten von zu Hause? Ist plötzlich für viele Arbeitnehmer Alltag. Mehr Geld und Anerkennung für Berufe in der Pflege oder im Einzelhandel? Wird landauf, landab diskutiert. Digitale Formen der Zusammenarbeit? Wurden in vielen Organisationen eingeführt und für gut befunden.

"Warum nicht in diesem neuen ‚Möglich-machen-Modus‘ weiterdenken und gemeinsam überlegen, was Familien jetzt und nach der Krise brauchen für ein gutes Leben“, versucht auch Landrat Martin Sailer diesen schwierigen Zeiten etwas Positives abzugewinnen. Ob er dabei an Konfuzius gedacht hat? Denn der wusste bereits vor etwa 2500 Jahren: „Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“ (AL)

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