Die Bahn-Neubaustrecke an der A8 zwischen Ulm und Augsburg rückt näher. Der Bundestag hat dem Milliardenprojekt grünes Licht gegeben, auch wenn die Finanzierung noch nicht geklärt ist. Der Fernverkehr bekommt damit zwei neue Gleise entlang der Autobahn, auf denen die Züge in maximal 26 Minuten zwischen Ulm und Augsburg verkehren. Doch was bedeutet das für den Nahverkehr im Landkreis Augsburg? Was wird aus dem Bahnhalt in Zusmarshausen? Und wie geht es mit dem Lärmschutz entlang der neuen Strecke weiter?
Für den CSU-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz ist die Entscheidung ein Meilenstein. „Wir schaffen zusätzliche Kapazitäten, beseitigen einen Engpass im Schienennetz, erhöhen die Reisegeschwindigkeit und bringen den Fernverkehr, aber auch den Nahverkehr auf ein ganz anderes Level“, erklärt er. Wenn ICE und andere Fernzüge auf der Neubaustrecke unterwegs sind, werden auf der Bestandsstrecke zwischen Ulm und Augsburg Kapazitäten für den Nahverkehr frei. Das ist nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten der größte Mehrwert für die Region.
So steht es aktuell um die Bahnhöfe Ulm und Augsburg
Mit den wachsenden Kapazitäten können die Bahnhöfe in Ulm und Augsburg kaum mithalten. Der Ausbau der beiden Knotenpunkte gehört jedoch nicht zum Neubauprojekt. Laut Durz werde an Gutachten gearbeitet, um eine Lösung zu finden. „Allen ist klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.“ Er ist stolz, dass die Region gesammelt hinter der Bahn-Neubaustrecke steht. So war es möglich, vom letzten Platz auf der Liste der 22 Bahnprojekte mit vordringlichem Bedarf nach oben zu rücken. In der Folge ist die weitere Finanzierung der Neubaustrecke jetzt Thema der Haushaltsberatungen für 2027. Insgesamt wird das Projekt auf etwa acht Milliarden Euro geschätzt. Steht Geld für die nächsten Schritte bereit, folgt die Ausführungsplanung. Dann geht es um den Lärmschutz. Es gebe gesetzliche Standards, sagt Hansjörg Durz, man wolle aber versuchen, vor Ort die beste Lösung mit der jeweiligen Gemeinde zu finden.
Der Bahnhalt in Zusmarshausen ist weiterhin möglich
In Zusmarshausen werden statt der ursprünglich geplanten sehr hohen Brücke die Gleise jetzt nahe der Firma Chefs Culinar so verlegt, dass dort ein Bahnhalt entstehen kann. Bauen und bezahlen müsste den 59 Millionen Euro teuren Bahnhalt der Freistaat mit der für Regionalverkehr zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG, weil in Zusmarshausen keine Fernzüge halten sollen, sondern Regionalzüge. Bürgermeister Ben Matthes erklärt dazu: „Ein solcher Halt wäre eine große Chance für Pendlerinnen und Pendler, für unsere Betriebe und für alle sieben Ortsteile unserer Marktgemeinde“.
So reagiert Landrat Martin Sailer auf die Entscheidung in Berlin
Landrat Martin Sailer sieht im Bahnhalt Zusmarshausen eine große Chance für die bessere Erreichbarkeit des westlichen Landkreises und für eine noch stärkere Akzeptanz des Gesamtprojekts. Deshalb gelte der möglichen Einbindung des Bahnhalts weiterhin ein besonderes Augenmerk. Die Entscheidung des Bundestags für die weitere Planung der Bahn-Neubaustrecke Ulm–Augsburg sei ein wichtiges und richtiges Signal für die Schieneninfrastruktur in Süddeutschland, erklärt Sailer: „Für den Landkreis Augsburg bedeutet die Entscheidung vor allem Planungssicherheit und die Chance, die Anbindung der Region langfristig zu verbessern. Davon kann der gesamte Wirtschafts- und Lebensraum nur profitieren.“ Der Erfolg des Projekts werde sich in der konkreten Umsetzung entscheiden. „Für uns bleibt Priorität, dass Lärmschutz und Trassenführung so ausgestaltet werden, dass die Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner möglichst gering gehalten werden“. Ebenso wichtig seien leistungsfähige Knotenpunkte in Ulm und Augsburg, damit die zusätzlichen Verkehre im Schienennetz zuverlässig abgewickelt werden können.
Diese Forderungen der Region sind nicht Teil des Projekts
Die Region hatte mit Blick auf die Neubaustrecke ausreichend Kapazitäten an den Bahnhöfen gefordert. Zu den weiteren Forderungen gehörte die Generalsanierung der Bestandsstrecke. Diese soll 2034 im Rahmen der Korridorsanierungen stattfinden, wobei noch unklar ist, wo das Geld dafür herkommt. Eine Verknüpfung der Projekte würde die Neubaustrecke an die unsichere Finanzierung der Bestandsstreckensanierung binden und zeitliche Risiken schaffen, hieß es dazu in der Beschlussvorlage. Weitere Forderungen, wie etwa neue Bahnhalte an der Bestandsstrecke oder eine engere Taktung des Regionalverkehrs, seien Sache des Freistaats mit der BEG.
Die Bürgerinitiative Bischt kritisiert die Entscheidung des Bundestags
Die Bürgerinitiative Bischt kritisiert, dass die regionale Politik keine Garantien für Verbesserungen der Bestandsstrecke zur Bedingung ihrer Zustimmung gemacht habe. Dass der Ausbau der Bahnhöfe Ulm und Augsburg nicht Bestandteil der Planung der Neubaustrecke ist, bezeichnet die BI als „abenteuerlich“. Sie befürchtet, dass der wachsende Fernverkehr den Nahverkehr am Ende verdrängen könnte. „Das wäre dann das ultimative Eigentor für die Region.“
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