"Stoppt den Flächenfraß" heißt der Titel einer Online-Petition, für die in den vergangenen Wochen in Neusäß Unterschriften gesammelt wurden. Rund 320 Unterstützer seien zusammengekommen, teilt der Initiator der Petition, Dietmar Kuhlmann, mit. Die Liste mit den Namen ist nun dem Neusässer Bürgermeister übergeben worden. Grob gesagt geht es um Widerstand gegen geplante städtebauliche Veränderungen im Neusässer Norden.
Der Stadtrat von Neusäß hat unter anderem den Weg für eine Erweiterung des Gewerbegebiets Neusäß-Nord frei gemacht. Gegen die Stimmen der Grünen und SPD wurde eine Änderung des Flächennutzungsplans von 2019 beschlossen. Bürgermeister Richard Greiner betonte, dass das erweiterte Gewerbegebiet unbedingt nötig sei, um alteingesessene Unternehmen in der Stadt zu halten, die Platz zum Erweitern bräuchten. Dabei geht es um Firmen, die jetzt noch im Gewerbegebiet Alt-Neusäß mitten in der Stadt ansässig sind. Weil es mit den geplanten Gewerbegebieten in Autobahnnähe nicht so schnell gehe wie zunächst gehofft, müsse man jetzt handeln, so Greiner. Die im Westen des bestehenden Gewerbegebiets liegende Fläche befindet sich im städtischen Besitz. Zur beschlossenen Änderung des Flächennutzungsplans gehören auch eine neue Südanbindung zum Gewerbegebiet und eine Zufahrt zum Thaler-Areal. Bei diesen beiden Punkten stimmten alle Fraktionen zu.
Der Bau eines Kindergartens im Norden gehört zum Konzept
Doch es geht dem Initiator der Petition nicht nur um die Pläne der Stadt Neusäß, das Gewerbegebiet zu erweitern. Kuhlmann wendet sich auch gegen den Bau eines neuen Kindergartens im Neusässer Norden und eine Verlegung des Bolzplatzes. Der Neusässer kritisiert die Pläne "als Landschaftszerstörung und Flächenfraß". In die Petition bezieht er die Idee, östlich des Schulzentrums einmal Platz für Labore oder Büros im Umfeld der Uniklinik zu schaffen, mit ein.
"Mir geht es im Wesentlichen um den Erhalt der aktuell gefährdeten Grün- und Freiflächen zwischen Alt-Neusäß und Täfertingen einschließlich der schützenswerten Natur im Umfeld des Thaler Sees", fasst Kuhlmann zusammen. Für den Bau des Kindergartens und die Verlagerung des Bolz- und Spielplatzes gebe es sicher nachvollziehbare Gründe. Kuhlmann wünscht sich bei solchen Themen allerdings mehr Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Der Neusässer fordert mehr Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Städteplanung.
Neusäß: Petition gegen Flächenverbrauch
Die in der Petition erhobene Forderung lautet so: "Wir fordern vom Stadtrat Neusäß bei den zukünftigen Baumaßnahmen sich auf die bereits ausgewiesenen Bauflächen zu beschränken und keine weiteren Frei- und Grünflächen zu vernichten." Das Ganze wird in einzelnen Forderungen präzisiert: keine weitere Ausweisung von Bebauungsflächen im Norden von Alt-Neusäß, keine weitere Umwidmung von Grün-, Frei- und Sonderflächen, Ausnutzung der bereits ausgewiesenen Flächen zur Bebauung, keine zusätzliche Straßenanbindung für das Thaler-Gelände und eine Erweiterung des Gewerbegebietes Nord nur auf bereits ausgewiesenen Flächen. "Wir sind besorgte Bürger von Neusäß und wollen eine lebenswerte Stadt erhalten", heißt es weiter. Der Spiel- und Bolzplatz in Neusäß-Nord sollte an dem Standort bleiben.
Kuhlmann übergab im Rathaus eine Liste mit 322 Namen, davon nach Angabe des Petenten 251 von Bewohnerinnen und Bewohnern aus Neusäß. Die Unterschriften seien in der Zeit vom 11. August bis 10. November gesammelt worden. Die Petition wurde in Form eines Bürgerantrags nach Artikel 18b Bayerische Gemeindeordnung überreicht.
Bürgermeister Richard Greiner bestätigt die Übergabe an ihn. In einem "konstruktiven Gespräch" mit Kuhlmann seien die Inhalte der Petition besprochen worden, wobei nach Ansicht von Greiner auch einige Missverständnisse aufgeklärt werden konnten. Im Moment laufe verwaltungsseitig die übliche formelle Prüfung des Bürgerantrags. Das zuständige Gremium werde binnen eines Monats damit befasst und über die Zulässigkeit entscheiden, so Greiner. Der Bürgerantrag steht am 15. Dezember auf der Tagesordnung des zuständigen Ausschusses. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr.