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Augsburger Geschichte

25.09.2019

100 Jahre: Die Geschichte von Osram in Augsburg

Von 1932 bis 1982 wurden Abermillionen Blitz-Birnchen in Augsburg produziert. „II. Wahl“ wurde an Werksangehörige verkauft.
Bild: Sammlung Häußler

Plus Die erste Glühfaden-Fabrik entstand 1902 in Lechhausen. 1919 wurde Osram gegründet und Augsburg war einer der Standorte.

Augsburger sind verwundert, wenn der „Lichtkonzern Osram“ in Berichten über die derzeitigen Turbulenzen als „Münchner Traditionsunternehmen“ bezeichnet wird. Die Firmenzentrale der „Osram Licht AG“ befindet sich erst seit 1954 in München. Seit 1919 war sie in Berlin. Weit mehr als 100 Jahre „Osram-Tradition“ besitzt jedoch Augsburg. Von den derzeit weltweit 26.500 Konzern-Mitarbeitern sind nur relativ wenige im „Osram-Lichtmesslabor“ in Augsburg beschäftigt. 2008 arbeiteten am Standort Augsburg noch 1800 Menschen bei Osram. Da war die Produktion in den Werksanlagen an der Berliner Allee noch in vollem Gange.

Die Vorgeschichte dieses Werks begann 1902 am Nordrand der damaligen Stadt Lechhausen mit einer Glühfadenfabrik. Das einstige Firmenareal liegt im heutigen Stadtteil Hammerschmiede. Die Fabrikgründung im Jahr 1902 hängt mit dem Beginn der Stromversorgung Augsburgs zusammen. Ein Großkraftwerk an dem damals gegrabenen Lechkanal bei Gersthofen belieferte die Stadt ab 1902 mit Strom über ein neu geschaffenes Leitungsnetz. Das immer noch „aktive“ Wasserkraftwerk ist die Geburtsstätte der Lechwerke.

Aus dem Schwermetall Wolfram

Um 1900 explodierte der Bedarf an Lampen in ganz Deutschland. Elektrisches Licht verbreiteten um diese Zeit überwiegend Kohle-Glühfäden. Ab 1902 stellte sie die „Bayerische Glühfadenfabrik Georg Lüdecke & Co.“ in Werksgebäuden an der Neuburger Straße nördlich von Lechhausen her. Die empfindliche Technologie der Kohle-Glühfäden wurde 1906 von einer Neuentwicklung abgelöst: von heller leuchtenden und länger haltbaren Glühfaden aus dem Schwermetall Wolfram. Zur Fabrikation wurde in Augsburg am 21. März 1906 die „Wolfram-Lampen AG“ gegründet. Sie mietete die Gebäude der nicht mehr konkurrenzfähigen Glühfadenfabrik. Im November 1906 brachte „Wolfram“ die erste Lampen-Serie „Made in Augsburg“ auf den Markt.

Das Geschäft boomte. Mitte 1907 lag die Tagesproduktion bei 5000 „Just-Wolfram-Lampen“. Diese Glühlampe war noch relativ empfindlich, nur hängend und völlig erschütterungsfrei verwendbar. Doch sie verbrauchte lediglich ein Drittel des Stroms der bisherigen Kohlefaden-Glühlampen. Die Entwicklung auf dem Lampensektor ging schnell weiter: Ab 1908 wurden in Lechhausen 220-Volt-Lampen produziert. Sie entwickelten sich zum Verkaufsschlager. Das ermöglichte der „Wolfram-Lampen AG“ den Kauf des Fabrikareals für 1,31 Millionen Mark. Die Belegschaft wuchs bis 1909 auf 1200.

Ein Brand richtet Schaden an

Um 1910 fantasievoll gestalteter Werbeaufkleber für die hell leuchtende „Just Wolfram Lampe“.
Bild: Sammlung Häußler

Im Jahr 1911 erhielten Wolfram-Glühbirnen acht Auszeichnungen auf Messen in Turin, Posen, Dresden und Mannheim. Die Herstellerfirma rührte die Werbetrommel kräftig mit Kalendern, Inseraten, Aufklebern und Bucheinmerkern. Doch es folgten Rückschläge. 1916 hatte ein Brand Schäden angerichtet, am 21. Mai 1917 gegen 13.30 Uhr kam es zur Katastrophe: Ein Kokslagerschuppen stand in Flammen! Das Feuer griff auf eine 100 Meter lange Halle über, in der Packmaterial sowie Tausende Lampen-Glasglocken lagerten. Von dort sprangen die Flammen auf das dreistöckige Hauptgebäude über. Von diesen Bauten blieben lediglich die Grundmauern, überragt von vier Kaminen und einem separaten Treppen- und Aufzugsturm.

Erhalten blieben 1917 nur die Batterielampenstation sowie die Drahtzieherei. Dort konnten nur rund 100 Arbeiterinnen weiterbeschäftigt werden, die meisten der 600 durch das Großfeuer arbeitslos Gewordenen übernahm die MAN. Durch die verheerenden Brände wäre das Schicksal der „Wolfram-Lampen AG“ eigentlich besiegelt gewesen, hätten nicht die Konkurrenten AEG, Siemens-Halske und die Deutsche Gasglühlicht-AG Aktien von Wolfram übernommen. Diese Großunternehmen betrieben selbst Glühlampenfabriken. 1919 vereinigten sie diese Werke zur „Osram GmbH“ mit der Zentrale in Berlin. Seit 100 Jahren gibt es also die Firma „Osram“. Sie übernahm 1919 das 1906 eingetragene Warenzeichen für eine neue Glühlampe, die die Schwermetalle „Osmium“ und „Wolfram“ enthielt, aus denen „Osram“ gebildet wurde.

Auf einer Werksfläche von 2,5 Hektar

1921 gab die vom Osram-Konzern beherrschte „Wolfram-Lampen AG“ den Produktionsstandort am Rand von Lechhausen auf. Erhalten ist dort noch das einstige Direktorenhaus (Neuburger Straße 238b). In Fabrikneubauten zwischen dem Lech und der Oberen Lechdammstraße (seit 1963 Berliner Allee) nahmen 1922 rund 150 Beschäftigte auf einer Werksfläche von 2,5 Hektar die Lampenfertigung wieder auf.

Von 1932 bis 1982 wurden dort unter anderem Vacublitze für Foto-Blitzgeräte hergestellt. Sie waren weltweit gefragt. Im Kriegsjahr 1943 erreichte das Augsburger Werk mit 7,6 Millionen Glüh- und Blitzlampen einen Ausstoßrekord. 1951 wurde das Osram-Werksgelände entlang des Lechs auf 125.000 Quadratmeter verfünffacht. Darauf erstanden 1951/52 ein Glaswerk, ein Lagergebäude und ein Entwicklungszentrum.

1978 wurde Osram mit damals 1800 Mitarbeitern in Augsburg eine 100-prozentige Tochter des Weltkonzerns Siemens. 1978 gab es 48 Osram-Fertigungsstätten in 17 Ländern. 2013 gliederte Siemens Osram aus. 2016 ging das Augsburger Osram-Energiesparlampen- und Leuchtstoffröhrenwerk an einen chinesischen Investor über. Er schloss es im Oktober 2018.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie hier.

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