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Augsburg

07.04.2016

500 Jahre alte Brunnenfigur beschädigt - Streit vor Gericht

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Der Wappner ist der Auslöser des Streits. Er steht aktuell im Maximilianmuseum in Augsburg und soll nach Burtenbach gebracht werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Im Maximilianmuseum steht als Leihgabe eine 500 Jahre alte Brunnenfigur. Der geplante Rücktransport geriet zum Desaster. Nun kam die Sache vor Gericht.

Ortswechsel ist die Statue aus rotem Marmor eigentlich gewohnt: Der „Wappner von Augsburg“, aus Sicht von Kunsthistorikern ein bildhauerisches Meisterwerk des 16. Jahrhunderts in Augsburg, prägte über hunderte von Jahren das Stadtbild – erst an einem Brunnen am Judenberg, dann am Kesselmarkt, zum Schluss auf dem Ulrichsplatz. Um das Jahr 1808 wurde der Brunnen abgebrochen und die Abbildung eines Ritters wanderte als Geschenk nach Schloss Burtenbach (Kreis Günzburg). Aktuell steht der Wappner wieder in Augsburg. Und eine erneute Reise nach Burtenbach, die die etwa lebensgroße Figur im vergangenen Juli antreten sollte und bisher nicht antrat, sorgt seit Monaten für gehörige Verstimmung.

Auf der einen Seite steht Eigentümerin Angelika von Stetten, Schlossherrin in Burtenbach, auf der anderen stehen die Stadt Augsburg, der Landkreis Günzburg und das bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Zwei Klagen sind anhängig, am Mittwoch wurde vor dem Verwaltungsgericht verhandelt.

Statue rutschte ab

Hintergrund: Der Wappner war im Jahr 2000 als Leihgabe ins Maximilianmuseum nach Augsburg zurückgekehrt und sollte im vergangenen Juli nach 15 Jahren fristgerecht wieder nach Burtenbach transportiert werden. Die von der Eigentümerin veranlasste Abholung durch eine anerkannte Fachspedition geriet aber zum Desaster: Beim Versuch des Abtransports aus dem Museum rutschte die Statue ab, ein Teil des marmornen Schwertknaufs platzte ab. Eine Museumsmitarbeiterin wurde im Gesicht getroffen. Der Transport wurde daraufhin abgebrochen. Die Figur steht dort weiterhin, nachdem die Denkmalschutzbehörde der Stadt Augsburg den Abtransport in einer Sofortaktion bis auf Weiteres untersagte.

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Inzwischen hat die Stadt das Verbot widerrufen und der Landkreis Günzburg in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege eine Erlaubnis erteilt – allerdings unter gewissen Auflagen. Demnach möchte das Landesamt den Transport überwachen und die Figur muss auf Schloss Burtenbach in einem eigenen Raum untergebracht werden. Vor Gericht begründete ein Vertreter des Amtes die Auflagen.

Im vergangenen Sommer sei man über den Abtransport nicht unterrichtet worden, weil kein dafür nötiger Antrag gestellt wurde, so Hans Weis vom Landesamt gestern vor Gericht. „Wäre jemand von uns dabei gewesen, dann hätte es diesen Schaden beim Anheben aller Wahrscheinlichkeit nicht gegeben.“ Und die Auflage, dass der Wappner künftig in einem geschlossenen Raum unterzubringen ist, sei dadurch zu begründen, dass die Figur Ende der 90er Jahre aufwendig restauriert wurde.

Klage gegen Auflagen

Mit der Klage, die am Mittwoch verhandelt wurde, ging Angelika von Stetten gegen die Auflagen vor. Zudem ist sie grundsätzlich der Meinung, dass es keiner Genehmigung durch das Landesamt zum Transport bedarf. Die Figur sei nicht integraler Bestandteil des Baudenkmals Schloss Burtenbach. Dem Verleihen ans Maximilianmuseum in Augsburg liege eine Absprache mit den Denkmalschützern zugrunde. Demnach förderte die öffentliche Hand die Restaurierung überdurchschnittlich hoch, dafür sollte der Wappner aber 15 Jahre lang öffentlich zu sehen sein. „Das war der Deal“, so von Stetten. Es sei immer klar gewesen, dass sie die Figur zurückhaben wolle, zumal sie selbst auch viel Geld in die Restaurierung gesteckt habe.

Ihr Anwalt Sebastian von Wallwitz fuhr gröbere Geschütze auf. Die Auflagen seien Schikane und wohl „der Versuch, etwas festzuhalten, worauf der Staat keinen Anspruch hat. Die öffentliche Hand kann sich nicht etwas aneignen, worauf sie keinen Anspruch hat.“ Womöglich sei es Ziel, dass die Stadt Augsburg den Wappner zu einem Spottpreis kaufen könne. Die schwere Figur im Schloss aufzustellen, sei für seine Mandantin teuer und aufwendig.

Die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts unter Vorsitz von Richterin Beate Schabert-Zeidler wies die Klage ab. Eine Begründung gibt es noch nicht. Die Kammer machte aber schon in der Verhandlung deutlich, dass für den Wappner die Maßstäbe der Denkmalpflege zu gelten haben, zumal er explizit auf der Denkmalliste unter dem Eintrag zu Schloss Burtenbach genannt ist.

Gut möglich ist, dass die Angelegenheit vor dem Verwaltungsgerichtshof eine Fortsetzung finden wird. Zudem ist am Verwaltungsgericht noch eine Klage von Stettens gegen die Transportuntersagung der Stadt Augsburg anhängig. Am Rande des Prozesses kristallisierte sich immerhin heraus, dass Eigentümerin und Denkmalpfleger das Gespräch suchen wollen.

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