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Debatte

16.12.2017

Augsburg-München: Die Bimmelbahn zum Flughafen ist ein Witz

Augsburg soll per S-Bahn an München und den Flughafen angebunden werden. Doch die Geschwindigkeit der Verbindung lässt zu wünschen übrig.
Bild: Imago

Augsburg hat bald 300.000 Einwohner. Doch zum Airport nach München soll künftig nur eine S-Bahn im Schneckentempo fahren. Sogar das Schienennetz in Lummerland war besser ausgebaut.

Augsburg ist eine wachsende Metropole. Bald 300.000 Menschen leben in der Stadt. Inklusive Speckgürtel wächst diese Zahl auf gut eine halbe Million. Die Wirtschaft brummt – trotz geplanter Entlassungen bei Ledvance und Kuka Systems. Die Uni-Klinik kommt, der Innovationspark schafft Hightech-Perspektiven. Die Innenstadt hat sich aufgehübscht, das Theater wird saniert, der Bahnhof modernisiert. Es gibt viele positive Nachrichten aus der Hauptstadt des Bezirks Schwaben.

Alles gut also? Nicht ganz. Denn ein prosperierender Lebensraum mit wachsender wirtschaftlicher Bedeutung braucht eine Verkehrsinfrastruktur, die der Entwicklung standhält, statt sie zu bremsen.

Das derzeit wohl größte Augsburger Infrastruktur-Ärgernis ist die schlechte Schienenanbindung an den Münchner Flughafen. Am Dienstag berichtete unsere Zeitung über Pläne , die Stadt ab 2026 mit einer S-Bahn an den Airport anzubinden. Die zweite Stammstrecke in München mache dies möglich. Die nun geplante S-Bahn soll ein großes X im Namen führen. Das steht für Express. Doch die Fahrtzeit zwischen Hauptbahnhof Augsburg und Flughafen München soll überlange 90 Minuten betragen.

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Ein S für Schnecken-Zug wäre besser

Das ist ja wohl ein Witz! Angesichts dieser Zeitspanne können sich die Verkehrsplaner das X verkneifen. Ein großes S wäre treffender: Das steht für Schnecken-Zug.

Erstaunlich ist, dass sich außer dem CSU-Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich niemand über diese Bummelzug-Pläne aufregte. Ullrich forderte eine Fahrtzeit von 60 Minuten. Länger dürfe es nicht dauern. Etwa so lange braucht man auch mit dem Auto über die gut ausgebaute A8 zum Flughafen.

Leider erinnert sich kaum noch jemand an die Visionen, die es vor 20 Jahren in Bayern gab. Damals sollte Augsburg mit dem ICE angebunden werden. Der sollte durch den zweiten Stammstreckentunnel bis zum Flughafen rasen. Das stellte sich dann als zu teuer raus.

Doch noch vor dreieinhalb Jahren versprach Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Augsburgern, dass sie bald mit dem Express-Zug über die zweite Stammstrecke düsen. Wörtlich sagte er im Juli 2014 in München: "Ich habe mich in den letzten Wochen mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass es ein zweiter Tunnel sein wird, der kein reiner S-Bahn-Tunnel ist, sondern durch den auch schnelle Regionalexpress-Züge fahren können, nur um ein Beispiel zu nennen, ohne dass dieses jetzt schon konkretisiert ist, von Augsburg zum Flughafen München."

Augsburg hat kaum einen Nutzen vom geplanten Tunnel

Auch das ist vergessen. Jetzt soll eine Schnecken-Bahn reichen, die dann auch noch in Haspelmoor und Althegnenberg bremst, um einzelne Fahrgäste einzuladen. Spötter würden sagen: Da war ja sogar das Eisenbahnnetz in Lummerland besser ausgebaut. Aber Lukas, der Lokomotivführer, musste ja nur in der Augsburger Puppenkiste umherdampfen. Flugzeuge gab es noch nicht auf der Insel mit den zwei Bergen.

Fakt ist: Bundesregierung und bayerische Staatsregierung planen in München für mindestens 3,2 Milliarden (am Ende wahrscheinlich noch viel mehr) Euro einen neuen, modernen Schienentunnel – und die Nachbarstadt Augsburg hat kaum einen Nutzen davon.

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21 Bilder
Als der Münchner Flughafen umzog: Ein Rückblick auf 25 Jahre
Bild: Yorck Dertinger, Flughafen München

Das ist ein Armutszeugnis. Von einer integrierten Verkehrsplanung in der Metropolregion München sind wir so weit entfernt wie der Flugplatz Augsburg von einer internationalen Verkehrsdrehscheibe.

Zum Glück hat Augsburg bald eine gute Alternative. Mit der Fertigstellung der neuen Schienenstrecke (vermutlich 2024) wird der ICE von Augsburg zum Flughafen Stuttgart nur noch 60 Minuten brauchen. Augsburger sind dann mit dem Zug schneller am Airport in der Hauptstadt Baden-Württembergs als der Bayerns.

Das wird in München nicht jedem gefallen. Dem Flughafen-Chef sicher nicht. Denn der wünscht sich mehr Passagiere und wachsende Umsatzzahlen im Erdinger Moos. Mit so einer Bimmelbahn, wie sie der 300.000-Einwohner-Stadt Augsburg jetzt verkauft wird, wird das aber nichts.

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.12.2017

Derzeit machbare Fahrzeit Augsburg - Ulm 37 Minuten

Halt in Ulm 2 Minuten

Fahrzeit Ulm - Stuttgart Flughafen künftig 25 Minuten

Macht zusammen 64 Minuten.

Permalink
21.12.2017

Derzeit machbare Fahrzeit Augsburg - Ulm 37 Minuten

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Nachweis? Rahmenbedingungen?

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Warum stehen aktuell 44 Minuten ohne Halt in Günzburg im Fahrplan?

Permalink
16.12.2017

Na ja, wenn S21 fertig ist, dann ist man von Ulm in 25 Minuten am Flughafen Stuttgart. Also ca. 90 Minuten von Augsburg aus. Wenn Ulm - Augsburg auch noch ausgebaut wird, dann ist man schneller in Stuttgart, als in München.

Traurig, aber wahr!

habe nie verstanden, wieso MUC keinen ICE halt bekommen hat. Der 2. größte Flughafen ohne Zuganbindung für Fernverkehr?

Frankfurt, Stuttgart, Köln haben das...

Permalink
17.12.2017

Die 25 Minuten Ulm > Stuttgart Flughafen sind korrekt dargestellt.

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Aktuelle Fahrzeit mit ICE von Augsburg nach Ulm: 44 Minuten; mit Halt in Günzburg eine Minute länger

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Nach S21 wird sich also eine Fahrzeit von ca. 70 Minuten von Augsburg zum Stuttgarter Flughafen ergeben.

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Augsburg > MUC ist ja nur deswegen so langsam, weil München HBF > MUC so langsam ist. Das ist keine spezifische Benachteiligung von Augsburg, sondern ein im ganzen Großraum München anerkanntes Problem.

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Pasing > MUC : 48 bis 50 Minuten; Mü HBF > MUC 40 bis 43 Minuten.

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Permalink
16.12.2017

In München hat Augburg sehr oft schlechte Karten.

Hauptsache die Münchner haben gute Strukturen auf Schiene und Straße etc.

Mein Blick richtet sich schon immer nach Stuttgart, nicht nur aus sprachlichen Gründen.

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16.12.2017

Extrem falsch. Dank OB Gribl hat Augsburg in München, bei der Staatsregierung, sogar sehr gute Karten

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16.12.2017

Das seit Neuestem, vielleicht.

Und wo merkt man das??

Permalink
16.12.2017

Jetzt soll eine Schnecken-Bahn reichen, die dann auch noch in Haspelmoor und Althegnenberg bremst, um einzelne Fahrgäste einzuladen.

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Dafür hält dann der Fugger-Express oder hoffentlich sein verbesserter Nachfolger dort nicht mehr und bietet täglich tausenden Pendlern eine schnellere Verbindung nach München. Nach meiner Einschätzung der akutelle Hauptvorteil der 2. Stammstrecke für die Region Augsburg.

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Ullrich forderte eine Fahrtzeit von 60 Minuten. Länger dürfe es nicht dauern. Etwa so lange braucht man auch mit dem Auto über die gut ausgebaute A8 zum Flughafen.

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Wenn es gut läuft, morgens und abends in den Spitzenverkehrszeiten ist das nicht selbstverständlich. Die Forderung wirkt auf mich sehr populistisch; ähnlich der aktuell umlaufenden Forderung wg. der Elektrifizierung nach Buchloe.

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Zum Glück hat Augsburg bald eine gute Alternative. Mit der Fertigstellung der neuen Schienenstrecke (vermutlich 2024) wird der ICE von Augsburg zum Flughafen Stuttgart nur noch 60 Minuten brauchen. Augsburger sind dann mit dem Zug schneller am Airport in der Hauptstadt Baden-Württembergs als der Bayerns.

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Die Anzahl der Flugziele macht die beiden Flughäfen nicht wirklich vergleichbar. Und die 60 Minuten gelten nur ab HBF Augsburg (nach Ausbau nach Ulm). In die verschmähte "Bimmelbahn" nach MUC könnte man dann vsl. auch in der Haunstetter Str. und Hochzoll zusteigen. Damit bricht der Fahrzeitvorteil tlw. schnell zusammen. Und man kann am Augsburger HBF auch den ICE nach München nehmen - das ist sicher für manchen auch eine Preisfrage.

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Mit so einer Bimmelbahn, wie sie der 300.000-Einwohner-Stadt Augsburg jetzt verkauft wird, wird das aber nichts.

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Die verkauft aktuell nur die AZ; das ursprüngliche Konzept sah ja auch eine Ende der Linie in Mering vor. Die Verlängerung nach Augsburg ist eine unabhängig vom Flughafen eine gute Sache, weil mit diesem zusätzlichen Angebot zum halbstündlichen Fugger-Express die Vernetzung zwischen den Großräumen ohne Umsteigen besser wird. MUC wird als Ziel klar überbewertet.

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Augsburg sollte m.E. die richtigen Forderungen stellen!

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> Regionalzüge für Augsburg, welche die 2. Stammstrecke befahren können

> Jeder 2. Fuggerexpress verlängert zum Ostbahnhof und ggf. nach MUC (ist aber auch ein sehr zweischneidiges Thema wegen der Pünktlichkeit)

> Ja zur stündlichen Express-S-Bahn mit Halt an allen Bahnhöfen im AVV, aber bitte nicht auf den Augsburger Schienen-Nahverkehr anrechnen. Das ist eine Verknüpfung der Regionen. Von Augsburg nach Mering fahren bereits genug Züge.

> Ausbau der Strecke nach Ulm - ohne den wird es nichts mit 60 Minuten nach Stuttgart !

(die NBS wurde von einer GroKO erfolgreich verhindert, nun geht aber gar nichts voran)

Permalink
17.12.2017

Hinweis zur "Groko":

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http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Werden-im-Kaemmerchen-schon-die-Weichen-gestellt-id34657047.html

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Mit Besorgnis sieht Hippeli die neuerlichen Aktivitäten von IHK und dem CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber.

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Nur weil ein paar CSU´ler eine Naubaustrecke vorteilhaft sehen, gibt es bei diesem Thema keinen Konflikt zwischen CSU geführtem Wirtschaftsministerium und der bay. SPD.

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Das bay. Wirtschaftsministerium will den Ausbau der Bestandsstrecke, weil nur so die die Modernisierung der Regionalbahnhöfe vom Bund bezahlt wird. Würde eine Neubaustrecke entlang der Autobahn kommen, wird die bisherige Strecke zur reinen Güter und Nahverkehrsbahn - die Modernisierung müsste zweifelsfrei der Freistaat tragen. Der in der CSU nicht unbedeutende Raum Günzburg war natürlich auch gegen die NBS, weil man dort die Abhängung fürchtete. Und die schwäbische SPD war nun der nützliche Idiot um das in die Welt zu bringen.

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Zur Erinnerung - was ist der 3-gleisige Ausbau? Abriss von 2 Bestandsgleisen und Neubau von 3 Gleisen.

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Das ganz unter laufendem Betrieb ist daher unvorstellbar langwierig und sehr teuer.

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Die bayeriche Lösung für die Fortsetzung von S21 wird daher eine Pflege des 2-gleisigen Bestandes mit punktuellen Verbesserungen sein. 3. Gleise auf der bestehenden Tempo 200 Ausbaustrecke Westheim - Dinkelscherben werden keine relevanten Fahrzeitvorteile bringen. Fehlende Kapazitäten werden zu Lasten des Schienennahverkehrs im Augsburger Westen gehen; die Zukunft werden dort 2 bis max. 3 Nahverkehrszüge pro Stunde sein. Das "Zuckerle" sind die ja meist in Gessertshausen mit Umsteigezwang gebrochene Staudenbahn sowie hsl. die Ortsumgehungen Diedorf / Gessertshausen.

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Und die Bahnhöfe bleiben auch wie sie heute sind; weil es kommt ja irgendwann der 3-gleisige Ausbau ...

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Die Region Augsburg ist an ihren "Benachteiligungen" fast immer mitverantwortlich.

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Permalink
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