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Augsburg: Wie ein Augsburger IT-Start-up 100 Millionen Euro Umsatz machen will

Augsburg

Wie ein Augsburger IT-Start-up 100 Millionen Euro Umsatz machen will

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    Benedikt und Claudia Sauter haben das Start-up Xentral gegründet. Es ist so erfolgreich, dass namhafte Investoren Schlange stehen.
    Benedikt und Claudia Sauter haben das Start-up Xentral gegründet. Es ist so erfolgreich, dass namhafte Investoren Schlange stehen. Foto: Tanja Ferrari

    Corona hat die Digitalisierung beschleunigt: Das ist eine Feststellung, die Benedikt Sauter sofort unterschreiben würde. Er leitet zusammen mit seiner Frau Claudia das Augsburger IT-Start-up Xentral und sagt: "Die Corona-Monate waren unsere bisher besten." Der Grund dafür ist schnell erklärt. Während des Lockdowns waren viele Unternehmen gezwungen, ihre Prozesse stärker zu digitalisieren und Waren verstärkt oder erstmals über einen Online-Shop anzubieten. Um diese unerwartete Herausforderung meistern zu können, musste ein Warenwirtschaftssystem her, das schnell und einfach in bestehende Strukturen integriert werden konnte. Viele fanden in dieser Phase den Weg zu Xentral.

    Viele Unternehmen haben in der Corona-Krise einen Onlineshop eingerichtet, dafür brauchten sie die entsprechende Software.
    Viele Unternehmen haben in der Corona-Krise einen Onlineshop eingerichtet, dafür brauchten sie die entsprechende Software. Foto: Jens Büttner, dpa (Symbolfoto)

    Die dort entwickelte Software tut nämlich genau das, was Unternehmen jetzt brauchen: "Sie automatisiert das tägliche Geschäft", fasst Gründer Benedikt Sauter zusammen. Vereinfacht gesprochen sammelt das System alle vorhandenen Daten, verarbeitet sie und stößt Prozesse an. "Es werden beispielsweise automatisch Lieferscheine erstellt, oder das Lager weiß, welche Produkte demnächst abgeholt werden und deshalb vorbereitet werden müssen.

    Auch Lieferanten werden automatisch informiert, wenn Nachschub nötig ist", schildert Sauter einige Funktionen der Software. So könnten binnen kürzester Zeit auch größere Bestellmengen abgearbeitet werden, ohne dass es an einer Stelle zu einem Engpass kommt oder in großem Stil Personal eingestellt werden muss, erklärt der IT-Experte. Womit sich Xentral von Mitbewerbern abhebt, ist laut Sauter der Faktor Zeit. Die Software lasse sich binnen ein bis vier Wochen installieren und könne vom Kunden dann schnell und ohne großen Schulungsaufwand betrieben werden.

    Frank Thelen investierte in Augsburger Firma Xentral

    Dass Xentral in der Corona-Phase ein Wachstum von gut 50 Prozent erzielte, sei aber nicht alleine der Pandemie geschuldet. Schon zuvor hatte sich das Start-up bei vielen, auch bekannten Unternehmen wie Villeroy und Boch, Flyeralarm und Top Star einen Namen gemacht und war auf Wachstumskurs. Es arbeitete seit seinem Start 2015 so erfolgreich, dass der bekannte Technologie-Investor Frank Thelen immer mehr seiner Start-ups aus der TV-Sendung "Die Höhle der Löwen" die Software von Xentral empfahl und selbst mehrere Versuche unternahm, um sich beim Augsburger IT-Unternehmen als Investor zu betätigen. 2018 war es schließlich so weit, und Thelen stieg mit seiner Risikokapitalgesellschaft Freigeist bei Xentral ein. "Das war für uns sehr gut. Denn Frank Thelen bringt nicht nur Geld mit, sondern vor allem Know-how", sagt Sauter.

    Dass es dem jungen Unternehmen mit Sitz in der Fuggerstraße vor allem um das Wissen des Investors geht, zeigt die Tatsache, dass das zur Verfügung gestellte Kapital bisher ungenutzt blieb. Auch andere potenzielle Geldgeber, teils bekannte Venture-Capital-Firmen (Investoren) aus dem US-amerikanischen Silicon Valley, hatte man zuletzt vertröstet.

    "Wir brauchen das Geld aktuell nicht, wir wirtschaften erfolgreich", sagt Benedikt Sauter selbstbewusst. Zunächst gehe es daher darum, Xentral so aufzustellen, dass eine gute Basis geschaffen sei. Dann könne man überlegen, ob weitere Investoren sinnvoll sind und wofür man deren Geld nutzen kann.

    Augsburg muss sich als IT-Standort nicht verstecken

    Bis dato wächst Xentral offenbar aus eigener Kraft: Aus den wenigen Mitarbeitern zum Start 2015 sind mittlerweile 60 Kollegen geworden. Im Jahr 2021 soll die Zahl auf 100 steigen. Weil Xentral seine Kunden bisher zu einem überwiegenden Teil aus Weiterempfehlungen generiert hat, will man vor allem im Marketing und im Vertrieb aufstocken und die Kundenliste, auf der aktuell rund 1000 Namen stehen, verlängern. "In vier bis fünf Jahren wollen wir einen Jahresumsatz von etwa 100 Millionen Euro erzielen", sagt Sauter. Dies sei angesichts der Entwicklung und der Hochrechnungen ein realistisches Ziel.

    Benedikt Sauter (links) führt das Unternehmen Xentral mit seiner Frau Claudia. Sie werden von Frank Thelen und seiner Risikokapitalgesellschaft Freigeist unterstützt.
    Benedikt Sauter (links) führt das Unternehmen Xentral mit seiner Frau Claudia. Sie werden von Frank Thelen und seiner Risikokapitalgesellschaft Freigeist unterstützt. Foto: Z-Studio GmbH

    Damit das gelingt, muss noch an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden, zunächst braucht Xentral neue und größere Räume, möglichst in zentraler Innenstadtlage. Gefüllt werden sollen diese mit neuen Mitarbeitern. Dass Fachkräfte in der IT-Branche nach wie vor Mangelware sind, macht Sauter keine Angst. "In der Stadt leben eine Menge schlauer und kreativer Köpfe. Wir müssen nicht in Berlin oder New York suchen", ist er überzeugt. Auch Matthias Hofmuth, bei Xentral für Personal und Organisation verantwortlich, hält Augsburg als IT-Standort für unterschätzt. "Wir müssen uns nicht verstecken", sagt Hofmuth, der schon seit 12 Jahren in der Start-up-Branche tätig ist und zuletzt bei Flixbus eine führende Position innehatte.

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