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Augsburg

29.05.2020

Bedroht die Corona-Krise den Wohnungsbau in Augsburg?

In der Augsburger Werderstraße entstehen aktuell rund 90 Wohnungen – und es gibt trotz der Corona-Krise keine Probleme beim Verkauf, sagt der Bauherr.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Am Augsburger Hauptbahnhof wurde der Bau von fast 400 Wohnungen gestoppt. Doch in der Stadt werden weitere ambitionierte Projekte verfolgt. Wie es um sie steht.

Es war eine Nachricht, die in der Augsburger Immobilienbranche für großes Aufsehen sorgte: Die Firma Instone hat den Vertrieb für 309 Wohnungen am Hauptbahnhof gestoppt, bestehende Kaufverträge gar rückabgewickelt. Bis 2022 sollten im Wohnpark „Augusta“ auf den früheren Ladehöfen eigentlich Wohnungen vor allem für Singles und Kleinhaushalte entstehen. Ein Vorhaben, das sich an Menschen mit großem Geldbeutel richtete. Laut dem Portal Immoscout begannen die Preise für die 24 bis 80 Quadratmeter großen Einheiten bei 235.500 Euro. Einzelne Angebote, die sich im Internet noch finden lassen, zeigen, dass Käufer oft wohl um die 8000 Euro pro Quadratmeter hätten bezahlen müssen. Ein Höchstniveau, das man in Augsburg selten sieht. Und ein Vorhaben, das nun erst einmal auf Eis liegt.

Wie berichtet, begründet Instone den ungewöhnlichen Schritt mit den Folgen der Corona-Krise. Bis zum Beginn der Pandemie sei der Verkauf gut gelaufen. Doch dann sei das Interesse an den kleinen Wohnungen im Westteil des Quartiers deutlich zurückgegangen. In der heimischen Immobilienbranche glaubt man, dass es auch andere Gründe geben könnte. Die Preise für die Wohnungen seien schlicht zu hoch gewesen, heißt es etwa. Deutlich über dem Marktniveau in der Stadt.

So teuer sind Wohnungen in Augsburg

Ein Vertreter von Instone hatte gegenüber unserer Redaktion zuletzt nun von einer Größenordnung von 7000 Euro pro Quadratmeter gesprochen – was wiederum auf dem Niveau manch anderer Bauprojekte in der Stadt liegen würde. Üblich sind bei Neubauprojekten derzeit satte 6000 bis 6500 Euro, teils geht es noch darüber hinaus. Die Entwicklung beim „Augusta“-Projekt wirft durchaus die Frage auf, wie es mit anderen ambitionierten Bauvorhaben in der Stadt bestellt ist. Pläne, angesichts der Corona-Krise andere größere Vorhaben auf Eis zu legen, scheint es derzeit nicht zu geben, „Augusta“ sei ein Einzelfall, heißt es vielfach.

Nicht weit vom Baufeld bei den Ladehöfen entfernt ist eine weitere Großbaustelle; Luftlinie sind es nur wenige hundert Meter. Auf der anderen Seite der Bahnschienen entstehen in der Werderstraße im Bismarckviertel gerade rund 90 Wohnungen, ein Projekt der Firma Reitenberger. Ende 2022 soll alles stehen. Ein aktuelles Angebot im Internet zeigt eine 74-Quadratmeter-Wohnung für etwa 460.000 Euro. Kein ungewöhnlicher Preis also für aktuelle Neubau-Projekte in der Stadt. Probleme beim Verkauf gebe es nicht, heißt es von der Firma; es laufe gut und gebe auch keinen Hinweis, dass das Interesse nachlasse. Sieben Häuser entstehen in der Baulücke, einige sind im Rohbau bereits recht weit. Dort seien die Wohnungen schon verkauft, heißt es, bei einem weiteren Haus erfolge demnächst der Vertriebsstart.

Corona: Wohnungsbauträger in Augsburg geben sich gelassen

Auch andere Firmen, die gerade in Augsburg Wohnungen bauen, geben sich betont gelassen. Es gebe „keine Probleme, auch durch Corona nicht“, sagt etwa Ralf Schneider, Sprecher von Klaus Bau, einem der großen Wohnungsbauträger der Stadt. Die Gruppe baut derzeit etwa unter dem Namen „Kultquartier“ am Proviantbach im Textilviertel 110 Wohneinheiten, außerdem 180 Wohnungen im Antonsviertel. Das wohl langwierigste und komplizierteste Bauvorhaben von Klaus Bau allerdings steht im Stadtjägerviertel an: Im ehemaligen Telegrafenamt sollen bis zu 90 teils sehr außergewöhnliche Wohnungen entstehen: City-Apartments, Loft- und Atriumwohnungen, Atelier-Häuser. Ein Großprojekt, das sich eher an Gutverdiener richten dürfte, und auch deshalb ziemlich komplex ist, weil das ehemalige Telegrafenamt denkmalgeschützt ist. Die Klinkerfassade und die bauliche Grundstruktur müssen erhalten bleiben. Erste Arbeiten laufen. Wohl frühestens 2023 könnten die ersten Wohnungen bezugsfertig sein; unklar ist noch, wie teuer sie sein werden. Aber auch bei diesem Projekt laufe die Planung, „wie wir uns das vorstellen, wir sind überall in der Spur“, sagt Klaus-Bau-Sprecher Ralf Schneider. Das gelte auch für die Vermarktung bei den Vorhaben, bei denen schon der Verkauf anstehe.

Und auch bei einem Bauprojekt auf dem Gelände der früheren Augsburger Kammgarn-Spinnerei, bei dem zeitweise Preise von über 7000 Euro pro Quadratmeter verlangt werden, scheint das Interesse ungebrochen. Die Corona-Krise habe bislang keine Folgen, sagt Christoph Koenig, Geschäftsführer der GS Wohnbau, die dort baut. Es gebe auch kein mangelndes Interesse; 65 Prozent der Wohnungen des Projektes „Kammgarn 35“, das im Herbst 2021 fertig sein soll, seien bereits veräußert, und meist komme noch ein zweiter Käuferschwung, wenn vom Bau mehr fertig sei.

Rückgang der Nachfrage am Immobilienmarkt in Augsburg

Lässt die Corona-Krise den Wohnungsmarkt der Stadt also weitgehend unberührt? Immobilienspezialist Andreas Klein von der Stadtsparkasse hatte gegenüber unserer Redaktion zuletzt gesagt, er stelle gefühlt einen Rückgang der Nachfrage von rund 30 Prozent bei Eigentumswohnungen fest, es gebe aktuell eine gewisse Verunsicherung auf dem Markt für Wohneigentum. Neue Höchstpreise seien derzeit nicht zu erzielen, kleinere und preisgünstigere Vorhaben würden dagegen weiterhin gut laufen.

Möglicherweise spielt auch eine Rolle, welche Art von Wohnungen gebaut werden. Wie berichtet, will Instone die Planungen für den Ostteil des Quartiers an den früheren Ladehöfen nun vorziehen. Dort sollen rund 120 größere Wohnungen entstehen, etwa für Familien. Hier gibt es nach Einschätzung der Immobilienfirma weiterhin eine Nachfrage von Kunden.

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30.05.2020

Und was bekommt man für dieses Geld? Uninspirierte, im Volksmund gerne mit dem Titel „Bauhaus“ versehene Flächenmaximierungsarchitektur mit Plastikboden, Plastiktüren und Plastikbadewanne in einer Hülle aus Plastikputz auf Plastikdämmung mit Plastikfenster. Das hat mit Mies van der Rohe so viel zu tun wie das Grillsteak aus der Tankenstellenkühle mit dem feinen Metzgerstück.
Architektur und Baukunst darf man den Großteil dieses Schrotts nicht nennen.
Es ist schade um die Grundstücke und die Mühe - und bei vielen „glücklichen“ Käufern auch schade ums Geld. Der einzige Gewinner ist und bleibt in diesem Geschäft der Makler.

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29.05.2020

Wenn man von Baukosten von etwa 2000€ pro Quadratmeter ausgeht, sieht man, wie viel Luft nach unten bei den heutigen Mondpreisen noch drin ist. Die heutigen Investoren, die durch ihre Bereitschaft, absurde Preise zu bezahlen, den Markt verderben, werden sich hoffentlich in ein paar Jahren über den "Wertverlust" ärgern.

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