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Filmmusik

22.06.2016

Blockbuster kann man auch hören

Ein erfolgreicher Film und eine ebenso erfolgreiche Musik: „Die Tribute von Panem“ mit Jennifer Lawrence (hier „Mockingjay Teil 2).
Bild: Murray Close, Studiocanal, dpa

„Tribute von Panem“ und „Operation Walküre“: Zum dritten Mal gibt der Philharmonische Chor ein Konzert mit Melodien aus großen Kino-Erfolgen. Die Vorbereitungen dafür sind oft schwierig

Was für ein Glück, dass in den vergangenen Jahren in Hollywood und anderswo viele gute Filme gedreht wurden. Nicht nur wegen unterhaltsamer Kinoabende, sondern damit der Philharmonische Chor Augsburg neues Material für ein weiteres Filmmusik-Konzert hatte. „Augsburg goes Hollywood Vol. 3“ heißt es am Sonntag im Kongress am Park. Unterstützt werden die rund 120 Sänger wieder von den Augsburger Philharmonikern und der Solistin Isabell Münsch. Zwei Vorgänger-Konzerte fanden 2008 und 2013 statt, deshalb sind Klassiker und Highlights wie „Fluch der Karibik“, „Star Wars“, „Ben Hur“ oder „Spiel mir das Lied vom Tod“ bereits abgegrast.

Deshalb hieß es zunächst einmal „Thorwart goes Telefon Vol. 3“. Ohne die guten Kontakte des langjährigen Chor-Vorstandes Jürgen Thorwart und sein unermüdliches Engagement, diese zu nutzen, wäre es nichts geworden mit einem dritten abendfüllenden und abwechslungsreichen Filmmusik-Programm. Denn nicht nur müssen Filme mit anspruchsvollen Chorpartien gefunden werden – an die entsprechenden Partituren ist nicht leicht heranzukommen. „Das ist nicht wie bei Mozart oder Brahms, wo es Noten und Orchestermaterial zu kaufen oder gegen Gebühr zu leihen gibt“, erklärt der passionierte Sänger und bei Steinway & Sons in Hamburg ausgebildete Musikalienhändler. „Anfangs war es so, dass die Verlage gar nichts groß angeboten haben, weil es kein wirkliches Interesse an solchen Partituren gab.“

Angefangen hatte alles, als Jürgen Thorwart und der musikalische Leiter des Chores, Wolfgang Reß, auf eine Symphonie von Howard Shore zum „Herr der Ringe“-Thema aufmerksam wurden. „Die hätten wir damals auch singen können, aber es wäre unglaublich teuer gewesen und wir hätten wie in Amerika üblich im Paket mit den Noten auch einen Dirigenten und einen Solisten einkaufen müssen.“

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Also hielten sie nach anderen Filmmusiken Ausschau. An Kompositionen von John Williams kam der Chor aber sehr gut heran, erklärt Reß. „Der hat seine Musik für ,E.T.‘ oder ,Star Wars‘ immer gleich so aufgeschrieben und verlegt, dass man sie kaufen konnte. Dann gibt es aber auch Komponisten, die hüten ihre Partituren wie Schätze.“ Ennio Morricone sei so einer, ergänzt Thorwart. „Der rückt nichts raus. Er hat in seiner Wohnung in Rom so ein Kämmerlein, da darf nicht mal seine Frau rein. Und wenn er selbst ein Konzert mit seiner Musik dirigiert, kommt er mit den Noten unterm Arm auf die Bühne und nimmt sie anschließend gleich wieder mit.“

Einer, der – anders als Signora Morricone – das Kämmerlein schon betreten durfte, ist Matthias Keller. Der Musik-Redakteur des Bayerischen Rundfunks und international gefragte Filmmusik-Experte ist mit dem Komponisten befreundet – aber auch mit Thorwart, denn der arbeitete über 30 Jahre lang im Notenarchiv des BR. Zwar kann auch Keller nicht zaubern, wenn es um das Aufstöbern von Partituren geht, aber er kann sehr genau etwas heraushören und aufschreiben. Dann setzt Keller sich ein oder zwei Wochenenden lang hin und liefert dem Chor Partituren, die ganz nah am Original sind. Morricones „Zwei glorreiche Halunken“ hat er für das aktuelle Programm auf diese Weise ermöglicht und „The Hanging Tree“ aus dem Blockbuster „Die Tribute von Panem – Mockingjay“. Keller wird das Konzert auch moderieren.

Aber nicht nur bekannte Titel werden dann bei „Augsburg goes Hollywood Vol. 3“ zu hören sein, sondern auch Schätze wie „Gabriellas Song“, das poetisch-hymnische Befreiungslied einer misshandelten Frau aus der schwedisch-dänischen Produktion „Wie im Himmel“. Womit man beim zweiten Thema ist, das die Veranstalter im Vorfeld eines Filmmusik-Konzertes umtreibt: die Sprache. „Wir versuchen immer im Original zu singen“, erzählt Claus Holscher, langjähriger Sänger und PR-Mann des Chores. „Auf Schwedisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Französisch, Hebräisch, Arabisch... und für fast jede dieser Sprachen haben wir einen Muttersprachler im Chor.“ Manchmal gibt es aber auch weniger Arbeit und der Chor singt Vokalisen wie bei „Moon River“ aus „Frühstück bei Tiffany“.

Für Wolfgang Reß macht genau diese Mischung das Filmmusik-Thema so spannend: „Das ist auch für mich als Dirigenten nicht selbstverständlich, denn in der Ausbildung lernt man nicht, mit so einer Musik umzugehen. Filmmusik ist vom Kompositionskonzept her oft ganz anders gelagert als andere Werke und sehr unterschiedlich: mal fast wie bei Mahler, also symphonisch ganz groß besetzt, dann mit Einflüssen aus dem Pop wie bei Adeles Bond-Song ,Skyfall‘.“

Ein großer Kinogänger ist Reß nicht, trotzdem gibt es auch für ihn besondere cineastische Momente, die natürlich vor allem mit der Filmmusik zusammenhängen: „Als ich mit meiner Frau ,Operation Walküre‘ über das Stauffenberg-Attentat mit Tom Cruise angeschaut hatte, kam am Ende eine Szene, die mit einer Drohne aus der Luft über einem Wald gefilmt ist, und dazu John Ottmans Musik mit dem Goethe-Text ,Über allen Gipfeln ist Ruh‘ – das ging mir unter die Haut und auf dieses Stück freue ich mich beim Konzert besonders.“

Sonntag, 26. Juni, 20 Uhr, im Kongress am Park. In einer Aufzeichnung des Bayerischen Rundfunks wird das Programm am Jahresende auch im Radio zu hören sein.

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