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Augsburg

20.03.2020

Coronavirus: So gehen Eltern mit dem Spielplatz-Verbot um

In Augsburg sind die Spielplätze wegen der Corona-Pandemie gesperrt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Soll man die Kinder besser im Haus lassen, oder dürfen sie an die frische Luft? In vielen Familien herrscht große Verunsicherung darüber, wie man sich verhalten soll.

Der optimale Spielplatz für einen Zweijährigen ist der große Parkplatz einer Wohnanlage an der Hessenbachstraße vermutlich nicht. Aber er ist nah an der Wohnung. Und was viel wichtiger ist: Es gibt hier keine anderen Kinder. Während Milian glücklich hinter seinem bunten Ball herläuft, hält seine Mutter besorgt nach Autos Ausschau. Seit dem 17. März sind in Augsburg wegen des Coronavirus auch alle öffentlichen Spielplätze geschlossen. Für vielen Eltern ist jetzt Kreativität angesagt, was sie mit ihrem Nachwuchs noch unternehmen können.

„Wir müssen doch ein wenig an die frische Luft“, sagt Milians Mutter. Sie kann die verschärften Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus verstehen, doch als Familie gerate man an seine Grenzen. „Jeder kann die Krankheit haben – wir meiden andere Menschen und suchen ruhige Plätze“ erklärt sie ihre Strategie.

Augsburg: Zu Hause werden gleich die Hände gewaschen

Ein Stück weiter, auf dem Spielplatz hinter dem AWO-Seniorenzentrum in Pfersee, schubst ein Vater die sechsjährige Mila auf der Schaukel an. Nebenan spielt ein kleiner Junge, seine Mutter ist mit dem Handy beschäftigt. „Ich hatte heute den ganzen Tag Homeoffice, aber jetzt mussten wir raus“, sagt der Vater. Noch habe die Familie keinen Lagerkoller, aber die Situation besteht ja auch erst seit wenigen Tagen. „Wir haben uns mit Bastelzeug eingedeckt, damit ist Mila den Vormittag über beschäftigt. Und ausnahmsweise gab es heute auch eine Stunde Fernsehen.“ Obwohl die Spielplätze gesperrt sind – bei nur zwei Kindern hat der Vater keine Angst vor einer Ansteckung. „Wenn mehr los gewesen wäre, hätten wir uns etwas anderes gesucht. Und zu Hause werden gleich die Hände gewaschen.“

Offiziell sind alle städtischen Spielplätze zu. Wo möglich, sind Tore abgeschlossen, Schilder erklären die Situation. „Die Stadt Augsburg hat vorübergehend ihre Spielplätze geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus in Augsburg zu verlangsamen,“ ist zu lesen.

# Corona,Virus, ÖPNV, Öffentlicher Nahverkehr, Schutz für Busfahrer
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Bild: Brigitte Mellert, Silvio Wyzengrad, Annette Zoepf, Ina Marks, Gunter Oley

Die jungen Erwachsenen auf der Calisthenics-Anlage im Reese-Park wollen ihre letzte Trainingsmöglichkeit nicht so einfach aufgeben. 15 junge Männer und Frauen sind an diesem Nachmittag hier, machen Klimmzüge und Dips oder stehen zusammen und ratschen. „Meinen Vater hat der Ordnungsdienst heute Morgen weggeschickt“, sagt der 18-jährige Emre. „Das Fitness-Studio hat zu, jetzt kommen wir jeden Tag hierher, um zu trainieren“, erklärt er. „Solange es halt noch geht.“

Für die 300 städtischen Spielplätze gilt ein Betretungs- und Spielverbot, heißt es von der Stadt. Auch wenn kontrolliert werde, ob sich Kinder und Personen auf den Spielplätzen aufhalten, sei man auf das Verständnis und die Eigenverantwortung der Bevölkerung angewiesen, die Hinweisschilder zu beachten und nicht auf die Spielplätze zu gehen. Die Polizei hat bereits erste Kontrollen gemacht. Wenn die beamten Personen auf Spiel- oder Sportplätzen sahen, setzten Lufsie auf Gespräche – mancher habe nicht Bescheid gewusst. Ein Einzelfällen seien auf Basketball- oder Skaterplätzen Platzverweise nötig gewesen.

Corona: Auch die Wohnbaugruppe hat ihre Spielplätze gesperrt

Auch die 126 Spielplätze in den Anlagen der Wohnbaugruppe sind gesperrt und mit Hinweisschildern versehen. „Unsere Hausmeister sind angehalten, die Kinder und Eltern über die Situation aufzuklären und sie höflich, aber bestimmt zu bitten, bis auf Weiteres nicht mehr auf dem Spielplatz zu spielen“, sagt Wohnbaugruppenchef Marc Dominik Hoppe.

„Es geht bei der Maßnahme keinesfalls darum, die Kinder von der frischen Luft fernzuhalten“, betont die Kinderärztin und stellvertretende Obfrau von PaedNetz-Augsburg, Anke Steuerer. „Es spricht nichts gegen einen Waldspaziergang mit den Kindern, oder eine gemeinsame Fahrradtour“, so die Kinderärztin. Nur andere Kinder solle man derzeit eben meiden.

 

„Kleine Kinder haben kein Hygieneverständnis,“ erklärt sie. Auch wenn Kinder aus Sicht der Epidemiologen nicht ansteckender seien als Erwachsene, fingerten sie alles an und steckten Dinge in den Mund, was das Ansteckungsrisiko erhöhe. „Ein Bussi auf die Wange, ein angekauter Apfelschnitz dem Gegenüber in den Mund geschoben – so schnell könnten Eltern gar nicht reagieren.“ Und während eine Virusinfektion bei Kindern oft glimpflich verlaufe, könnten sie ihre Familie anstecken. Deshalb sei es auch wichtig, dass derzeit Oma und Opa nicht für die Betreuung eingespannt werden. „Es ist gut, dass diese Botschaft einige Tage Zeit hatte, bei den Familien anzukommen, bevor Kitas und Schulen geschlossen wurden“, so Steuerer.

Ärztin rät zu frischer Luft

Auch Teenagern fällt derzeit die Decke auf den Kopf. Sie völlig vom sozialen Umfeld abzuschneiden, hält die Kinderärztin für keine gute Idee. Es spreche nichts dagegen, wenn man sich im kleinen Kreis treffe. „Wichtig ist, dass das immer dieselben ein, zwei Leute sind“, sagt Anke Steuerer. Und wer Erkältungssymptome zeige, müsse die Gruppe verlassen. Sie rät den Jugendlichen, zur Betätigung an die frischen Luft zu gehen. In großen Gruppen auf dem Rathausplatz zusammenzusitzen, ist damit nicht gemeint.

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