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Gedenken

30.06.2017

Damit die Opfer der Nationalsozialisten nie vergessen werden

In Augsburg wird mit Stolpersteinen und Erinnerungsbändern Opfern der Nationalsozialisten gedacht, wie etwa dem jüdischen Ehepaar Englaender. Enkelin Diane Englaender Peyser und Urenkel Alex Peyser bedeutet es viel, dass ihre Vorfahren nicht in Vergessenheit geraten.
Bild: Annette Zoepf

Augsburg hat einen eigenen Weg gefunden, um an die Opfer der Nationalsozialisten zu erinnern. Angehörige können zwischen zwei Formen wählen.

In Augsburg wird seit kurzem mit Stolpersteinen und Erinnerungsbändern an Menschen gedacht, die im Dritten Reich Opfer der Nationalsozialisten wurden. In der Stadt ist man stolz auf den gefundenen Kompromiss an Erinnerungsformen, der bundesweit bereits als der „Augsburger Weg“ bezeichnet wird. Auch Nachfahren von Augsburger Juden sind froh um diese Möglichkeit des Gedenkens, wie sich jetzt zeigte.

Anlässlich der Feier zum hundertjährigen Bestehen der Synagoge sind in diesen Tagen knapp 100 Menschen aus aller Welt auf Einladung des Jüdischen Kulturmuseums in die Fuggerstadt gekommen. Etliche begaben sich auf die Spuren ihrer jüdischen Vorfahren und suchten deren einstige Wohnorte auf. Dort, wo ihre Vorfahren ein normales Leben führten, bis sie von den Nationalsozialisten in den Tod getrieben oder ermordet wurden. Diane Englaender Peyser etwa ist mit ihrer Familie aus New Jersey in den USA nach Augsburg angereist. Sie besuchte das Haus ihrer Großeltern in der Annastraße, der heutigen Fußgängerzone.

Ihren Opa und ihre Oma hat die Amerikanerin nie kennengelernt. Aber sie weiß um deren entsetzliches Schicksal im Dritten Reich. Es begann damit, dass die Nationalsozialisten Zahnarzt Paul Englaender 1939 verboten, zu praktizieren. Er und seine Frau Hedwig schafften es zwar noch, ihre Kinder in die USA in Sicherheit zu bringen. Ihnen selbst gelang die Emigration allerdings nicht mehr. Als das Ehepaar Englaender Anfang April 1943 die Aufforderung zur Deportation nach Auschwitz erhielt, nahm es sich das Leben. „Ich spüre eine tiefe Traurigkeit“, sagte Enkelin Englaender Peyser, als sie vor dem Haus ihrer Großeltern stand, in dem heute Büros untergebracht sind. „Ich hätte sie so gerne kennengelernt.“

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Bild: Annette Zoepf und Bernhard Weizenegger

Froh ist sie, dass die Stadt Augsburg den Weg gefunden hat, um auf öffentlichen Grund an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Stolpersteine des dafür bekannten deutschen Künstlers Gunter Demnig oder Erinnerungsbänder, gestaltet von der Augsburger Agentur Büroecco, sind die beiden Alternativen, zwischen denen Angehörige wählen können. Sie werden an dem letzten freiwillig gewählten Wohnort der Opfer angebracht. Die Amerikanerin entschied sich dabei für Letzteres. Die Erinnerungsbänder sind Manschetten aus Bronze. Sie werden auf Augenhöhe an Laternenmasten oder Pfosten von Schildern installiert. Die Namen der Opfer sind darauf eingraviert, wie auch Geburts- und Sterbedatum. „Ich finde, dass das Zeichen besser gesehen wird, als ein Stolperstein“, erklärte die Enkelin ihre Entscheidung. „Und wenn die Menschen nach unten schauen, dann blicken sie doch nur auf ihre Handys.“

Sichtlich bewegt war sie, als das Erinnerungsband für ihre Großeltern vor dem Haus in der Fußgängerzone befestigt wurde. Etliche weitere Nachfahren Augsburger Juden, Vertreter des Jüdischen Kulturmuseums und der Initiative Erinnerungswerkstatt begleiteten den Akt. „Das Zeichen erinnert uns im Alltag daran, dass das Ehepaar hier dazugehörte“, sagte Museumsleiterin Benigna Schönhagen. Es wurden noch vier weitere Erinnerungsbänder zum Gedenken an Augsburger Juden montiert. Auch Bürger verfolgten interessiert die Anbringungen der Bronzetafeln. „In welcher Form der Menschen gedacht wird, ist nicht das Wichtigste“, meinte etwa Marianne Weiß, von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. „Dass Wichtigste ist doch, dass die Erinnerung stattfindet.“ Insgesamt erinnern inzwischen 20 Stolpersteine und sieben Erinnerungsbänder in der Stadt an Opfer der Nationalsozialisten. Enkelin Diane Englaender Peyser sagte: „Es tröstet mich etwas, dass meine Großeltern nicht ganz in Vergessenheit geraten.“

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